Samstag, 1. August 2026

Halbleiterphysik und p-n-Übergang – Dotierung, Ladungsträgerstatistik, Dioden und Optoelektronik




Titelbild: Eigene Illustration eines p-n-Übergangs mit Ladungsträgern sowie zentraler Beziehungen für Massenwirkungsgesetz, eingebautes Potential, Diodenstrom und Diffusionslänge.

Halbleiter sind Materialien, deren elektrische Eigenschaften gezielt über Temperatur, Licht, chemische Dotierung und elektrische Felder gesteuert werden können. Genau diese Kontrollierbarkeit macht sie zur Grundlage moderner Elektronik, Sensorik und Photonik.

Der entscheidende Unterschied zu einem Metall liegt nicht nur in einer geringeren Trägerdichte, sondern in der Existenz einer Bandlücke. Elektronen können aus dem Valenzband in das Leitungsband angeregt werden. Dabei entstehen stets zwei mobile Quasiteilchen:

  • ein Elektron im Leitungsband,
  • ein Loch im Valenzband.

Durch Dotierung lässt sich festlegen, welche Trägerart dominiert. Fügt man geeignete Donatoren hinzu, entsteht ein n-Halbleiter; geeignete Akzeptoren erzeugen einen p-Halbleiter. Bringt man beide Bereiche in Kontakt, entsteht ein p-n-Übergang mit Raumladungszone, eingebautem elektrischen Feld und richtungsabhängiger Strom-Spannungs-Kennlinie.

Einordnung: Teil 6 entwickelte Energiebänder, Fermi-Niveau, effektive Masse und intrinsische Trägerdichte. Teil 7 verwendet diese Grundlagen für dotierte Halbleiter und Bauelemente. Teil 8 führt anschließend zu Metallen, elektrischer Leitfähigkeit, Streuprozessen, Hall-Effekt und Magnetowiderstand.

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:
  • intrinsische und extrinsische Halbleiter unterscheiden,
  • Donatoren und Akzeptoren in Banddiagrammen einordnen,
  • Elektronen- und Lochdichten im nicht entarteten Grenzfall berechnen,
  • das Massenwirkungsgesetz np=ni² anwenden,
  • Fermi-Niveau-Verschiebungen durch Dotierung bestimmen,
  • Freeze-out-, extrinsischen und intrinsischen Temperaturbereich erklären,
  • Leitfähigkeit und Hall-Koeffizient berechnen,
  • Erzeugung, Rekombination und Lebensdauer einordnen,
  • Diffusionslängen und Quasi-Fermi-Niveaus erklären,
  • eingebautes Potential und Breite der Raumladungszone bestimmen,
  • die Shockley-Diodengleichung anwenden,
  • Zener- und Lawinendurchbruch unterscheiden,
  • Funktionsprinzipien von Photodiode, LED und Solarzelle erklären.

1. Intrinsischer Halbleiter

Ein ideal reiner Halbleiter ohne elektrisch aktive Fremdatome heißt intrinsisch. Thermische Anregung über die Bandlücke erzeugt Elektronen im Leitungsband und Löcher im Valenzband.

n=p=ni

Die intrinsische Trägerdichte ist:

ni=√(NCNV) exp[−Eg/(2kBT)]

NC und NV sind effektive Zustandsdichten der Bandränder. Die exponentielle Abhängigkeit macht Halbleitereigenschaften stark temperaturabhängig.

2. Effektive Zustandsdichten

Für parabolische Bänder lauten die dreidimensionalen effektiven Zustandsdichten:

NC=2(2πme*kBT/h²)3/2
NV=2(2πmh*kBT/h²)3/2

Sie enthalten Bandentartung und effektive Masse. Größere effektive Masse bedeutet mehr Zustände nahe dem Bandrand.

3. Nicht entartete Ladungsträgerstatistik

Liegt das Fermi-Niveau mehrere kBT vom jeweiligen Bandrand entfernt, kann die Fermi-Dirac-Verteilung durch eine Boltzmann-Form angenähert werden:

n=NCexp[−(EC−EF)/(kBT)]
p=NVexp[−(EF−EV)/(kBT)]

Diese Beziehungen verbinden das Fermi-Niveau direkt mit den Trägerdichten.

4. Massenwirkungsgesetz

Multiplikation der beiden Boltzmann-Ausdrücke ergibt im thermischen Gleichgewicht:

np=NCNVexp[−Eg/(kBT)]=ni²

Wird eine Trägerart durch Dotierung erhöht, sinkt die Gleichgewichtskonzentration der anderen entsprechend.

