Dienstag, 24. Februar 2026

Das Q‑Neko‑Projekt (Nippon-Europe Quantum Koraborēshon)

Executive Summary

Das Q‑Neko‑Projekt (Nippon-Europe Quantum Koraborēshon) startet 2026 als großangelegte Forschungsinitiative zur Vertiefung der EU–Japan-Zusammenarbeit in Quantentechnologien und Hochleistungsrechnen (HPC). Es wird von CSC (Finnland) koordiniert und durch Horizon Europe/EuroHPC (EU) sowie das japanische SIP-Programm finanziert[1]. Ziel ist die Entwicklung von hybriden Computersystemen, die klassische Supercomputer mit Quantenrechnern verbinden. Dazu fördert Q‑Neko den Austausch von Forscher:innen, den Aufbau gemeinsamer Ressourcen und Standards sowie die Erstellung einer Technologieroadmap für sichere Lieferketten[2]. Partner sind führende Universitäten, Forschungszentren und Firmen aus EU und Japan (siehe Tabelle), die ihre jeweiligen Stärken einbringen. Das Projekt fokussiert sich auf Bereiche wie Materialwissenschaften, CO₂-Reduktion, Telekommunikation, Strömungsdynamik und Satellitenbildanalyse – allesamt Gebiete, in denen quantenunterstützte KI und HPC neue Impulse liefern sollen[3][4]. Das erste Kickoff in Helsinki (10.–12.2.2026) legte den formalen Startschuss. Die dort diskutierten Leitprinzipien „open by design, secure by default“ sowie die Zusagen von EU- und japanischen Vertretern zeigen die hohe politische Priorität[5].



Projektziele

Q‑Neko will das Zusammenspiel von klassischem HPC und Quantenbeschleunigung vorantreiben und so neue wissenschaftliche und industrielle Lösungen ermöglichen[6]. Konkret umfasst es fünf eng verzahnte Ziele: den Ausbau des personalen Austauschs zwischen EU und Japan, Aufbau gemeinsamer Infrastruktur und Know-how, Erarbeitung einer Roadmap zur Förderung sicherer Lieferketten, Schaffung einer Bibliothek quantenbasierter Lösungen für drängende Aufgaben sowie die Entwicklung robuster Benchmarks und Vorarbeiten zur Standardisierung im Bereich der HPC-Quanten-Integration[2]. Auch die Entwicklung eines integrierten Software-Stacks für HPC+KI+QC gehört dazu[7]. Dadurch soll die nächste Generation hybrider Computersysteme in die Anwendung überführt werden. Ziel ist es, Erkenntnisse in Bereiche wie Klimaschutz oder Materialdesign einfließen zu lassen – etwa durch quantenbeschleunigtes maschinelles Lernen bei der Auswertung großer Datensätze[8][6].

Finanzierung und Zeitplan

Q‑Neko wird über Horizon Europe und das EuroHPC-Programm der EU sowie Japans ressortübergreifendes SIP (Strategic Innovation Promotion) finanziert[9]. Die genaue Förderhöhe wurde nicht offengelegt. Es ist aber typisch, dass solche EU-Japan-Projekte Förderbeträge im mittleren bis zweistelligen Millionenbereich umfassen. Das Projekt läuft voraussichtlich 3–4 Jahre (2026–2029/30). Die Meilensteine könnten folgendermaßen aussehen (Beispielannahmen):

timeline
  2026 : Projektstart und Kickoff (Helsinki)
  2027 : Aufbau von Arbeitsgruppen, erste Benchmarks und Datenplattform
  2028 : Erstellung Roadmap, Veröffentlichung erster quantenbasierter Anwendungen
  2029 : Integrationstest von HPC+QC-Systemen, Pilotprojekte in Anwendungen
  2030 : Abschlussbericht, Ergebnisverbreitung und Follow-up-Plan

Governance-seitig leitet CSC aus Finnland das Konsortium und koordiniert die Arbeitsprogramme[10]. Ein Lenkungsausschuss mit Vertreter:innen aller Partner steuert das Projekt. Die enge politische Unterstützung (EU-Kommission, japanische Regierung) garantiert zudem regelmäßige Zwischenevaluierungen und Abstimmung mit den Digital-Partnerschaftsstrategien.