5. Intrinsisches Fermi-Niveau

Für n=p folgt:

Ei=(EC+EV)/2+3kBT/4·ln(mh*/me*)

Bei gleichen effektiven Massen liegt Ei genau in der Mitte der Bandlücke.

6. Donatoren

Ein Donator besitzt ein schwach gebundenes zusätzliches Elektron. Sein Energieniveau ED liegt typischerweise knapp unterhalb des Leitungsbandes. Thermische Ionisation:

D0⇌D++e

Nach Ionisation bleibt ein positiv geladenes, weitgehend ortsfestes Donatorion zurück. Das freie Elektron trägt zum Strom bei.

7. Akzeptoren

Ein Akzeptor kann ein Elektron aus dem Valenzband aufnehmen. Dadurch bleibt ein Loch zurück:

A0⇌A+h+

Das Akzeptorniveau EA liegt nahe oberhalb des Valenzbandes.

8. Wasserstoffähnliches Dotiermodell

Flache Dotierniveaus können näherungsweise wie ein Wasserstoffatom mit effektiver Masse und dielektrischer Abschirmung behandelt werden:

EB*=13,6 eV·(m*/me)/εr²
aB*=a0εr(me/m*)

Große Dielektrizitätskonstante und kleine effektive Masse erzeugen geringe Bindungsenergie und große räumliche Ausdehnung.

9. Ladungsneutralität

Für einen homogenen Halbleiter gilt:

p+ND+=n+NA

Zusammen mit np=ni² und den Ionisationsgraden bestimmt diese Gleichung das Fermi-Niveau.

10. Voll ionisierte n-Dotierung

Für ND≫ni, vernachlässigbare Akzeptoren und vollständige Ionisation:

n≈ND
p≈ni²/ND

Das Fermi-Niveau nähert sich dem Leitungsband.

11. Voll ionisierte p-Dotierung

p≈NA
n≈ni²/NA

Das Fermi-Niveau nähert sich dem Valenzband.

12. Kompensierte Dotierung

Sind Donatoren und Akzeptoren gleichzeitig vorhanden, kompensieren sie sich teilweise. Bei vollständiger Ionisation gilt für ND>NA:

n≈ND−NA

Die chemische Dotierkonzentration ist daher nicht automatisch gleich der freien Trägerdichte.

13. Freeze-out-Bereich

Bei tiefer Temperatur reicht die thermische Energie nicht zur vollständigen Ionisation der Dotierzentren. Die Trägerdichte sinkt exponentiell. Dieser Bereich heißt Freeze-out.

14. Extrinsischer Bereich

Bei mittlerer Temperatur sind die Dotieratome weitgehend ionisiert, intrinsische Anregung ist aber noch klein. Die Mehrheitsträgerdichte wird ungefähr durch die Netto-Dotierung bestimmt.

15. Intrinsischer Hochtemperaturbereich

Bei hoher Temperatur wird ni größer als die Dotierkonzentration. Dann gilt wieder n≈p≈ni. Die Leitfähigkeit steigt stark an.



Abbildung 1. Dotierung verschiebt das Fermi-Niveau zu einem Bandrand. Bei tiefer Temperatur frieren Dotierzentren aus, im extrinsischen Bereich dominiert die Dotierung und bei hoher Temperatur die intrinsische Anregung.

16. Entartete Halbleiter

Bei sehr hoher Dotierung kann EF in ein Band hineinwandern. Dann versagt die Boltzmann-Näherung; Fermi-Dirac-Integrale sind nötig. Solche Halbleiter zeigen teilweise metallähnliches Verhalten.

17. Leitfähigkeit

σ=e(nμn+pμp)

Die Mobilität hängt von effektiver Masse und Streuzeit ab:

μ=eτ/m*

Mehr Dotierung erhöht n oder p, verstärkt aber zugleich die Streuung an ionisierten Fremdzentren.

18. Temperaturabhängige Mobilität

Bei niedriger Temperatur dominiert häufig Streuung an ionisierten Störstellen. Bei höherer Temperatur nimmt Phononenstreuung zu. Die Mobilität kann daher zunächst steigen und später fallen.

19. Hall-Effekt

Für einen dominierenden Trägertyp lautet der Hall-Koeffizient näherungsweise:

RH=−1/(en) für Elektronen
RH=+1/(ep) für Löcher

Aus Vorzeichen und Betrag lassen sich Trägertyp und Konzentration abschätzen. Bei mehreren Bändern oder vergleichbaren Elektronen- und Lochbeiträgen ist die Interpretation komplexer.