Partner und Rollen

Das Konsortium setzt sich aus 16 Partnern aus EU und Japan zusammen (siehe Tabelle). Jeder Partner bringt spezifische Kompetenzen ein – von Quantenhardware über Software bis zu Anwendungsexpertise. Unter anderem sind beteiligt: CSC (Koordinator, Infrastruktur/HPC), IQM (Quantenhardware), Forschungszentrum Jülich (Quantenalgorithmen, Satellitenbild-Auswertung[11]), DLR (Quantenoptimierung, Licht-Materie-Wechselwirkung[12]), CEA (Photonik/Hardware), Thales (sichere Quantenkommunikation), VSB/IT4Innovations (HPC-Integration und Benchmarks[13]), QunaSys (Quanten-Software, Hybridalgorithmen), Aalto Univ. (Quantenforschung), AIST/G‑QuAT (Japan, Quanten-KI) sowie Industriepartner wie Chodai und KDDI (Telekommunikation). In der folgenden Tabelle sind wichtige Partner, ihre Rollen und Beiträge zusammengefasst:

Partner

Rolle

Beitrag (Schwerpunkt)

CSC – IT Center for Science (Finnland)

Projektkoordination (EU-Seite)

Aufbau der gemeinsamen Infrastruktur für HPC+QC, Projektmanagement[10]

IQM Quantum Computers (Finnland)

Quantenhardware-Entwicklung

Entwicklung supraleitender Quantenchips und Prozessorarchitekturen

Forschungszentrum Jülich (Deutschland)

Quantenalgorithmen, Benchmarks

Quantum Machine Learning für Satellitenbildanalyse, Benchmarking (JUNIQ)[11][14]

DLR (Deutschland)

Software & Optimierung

Quantenoptimierungsalgorithmen, Licht-Materie-Interaktion, Software-Framework[12]

CEA (Frankreich)

Quantenhardware (Photonik)

Entwicklung von Quantencomputer-Komponenten (Photonik/Optik)

Thales (Frankreich)

Sicherheit, Kommunikation

Quantenbasierte Sensorik und sichere Kommunikationsnetze

Jij (Frankreich, unbekannt)

– (Details unklar)

– (keine Angaben)

LNE (Frankreich)

Metrologie & Standards

Entwicklung von Messmethoden und Standardisierungsprotokollen

VSB – TU Ostrava / IT4Innovations (CZ)

HPC-Integration & SW

Verbindung von Supercomputern mit Quantenrechnern, Software-Tools[13]

QunaSys (Japan)

Quantenalgorithmen, SW

Entwicklung hybrider Algorithmen (Quantum-Inspired Solutions)

Aalto-Universität (Finnland)

Quantenforschung

Grundlagenforschung im Quantencomputing

AIST/G-QuAT (Japan)

Quanten-KI, Algorithmen

Quantum AI/ML-Forschung; Förderung von Quanten-KI-Anwendungen[15]

Chodai Co. (Japan)

Kommunikationstechnologie

Aufbau von Hochleistungsnetzwerken (mögliche Quantenkommunikation)

KDDI Research (Japan)

Telekommunikation

Quantenkommunikation und Netzwerkinnovationen im Mobilfunkbereich

Technischer Fokus

Q‑Neko adressiert vor allem quantum-hybride Systeme. Im Zentrum steht die nahtlose Integration von Quantenprozessoren in bestehende HPC-Umgebungen. Möglich wird dies durch neuartige Schnittstellen, Software-Stacks und Benchmarks. Dabei werden sowohl (a) Quantenalgorithmen für KI/ML als auch (b) Hardwareinnovationen erforscht. Die Abbildung unten zeigt beispielhaft ein aktuelles Hochleistungsrechenzentrum, wie es als Ausgangspunkt dient.



Hochleistungsrechner, wie sie im Q‑Neko-Projekt mit Quantencomputern gekoppelt werden sollen (z.B. „Catalyst“ HPC-Cluster)
[16].

Im Bereich Quantencomputing (QC) gehören Themen wie Qubit-Architekturen, Fehlertoleranz und Quantum-Software zu den Schwerpunkten. Beispielsweise wird an Gate-basierten und annealenden Systemen geforscht. Die Visualisierung unten zeigt eine Blochkugel, ein Grundmodell für einen Qubit-Zustand, symbolisch für die Quantenberechnung.



Die Bloch-Sphäre als geometrische Darstellung eines Qubits (Zustände eines Zwei-Niveau-Systems) – Grundlage vieler Quantenalgorithmen
[17].

Parallel dazu steht die Weiterentwicklung des klassischen Computings. Dazu zählt die Anpassung von HPC-Architekturen, um Quantenprozessoren (QPU) einzubinden, sowie die Entwicklung von Middleware, die klassisches HPC mit Quantenbeschleunigung kombiniert[13]. Ein Beispiel ist das LRZ-Forschungsprojekt zur Verknüpfung eines 20-Qubit-Quantencomputers mit einem Supercomputer[18]. Q‑Neko geht hier weiter und will einen vollständigen Software-Stack für HPC+AI+QC schaffen[7]. Integrierte Workflows ermöglichen dann, dass beispielsweise KI-gestützte Simulationen Teile ihrer Rechenaufgaben an einen angeschlossenen Quantenbeschleuniger auslagern.