20. Erzeugung und Rekombination

Ein Elektron-Loch-Paar kann durch Wärme, Licht oder Teilchenstrahlung erzeugt werden. Rekombination vernichtet ein Elektron im Leitungsband und ein Loch im Valenzband.

Im Gleichgewicht sind Erzeugungs- und Rekombinationsrate gleich. Außerhalb des Gleichgewichts bestimmt die Nettorate, wie schnell überschüssige Ladungsträger relaxieren.

21. Strahlende Rekombination

Bei direkter Bandlücke kann ein Elektron unter Photonenaussendung in das Valenzband zurückkehren:

Rrad=B(np−ni²)

B ist ein materialspezifischer Rekombinationskoeffizient. Dieser Prozess ist Grundlage von LEDs und Halbleiterlasern.

22. Shockley–Read–Hall-Rekombination

Defektzustände innerhalb der Bandlücke können Ladungsträger nacheinander einfangen. Die vereinfachte Nettorate ist:

RSRH=(np−ni²)/[τp(n+n1)+τn(p+p1)]

Zentren nahe der Bandmitte sind besonders wirksam, weil sie beide Trägerarten effizient einfangen können.

23. Auger-Rekombination

Bei hoher Trägerdichte kann die Rekombinationsenergie auf ein drittes Elektron oder Loch übertragen werden. Typische Terme lauten:

RAuger=(Cnn+Cpp)(np−ni²)

Auger-Prozesse begrenzen die Effizienz stark injizierter LEDs, Laser und konzentrierter Solarzellen.

24. Oberflächenrekombination

Oberflächen brechen Bindungen und erzeugen Zustände in der Bandlücke. Die Oberflächenrekombinationsgeschwindigkeit S beschreibt den Verlust überschüssiger Träger an einer Grenzfläche.

Passivierung reduziert diese Zustände und ist für Solarzellen, Photodioden und nanoskalige Bauelemente zentral.

25. Lebensdauer überschüssiger Träger

Für kleine Abweichungen vom Gleichgewicht wird häufig geschrieben:

dΔn/dt=−Δn/τ
Δn(t)=Δn(0)e−t/τ

Die effektive Lebensdauer kombiniert mehrere Kanäle:

1/τeff=1/τSRH+1/τrad+1/τAuger+...

26. Diffusionslänge

Ln=√(Dnτn)
Lp=√(Dpτp)

Eine große Diffusionslänge bedeutet, dass Minderheitsträger weite Strecken zurücklegen können, bevor sie rekombinieren.

27. Einstein-Beziehung

Im nicht entarteten Gleichgewicht verbindet sie Mobilität und Diffusion:

D/μ=kBT/e=VT

Bei 300 K ist die thermische Spannung VT≈25,85 mV.

28. Quasi-Fermi-Niveaus

Unter Beleuchtung oder Strominjektion befinden sich Elektronen und Löcher nicht im gemeinsamen Gleichgewicht. Man definiert getrennte Quasi-Fermi-Niveaus:

n=NCexp[−(EC−EFn)/(kBT)]
p=NVexp[−(EFp−EV)/(kBT)]

Ihre Aufspaltung misst die freie Energie der Nichtgleichgewichtsträger. In einer Solarzelle begrenzt sie die erreichbare Spannung.

29. Entstehung des p-n-Übergangs

Werden p- und n-Halbleiter verbunden, diffundieren Elektronen vom n- ins p-Gebiet und Löcher in Gegenrichtung. Nahe der Grenzfläche rekombinieren sie.

Zurück bleiben ortsfeste ionisierte Donatoren auf der n-Seite und ionisierte Akzeptoren auf der p-Seite. So entsteht eine Raumladungszone.

30. Eingebautes elektrisches Feld

Die Raumladung erzeugt ein Feld vom positiven Donatorraum zur negativen Akzeptorraumladung. Dieses Feld treibt Elektronen und Löcher entgegen der Diffusion.

Im thermischen Gleichgewicht heben sich Drift- und Diffusionsstrom exakt auf; der Gesamtstrom ist null.

31. Eingebautes Potential

Für einen abrupten, nicht entarteten Übergang mit vollständiger Ionisation:

Vbi=kBT/e·ln(NAND/ni²)

Höhere Dotierung vergrößert das Potential logarithmisch. Eine kleinere intrinsische Trägerdichte führt ebenfalls zu größerem Vbi.

32. Verarmungsnäherung

Innerhalb der Raumladungszone werden mobile Träger gegenüber den ionisierten Dotierzentren vernachlässigt. Außerhalb bleibt der Halbleiter quasineutral.

Für Ladungsneutralität der Raumladungszone gilt:

NAxp=NDxn

Die schwächer dotierte Seite trägt den größeren Anteil der Breite.

33. Breite der Raumladungszone

W=xp+xn
W=√[(2εs/e)(1/NA+1/ND)(Vbi−V)]

V ist die angelegte Spannung mit positiver Vorwärtspolung. Rückwärtsspannung erhöht die Potentialbarriere und verbreitert die Zone.

34. Maximales elektrisches Feld

Für die dreieckige Feldverteilung des abrupten Übergangs:

Emax=2(Vbi−V)/W

Hohe Felder treten bei starker Dotierung und schmalen Raumladungszonen auf.

35. Sperrschichtkapazität

Cj/A=εs/W

Unter Rückwärtsspannung wächst W und die Kapazität sinkt. C-V-Messungen erlauben die Bestimmung von Dotierprofilen.

36. Bandverbiegung

Das elektrostatische Potential verschiebt Leitungs- und Valenzbandkante räumlich. Im Gleichgewicht ist das Fermi-Niveau überall konstant.

Die Bandverbiegung ist keine lokale Änderung der fundamentalen Bandlücke, sondern eine Verschiebung der Bandkanten durch das Potential.



Abbildung 2. Diffusion hinterlässt ionisierte Dotierzentren und erzeugt eine Raumladungszone. Das eingebaute Feld verbiegt die Bänder; Vorwärtsspannung senkt die Barriere und erhöht den Strom exponentiell.

37. Vorwärtspolung

Eine positive Spannung an der p-Seite senkt die Potentialbarriere. Mehrheitsträger werden über den Übergang injiziert und werden auf der Gegenseite zu Minderheitsträgern.

Ihre Diffusion und Rekombination erzeugen den Vorwärtsstrom.

38. Rückwärtspolung

Eine negative Spannung an der p-Seite erhöht die Barriere und verbreitert die Raumladungszone. Der Strom wird im Idealmodell durch thermisch erzeugte Minderheitsträger begrenzt.

39. Shockley-Diodengleichung

I=IS[exp(eV/(nkBT))−1]

IS ist der Sperrsättigungsstrom. Der Idealitätsfaktor n liegt im einfachen Diffusionsgrenzfall nahe 1 und bei dominanter Rekombination in der Raumladungszone häufig näher bei 2.

40. Sperrsättigungsstrom

Für eine ideale abrupte Diode:

IS=eA ni²[Dp/(LpND)+Dn/(LnNA)]

Wegen ni² besitzt IS eine starke Temperaturabhängigkeit.

41. Serien- und Parallelwiderstände

Reale Dioden weichen durch Kontakt- und Bahnwiderstände, Leckpfade, Oberflächenrekombination und nichtideale Injektion ab. Bei großem Vorwärtsstrom begrenzt der Serienwiderstand die Exponentialkennlinie.

42. Zener-Durchbruch

In stark dotierten, schmalen Übergängen kann das elektrische Feld Elektronen quantenmechanisch vom Valenz- ins Leitungsband tunneln. Dies ist der Zener-Durchbruch.

43. Lawinendurchbruch

In breiteren, schwächer dotierten Übergängen beschleunigt das Feld Ladungsträger so stark, dass Stoßionisation weitere Elektron-Loch-Paare erzeugt. Die Trägerzahl wächst lawinenartig.

44. Heteroübergänge

Werden zwei verschiedene Halbleiter verbunden, entstehen Bandversätze ΔEC und ΔEV. Heteroübergänge können Ladungsträger räumlich einschließen und Rekombination gezielt steuern.

Sie sind zentral für Hochgeschwindigkeitstransistoren, LEDs, Laser und Mehrfachsolarzellen.

45. Metall-Halbleiter-Kontakte

Je nach Austrittsarbeit und Grenzflächenzuständen entsteht ein ohmscher Kontakt oder eine Schottky-Barriere. Eine ideale n-Typ-Schottky-Barriere hat ungefähr:

ΦB,nM−χ

Reale Kontakte werden häufig durch Grenzflächenzustände, Reaktionen und Fermi-Niveau-Pinning beeinflusst.