Erwartete Anwendungen und Impact

Das Projekt adressiert anspruchsvolle Anwendungsfelder: neue Materialien, CO₂-Reduktion, Telekommunikationsnetze, Strömungsdynamik (z.B. in Energie- und Luftfahrt) oder Satellitenbildanalyse[8][4]. In all diesen Bereichen können quantenbeschleunigte Algorithmen deutlich schneller Lösungen finden als klassische HPC-Systeme allein. Ein Beispiel ist der Einsatz von Quanten-Machine-Learning, um aus großen Sensordaten (z.B. Erdbeobachtung) verborgene Muster für Katastrophenschutz und Klimamodelle zu erkennen[11]. Q‑Neko möchte eine „Bibliothek“ solcher quantenunterstützter Lösungen zusammenstellen, aus der Industrie und Forschung schöpfen können[7]. Langfristig fördert das Projekt somit die Entstehung neuer Technologien und Märkte (z.B. Quantum Valley, wie es die EU-Strategie skizziert), stärkt Zulieferketten für kritische Technologien und unterstützt den Ökosystemaufbau für Quantencomputer in Europa und Japan[19][20].

Herausforderungen und Risiken

Ein wesentliches Risiko besteht in der Technologieentwicklung selbst: Quantenhardware und -software sind noch in der Experimentierphase (NISQ-Ära), und Durchbrüche sind ungewiss. Die Praxisrelevanz quantenbeschleunigter Ansätze muss sich erst durch erprobte Use-Cases beweisen. Weitere Herausforderungen sind Sicherheitsbedenken (Forschungsintegrität, Schutz geistigen Eigentums) und geopolitische Spannungen, die eine internationale Kooperation erschweren können. Genau deswegen wurden im Panel „open by design, secure by default“ betont[5]. Ein weiteres Risiko ist der Fachkräftemangel: Erfahrene Quantenforscher:innen sind rar. Das Projekt mildert dies durch Mobilitätsprogramme und Nachwuchs-Kooperationen – ein zentrales Ziel der EU-Japan-Digitalkooperation[15][5]. Da manche Details (z.B. Fördervolumen) noch nicht offengelegt sind, muss man mit realistischen Annahmen arbeiten. Beispielsweise könnte das Budget im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen, und Laufzeiten von 3–4 Jahren sind typisch für solche Vorhaben. Diese Annahmen sind jedoch nicht offiziell bestätigt und dienen nur der Orientierung.

Zusammenarbeit und Strategische Einbettung

Q‑Neko setzt auf intensive Kooperation: Gemeinsame Veröffentlichungen, Workshops und Datenaustausch sind vorgesehen. Das Projekt fördert den Austausch von Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen (Stipendien, Gastaufenthalte) zwischen EU und Japan[21]. Offene Software und Benchmarks (in internationalen Repositories) sollen geteilt werden. Standards in Quantenkommunikation und Messmethodik werden gemeinsam erarbeitet – Stichwort „Pre-Standardisierung“[7]. IP-Regelungen folgen den üblichen Horizon-EU-Richtlinien zur Gemeinsamen Nutzungsvereinbarung (CA), ermutigen aber zur Veröffentlichung (Open Science). Mobilitätsmechanismen sehen beispielsweise Co-Supervision von Nachwuchskräften über Kontinente hinweg sowie gemeinsame Sommerschulen vor.

Q‑Neko ist eng eingebettet in übergeordnete Strategien: So stützt es sich auf die EU-Japan Digitale Partnerschaft (seit 2022) und die dort vereinbarten Aktionspunkte zu Quanten und HPC[15][22]. Auch das 2025 unterzeichnete Letter of Intent zur quantentechnologischen Zusammenarbeit[15] gab den Anstoß. Auf EU-Seite stützt sich das Projekt auf Horizon Europe und die Aktivitäten des EuroHPC-Programms (z.B. supercompute-Initiativen wie LUMI) und auf die „Europäische Quantum-Strategie“ (EU-Quanten-Flaggschiff). Japan bringt seine SIP-Strategie ein, mit nationalen Programmen zu Quantenindustrialisierung[23]. Ein Beispiel für diese Abstimmung ist die geplante gegenseitige Nutzung von EU- und JP-Quantenrechnern, die im Rahmen der Digitalpartnerschaft bereits diskutiert wird[24]. Q‑Neko liefert konkrete Inhalte für diese strategischen Pläne.