46. Photoleitung

Absorbierte Photonen mit hν≥Eg erzeugen zusätzliche Elektron-Loch-Paare. Die Leitfähigkeit steigt:

Δσ=e(Δnμn+Δpμp)

Lebensdauer, Absorption und Oberflächenrekombination bestimmen die Empfindlichkeit.

47. Photodiode

Eine rückwärts gepolte Photodiode nutzt das Feld der Raumladungszone, um photogenerierte Träger schnell zu trennen. Der Photostrom ist über einen Bereich annähernd proportional zur Lichtleistung.

Breite Raumladungszonen erhöhen Absorptionsvolumen und senken Kapazität, verlängern aber gegebenenfalls die Laufzeit.

48. Leuchtdiode

Unter Vorwärtspolung werden Elektronen und Löcher in eine aktive Zone injiziert. Bei strahlender Rekombination entsteht Licht:

hν≈Eg
λ≈hc/Eg

Direkte Bandlücken sind für effiziente LEDs vorteilhaft. Heterostrukturen halten Träger und Photonen in der aktiven Zone.

49. Solarzelle

Eine Solarzelle ist ein beleuchteter p-n- oder Heteroübergang. Das eingebaute Feld trennt photogenerierte Träger. Die Kennlinie ist:

I=IS[exp(eV/(nkBT))−1]−Iph

Die Leerlaufspannung ist idealisiert:

VOC=nkBT/e·ln(Iph/IS+1)

50. Wirkungsgradverluste in Solarzellen

Wichtige Verlustkanäle sind:

  • Nichtabsorption von Photonen unterhalb der Bandlücke,
  • Thermalisierung überschüssiger Photonenenergie,
  • Volumen-, Oberflächen- und Kontaktrekombination,
  • ohmsche Widerstände,
  • optische Reflexion und unvollständige Lichtfalle.


Abbildung 3. Rekombinationswege bestimmen Lebensdauer und Lichtausbeute. Dieselbe Elektron-Loch-Physik wird in LEDs zur Lichtemission und in Photodioden beziehungsweise Solarzellen zur Lichtdetektion genutzt.

51. Spektrale Empfindlichkeit und Quantenausbeute

Die externe Quantenausbeute EQE einer Photodiode oder Solarzelle gibt an, welcher Anteil einfallender Photonen als gesammelte Elektronen im äußeren Stromkreis erscheint:

EQE(λ)=Zahl gesammelter Elektronen/Zahl einfallender Photonen

Die spektrale Empfindlichkeit R(λ) in A W−1 lautet idealisiert:

R(λ)=EQE(λ)eλ/(hc)

Reflexion, unvollständige Absorption, Oberflächenrekombination und schlechte Ladungsträgersammlung vermindern die EQE. Die interne Quantenausbeute bezieht sich nur auf tatsächlich absorbierte Photonen.

52. C-V-Profilierung eines Übergangs

Die spannungsabhängige Sperrschichtkapazität enthält Informationen über die Dotierung. Für einen einseitig abrupten Übergang gilt näherungsweise:

1/C²∝Vbi−V

Aus der Steigung eines 1/C²-gegen-V-Diagramms lässt sich die Dotierkonzentration der schwächer dotierten Seite bestimmen. Bei räumlich variierender Dotierung liefert die differentielle Auswertung ein Tiefenprofil.

Grenzflächenzustände, Serienwiderstand und frequenzabhängige Trägerantwort können die ideale Auswertung verfälschen.

53. Zwei-Träger-Hall-Effekt

Leisten Elektronen und Löcher gleichzeitig einen relevanten Beitrag, lautet der Hall-Koeffizient im einfachen Zweibandmodell:

RH=[pμp²−nμn²]/[e(pμp+nμn)²]

Das Vorzeichen wird nicht nur durch die größere Trägerdichte, sondern durch das Produkt aus Dichte und Mobilitätsquadrat bestimmt. Nahe dem intrinsischen Bereich kann RH daher stark temperaturabhängig sein oder sein Vorzeichen wechseln.

54. Rekombination und detailliertes Gleichgewicht

Absorption und Emission sind thermodynamisch gekoppelt. Ein Material mit starker optischer Absorption nahe der Bandkante kann unter geeigneter Besetzung auch effizient emittieren. In einer idealen Solarzelle steht die radiative Rekombination im detaillierten Gleichgewicht mit der Umgebungsstrahlung.

Nichtstrahlende Rekombination erhöht den Dunkelsättigungsstrom und senkt die Leerlaufspannung. Eine hohe Lumineszenzausbeute ist deshalb nicht nur für LEDs, sondern auch ein Qualitätsmerkmal leistungsfähiger Solarzellen.

55. Bandversätze in Heterostrukturen

Je nach relativer Lage von Leitungs- und Valenzband unterscheidet man:

  • Typ I: Elektronen und Löcher werden im selben Material eingeschlossen,
  • Typ II: Elektronen und Löcher werden räumlich getrennt,
  • Typ III: die Bänder überlappen gebrochen.

Typ-I-Strukturen sind für Lichtemitter günstig. Typ-II-Strukturen verlängern häufig die Trägerlebensdauer und sind für Photodetektion oder Ladungstrennung interessant. Grenzflächenchemie und Gitterfehlanpassung beeinflussen die realen Bandversätze.

56. Quantenbegrenzung

Wird eine Halbleiterschicht auf wenige Nanometer verkleinert, entstehen diskrete Subbänder. In einem einfachen Quantentopf steigt die Einschlussenergie ungefähr wie 1/L². Dadurch kann die Emissions- oder Absorptionsenergie durch die Schichtdicke eingestellt werden.

Quantenfilme, Quantendrähte und Quantenpunkte verändern außerdem Zustandsdichte, Auswahlregeln und Rekombinationsdynamik. Moderne LEDs und Laser nutzen häufig mehrere Quantentöpfe in einer Heterostruktur.

57. Typische Fehler

FehlerKorrektur
Dotieratome mit freien Trägern gleichsetzenIonisationsgrad, Kompensation und Defektbindung berücksichtigen.
np=ni² außerhalb des Gleichgewichts ungeprüft anwendenUnter Beleuchtung oder Injektion gelten Quasi-Fermi-Niveaus.
Fermi-Niveau als besetztes einzelnes Niveau behandelnEs ist ein chemisches Potential der Elektronen.
n-Typ als negativ geladenes Material ansehenDer Halbleiter bleibt makroskopisch ladungsneutral.
Mobilität bei steigender Dotierung als konstant annehmenStörstellenstreuung kann sie verringern.
Raumladungszone als vollständig ladungsfrei beschreibenMobile Träger fehlen, ionisierte Dotierzentren bleiben zurück.
Bandverbiegung mit Änderung der Bandlücke verwechselnDas elektrostatische Potential verschiebt beide Bandkanten gemeinsam.
Shockley-Gleichung bei jedem Strom exakt anwendenSerienwiderstand, Rekombination und Hochinjektion begrenzen sie.
Zener- und Lawinendurchbruch gleichsetzenTunneln und Stoßionisation sind verschiedene Mechanismen.
jede Rekombination als strahlend ansehenSRH- und Auger-Prozesse können dominieren.
LED-Photonenenergie exakt mit Eg gleichsetzenBandstruktur, Temperatur, Quantentöpfe und Verluste verschieben das Spektrum.
Solarzellenspannung mit der Bandlücke gleichsetzenRekombination und Entropie erzeugen einen Spannungsverlust.

58. Übungsaufgaben

Aufgabe 1: Intrinsische Ladungsträgerdichte

Für einen Halbleiter gelten bei 300 K:

NC=2,80×1025 m−3, NV=1,04×1025 m−3, Eg=1,12 eV

Berechne ni.

Aufgabe 2: Fermi-Niveau im n-Halbleiter

Ein nicht entarteter n-Halbleiter besitzt NC=2,80×1025 m−3 und n=1,00×1022 m−3 bei 300 K.

Berechne EC−EF.

Aufgabe 3: Leitfähigkeit

Für n=1,00×1022 m−3 und μn=0,140 m² V−1 s−1 sei der Lochbeitrag vernachlässigbar.

Berechne σ und den spezifischen Widerstand ρ=1/σ.

Aufgabe 4: Hall-Koeffizient

Berechne für denselben n-Halbleiter:

RH=−1/(en)

Aufgabe 5: Eingebautes Potential

Ein abrupter Silicium-p-n-Übergang besitzt bei 300 K:

NA=1,00×1023 m−3, ND=1,00×1022 m−3, ni=1,00×1016 m−3

Berechne Vbi.

Aufgabe 6: Breite der Raumladungszone

Verwende die Werte aus Aufgabe 5, εr=11,7 und V=0.