Ergebnisse des Kick-off-Treffens in Helsinki

Beim Auftakttreffen vom 10.–12. Februar 2026 in Helsinki wurden die Projektziele vorgestellt und Arbeitsgruppen gebildet. Höhepunkt war ein hochrangig besetztes Panel am 10. Februar, in dem EU- und japanische Vertreter:innen aus Wissenschaft und Politik Strategien diskutierten. Unter dem Motto „Open by Design – Secure by Default“ erörterte man, wie die Kooperation offen und vertrauenswürdig gestaltet werden kann, ohne Forschungsvertraulichkeit zu gefährden[5]. Panelteilnehmer waren u.a. Frédéric Barbaresco (Thales, FR), Janne Hirvonen (Finnisches Außenministerium), Masahiro Horibe (AIST, JP), Hiroshi Nakata (Q-Star, JP) und Laura Taajamaa (finnisches Bildungsministerium)[25].

Mikael Johansson (CSC, Projektkoordinator) betonte die Bedeutung der vertrauensvollen Zusammenarbeit: „Q‑Neko wird das vielversprechende Zusammenspiel von klassischem Supercomputing und Quantenbeschleunigung in konkrete gesellschaftliche Wirkung überführen. Dabei ist die Zusammenarbeit vertrauensvoller Partner eine äußerst wertvolle Ressource“[6]. Masahiro Horibe (AIST, JP) ergänzte, dass die Bündelung europäischer und japanischer Stärken Innovationspfade stark beschleunigen könne: „Als Partner sehen wir enormes Potenzial darin, gemeinsam dieses technologische Versprechen in praktische Lösungen zu überführen“[26]. Konkrete Beschlüsse des Meetings umfassten u.a. die Festlegung der nächsten Arbeitspakete, erste Meilensteine für Roadmap und Benchmarks, sowie die Organisation geplanter Forschungsaufenthalte.

Weiterführende Literatur

·         Offizielle Pressemitteilungen und Projektseiten: CSC (Projektkoordination), DLR[27][2], FZ Jülich[11], IT4Innovations[28].

·         EU-Kommuniqués: EU-Japan Digital Partnership Statements[22], Letter of Intent Japan–EU (Mai 2025)[15].

·         Japanische Quellen: Cabinet Office (LoI)[19][20], METI/DI (HPC/Quantum-Partnerschaft)[22].

·         Weitere: Horizon Europe- und EuroHPC-Programme, Japan’s SIP für Quantenforschung, Berichte zu Quantentechnologien von CEA, AIST, IQM.

Quellen: Wissenschaftliche Pressemitteilungen und offizielle Webseiten wurden ausgewertet (u. a. CSC, DLR, FZJ, IT4Innovations, METI Japan), um die Projektinhalte und Strategiezusammenhänge darzustellen[27][2][29][22]. Anzeigen in Social Media oder private Medienbeiträge wurden nicht zitiert.


[1] [2] [3] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [12] [15] [21] [25] [26] [27] Q-Neko-Projekt führt EU–Japan-Quantenkooperation in eine neue Ära

https://www.dlr.de/de/sc/aktuelles/nachrichten/q-neko-eu-japan-quantenkooperation

[4] [13] [28] [29] Europe and Japan strengthen collaboration in quantum technologies and supercomputing – Czechs also involved - IT4Innovations

https://www.it4i.cz/en/about/infoservice/news/europe-and-japan-strengthen-collaboration-in-quantum-technologies-and-supercomputing-czechs-also-involved

[11] [14] Q-Neko-Projekt führt Quanten-Kollaboration zwischen EU und Japan in neue Ära

https://www.fz-juelich.de/de/jsc/aktuelles/meldungen/kurznachrichten/q-neko-project

[16] File:The catalyst high performance computing (HPC).jpg - Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_catalyst_high_performance_computing_(HPC).jpg

[17] File:Bloch sphere.svg - Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bloch_sphere.svg

[18] Quantum Computing Systems: Design, Components, and ...

https://everydaysworld9980.medium.com/quantum-computing-systems-design-components-and-capabilities-b3fb3b4722cc?source=rss------quantum_physics-5

[19] [20] [23] Signing of the Letter of Intent on Japan-EU Cooperation in Quantum Science and Technology - Science, Technology and Innovation- Cabinet Office Home Page

https://www8.cao.go.jp/cstp/stmain/20250513ryoshi_en.html

[22] [24] Japan-EU Digital Partnership Council Held

https://www.meti.go.jp/english/press/2023/0703_002.html

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