Berechne W sowie die Teilbreiten:

xp=WND/(NA+ND)
xn=WNA/(NA+ND)

Aufgabe 7: Feld und Sperrschichtkapazität

Berechne für Aufgabe 6:

Emax=2Vbi/W
Cj/A=εs/W

Aufgabe 8: Diodenstrom

Eine Diode besitzt bei 300 K IS=1,00×10−12 A und Idealitätsfaktor n=1,50.

Berechne den Strom bei V=0,600 V.

Aufgabe 9: Diffusionslänge

Für Minderheitsträger gelten D=2,50×10−3 m² s−1 und τ=2,00 µs.

Berechne L=√(Dτ).

Aufgabe 10: Solarzellenspannung und LED-Wellenlänge

a) Eine ideale Solarzelle besitzt bei 300 K Iph=30,0 mA, IS=1,00×10−10 A und n=1. Berechne VOC.

b) Eine LED besitzt Eg=1,90 eV. Schätze λ=hc/Eg.

59. Vollständige Lösungen

Lösung 1
ni=√[(2,80×1025)(1,04×1025)]exp[−1,12/(2·0,025852)]
ni=6,676×1015 m−3

Die exponentielle Bandlückenabhängigkeit dominiert gegenüber den großen Zustandsdichten.

Lösung 2
EC−EF=kBT ln(NC/n)
EC−EF=(0,025852 eV)ln(2,80×103)
EC−EF=0,2052 eV

Das Fermi-Niveau liegt deutlich näher am Leitungsband als in einem intrinsischen Halbleiter.

Lösung 3
σ=enμn
σ=(1,60218×10−19)(1,00×1022)(0,140)=224,3 S m−1
ρ=1/σ=4,458×10−3 Ω m
Lösung 4
RH=−1/[(1,60218×10−19)(1,00×1022)]
RH=−6,242×10−4 m³ C−1

Das negative Vorzeichen identifiziert Elektronen als dominante Ladungsträger.

Lösung 5
Vbi=0,025852 ln[(1023·1022)/(1016)²]
Vbi=0,7738 V
Lösung 6

Mit εs=11,7ε0:

W=√[(2εs/e)(1/NA+1/ND)Vbi]
W=3,318×10−7 m=331,8 nm
xp=30,16 nm, xn=301,6 nm

Die Raumladungszone reicht überwiegend in die schwächer dotierte n-Seite.

Lösung 7
Emax=2(0,7738)/(3,318×10−7)
Emax=4,665×106 V m−1
Cj/A=(11,7ε0)/W=3,122×10−4 F m−2

Dies entspricht etwa 31,22 nF cm−2.

Lösung 8
I=10−12[exp(0,600/(1,50·0,025852))−1]
I=5,245×10−6 A=5,245 µA

Ein kleiner Unterschied in Spannung oder Temperatur ändert den Strom wegen der Exponentialfunktion stark.

Lösung 9
L=√[(2,50×10−3)(2,00×10−6)]
L=7,071×10−5 m=70,71 µm
Lösung 10

a) Leerlaufspannung:

VOC=0,025852 ln[(0,0300)/(1,00×10−10)+1]
VOC=0,5046 V

b) LED-Wellenlänge:

λ≈1239,84 eV nm/(1,90 eV)=652,5 nm

Das entspricht rotem Licht. Das reale Emissionsmaximum kann wegen Temperatur, Bandstruktur und Quanteneinschlüssen abweichen.

60. Zusammenfassung

  • Intrinsische Halbleiter besitzen n=p=ni.
  • ni hängt exponentiell von Eg/T ab.
  • Donatoren erzeugen Elektronen, Akzeptoren Löcher.
  • Dotierung verschiebt das Fermi-Niveau zu einem Bandrand.
  • Im Gleichgewicht gilt np=ni².
  • Ladungsneutralität koppelt freie und gebundene Ladungen.
  • Freeze-out, extrinsischer und intrinsischer Bereich sind verschiedene Temperaturregime.
  • Sehr hohe Dotierung kann zu Entartung führen.
  • Leitfähigkeit hängt von Trägerdichte und Mobilität ab.
  • Der Hall-Effekt identifiziert Trägertyp und Konzentration.
  • Strahlende, SRH-, Auger- und Oberflächenrekombination konkurrieren.
  • Die Lebensdauer bestimmt zusammen mit D die Diffusionslänge.
  • Unter Nichtgleichgewicht entstehen getrennte Quasi-Fermi-Niveaus.
  • Am p-n-Übergang diffundieren Mehrheitsträger und hinterlassen Raumladung.
  • Das eingebaute Feld kompensiert im Gleichgewicht den Diffusionsstrom.
  • Vbi wächst logarithmisch mit der Dotierung.
  • Die Raumladungszone reicht stärker in die schwächer dotierte Seite.
  • Vorwärtsspannung senkt, Rückwärtsspannung erhöht die Barriere.
  • Die ideale Kennlinie folgt der Shockley-Gleichung.
  • Zener-Durchbruch beruht auf Tunneln, Lawinendurchbruch auf Stoßionisation.
  • Photodioden trennen photogenerierte Träger im elektrischen Feld.
  • LEDs nutzen strahlende Rekombination in direkten Halbleitern.
  • Solarzellen verschieben die Diodenkennlinie durch einen Photostrom.
  • Heteroübergänge steuern Bandversätze und Trägereinschluss.

61. Häufig gestellte Fragen

Ist ein n-Halbleiter negativ geladen?

Nein. Freie Elektronen werden durch positiv ionisierte Donatoren kompensiert; das Material bleibt makroskopisch neutral.

Warum sinkt die Minderheitsträgerdichte bei stärkerer Dotierung?

Im Gleichgewicht bleibt das Produkt np=ni² konstant.

Warum liegt das Fermi-Niveau bei hoher n-Dotierung näher am Leitungsband?

Eine größere Elektronendichte erfordert nach der Fermi-Statistik ein höheres chemisches Potential.

Was ist die Raumladungszone?

Ein Bereich nahe dem Übergang, in dem mobile Mehrheitsträger stark verarmt sind und ortsfeste ionisierte Dotierzentren die Ladungsdichte bestimmen.

Fließt im Gleichgewicht Diffusionsstrom?

Ja, aber ein gleich großer entgegengesetzter Driftstrom kompensiert ihn.

Warum ist die Sperrschichtkapazität spannungsabhängig?

Rückwärtsspannung verbreitert die Raumladungszone. Da C/A=ε/W gilt, sinkt die Kapazität.

Warum leuchtet Silicium nur ineffizient?

Silicium besitzt eine indirekte Bandlücke; strahlende Rekombination benötigt zusätzlich ein Phonon.

Warum begrenzt Rekombination die Solarzellenspannung?

Sie vermindert die Aufspaltung der Elektronen- und Loch-Quasi-Fermi-Niveaus.

Was unterscheidet Photodiode und Solarzelle?

Beide nutzen Phototrägertrennung. Die Photodiode wird meist als Sensor mit externer Vorspannung betrieben; die Solarzelle liefert elektrische Leistung.

Warum steigt der Diodenstrom exponentiell?

Vorwärtsspannung verändert die Minderheitsträgerkonzentration am Rand der Raumladungszone exponentiell.

62. Ausblick auf Teil 8

Teil 8 behandelt elektrische Leitfähigkeit in Metallen und Halbleitern. Relaxationszeit, Boltzmann-Transportgleichung, Matthiessensche Regel, Elektron-Phonon- und Störstellenstreuung, Wiedemann–Franz-Gesetz, Hall-Effekt, Magnetowiderstand, Mehrbandtransport und Quantenoszillationen werden systematisch entwickelt.

Literatur und weiterführende Quellen

  1. S. M. Sze & K. K. Ng: Physics of Semiconductor Devices. Wiley.
  2. D. A. Neamen: Semiconductor Physics and Devices. McGraw-Hill.
  3. B. G. Streetman & S. Banerjee: Solid State Electronic Devices. Pearson.
  4. P. Y. Yu & M. Cardona: Fundamentals of Semiconductors. Springer.
  5. S. O. Kasap: Principles of Electronic Materials and Devices. McGraw-Hill.

Didaktischer Hinweis: Parabolische Bänder, Boltzmann-Statistik, vollständige Dotierionisation, abrupte Übergänge, Verarmungsnäherung und ideale Shockley-Kennlinie sind kontrollierte Modelle. Reale Bauelemente besitzen Bandnichtparabolizität, Grenzflächenzustände, Serienwiderstände, Hochinjektion, Tunneln, Feldabhängigkeit und komplexe Rekombination.

Bild- und Nutzungsnachweis: Das Titelbild und die Abbildungen 1–3 wurden eigens für diesen Blogartikel mit selbst erstelltem Programmcode erzeugt. Es wurden keine Grafiken aus Lehrbüchern oder anderen Publikationen übernommen. Die Abbildungen sind für die Verwendung in diesem monetarisierbaren Blog vorgesehen.

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