Die
Börse ist ein zentraler Marktplatz für den Handel mit Wertpapieren und anderen
Finanzinstrumenten. Hier treffen Angebot und Nachfrage nach Kapital
aufeinander, ähnlich wie bei einem Markt für Waren[1]. Anleger können Unternehmen durch den Kauf von Aktien
Eigenkapital zur Verfügung stellen oder über Anleihen Fremdkapital
leihen, und im Gegenzug an deren wirtschaftlichem Erfolg teilhaben. Börsen
beeinflussen damit wesentlich die Kapitalallokation in einer Volkswirtschaft
und bieten Investoren Chancen auf Rendite, sind jedoch auch mit Risiken
verbunden.
In
dieser Arbeit werden die Grundlagen der Börse erläutert – beginnend bei
der Preisbildung („Kurse“) durch Angebot und Nachfrage und der Dynamik von
Kursbewegungen. Es folgen Abschnitte zu wichtigen Anlageklassen (Aktien,
Derivate, Zertifikate, festverzinsliche Wertpapiere) und Aspekten wie Finanzkrisen,
Vermögensaufbau, Fonds sowie Wege, die Rendite zu steigern. Anschließend
werden strategische Überlegungen diskutiert: die Bedeutung von Information,
Marktindizes, Analyse von Kursen, verschiedene Anlagestrategien und
bekannte Börsenweisheiten. Auch psychologische Fallstricke an der Börse,
sogenannte „Psychofehler“, sowie berühmte Börsengurus und steuerliche
Aspekte werden beleuchtet. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über das
Börsengeschehen und die erfolgreiche Teilnahme daran zu geben – aufbereitet
wissenschaftlich fundiert mit zahlreichen Quellen.
Börse:
Funktionsweise und Bedeutung
Die Börse als Institution erfüllt primär die Aufgabe, Käufer und
Verkäufer von Wertpapieren zusammenzubringen und einen fairen Preis zu
ermitteln. Dieses Preisfindungsverfahren basiert klassisch auf dem Prinzip von Angebot
und Nachfrage: Der Kurs eines Wertpapiers bildet sich genau dort, wo die
meisten Kauf- und Verkaufsaufträge zusammenpassen[2]. Technisch geschieht dies im Orderbuch der Börse, in dem alle
Kaufgebote („Bid“) und Verkaufsofferten („Ask“) für ein Wertpapier
gegenübergestellt werden[3]. Früher wurde dies manuell durch Börsenmakler in Präsenzbörsen
erledigt; heute übernehmen elektronische Handelssysteme diese Aufgabe.
Ein einfaches Beispiel veranschaulicht das Prinzip: Wenn für eine Aktie
Kaufgebote bei 100 €, 99 € und 98 € vorliegen, aber Verkaufsangebote erst ab
101 €, 102 € etc., kommt zunächst kein Handel zustande, da sich Käufer- und
Verkäuferpreise nicht überschneiden. Erst wenn ein Käufer bereit ist, 101 € zu
bieten, oder ein Verkäufer bereit ist, für 100 € zu verkaufen, findet ein
„Match“ statt und ein Abschluss kommt zum aktuellen Kurs zustande[4]. Der aktuelle Börsenkurs spiegelt somit den Gleichgewichtspreis
wider, zu dem ein Handel stattfinden kann.
Dabei wird an der Börse kontinuierlich beobachtet, wie sich Angebot und
Nachfrage verändern. Steigt die Nachfrage nach einem Wertpapier (mehr
Käufer als Verkäufer), steigen die Kurse; umgekehrt führen
Verkaufsüberhänge zu fallenden Kursen[5]. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass Preise neue Informationen sofort
einpreisen – die Börse gilt als Informations- und Stimmungsbarometer der
Wirtschaft.
Die Bedeutung der Börse liegt nicht nur in der Preisermittlung, sondern
auch darin, Unternehmen und Staaten den Zugang zu Kapital zu ermöglichen
(Emission von Aktien oder Anleihen) und den Anlegern vielfältige
Investitionsmöglichkeiten zu bieten. So tragen Börsen zur Finanzierung der
Wirtschaft und zur Vermögensbildung der Anleger bei. Gleichzeitig sind
Börsenplätze eng vernetzt und global einflussreich: Große Marktbewegungen an
einer Leitbörse (wie New York oder Frankfurt) können sich weltweit auswirken.
Insgesamt bildet die Börse einen zentralen Bestandteil des heutigen
Finanzsystems.
Kurse:
Preisbildung von Wertpapieren
Unter Kurs versteht man den aktuellen Preis eines Wertpapiers
(etwa einer Aktie oder Anleihe) an der Börse. Dieser Preis kommt – wie
beschrieben – durch das Zusammentreffen von Kauf- und Verkaufsorders zustande.
Wichtig ist: Börsenkurse entstehen nicht zufällig, sondern nach festen
Regeln. An deutschen Börsen wird z.B. der Kurs gewählt, bei dem der
größtmögliche Umsatz erfolgt, also die meisten Stücke gehandelt werden können[2]. Damit stellt der Kurs sicher, dass Angebot und Nachfrage zum
Ausgleich kommen.
Der Kurs spiegelt den Wert wider, den Marktteilnehmer einem Wertpapier
beimessen. Zahlreiche Faktoren beeinflussen diese Bewertung: Die
wirtschaftliche Lage des Emittenten (z.B. Gewinnentwicklung einer
Aktiengesellschaft), Konjunkturdaten, Nachrichten und Erwartungen der Anleger. Erwartungen
spielen eine große Rolle – oft werden Kursbewegungen schon von Gerüchten oder
Prognosen ausgelöst, bevor harte Fakten vorliegen. Im Kern gilt jedoch: Der
aktuelle Kurs ist das Ergebnis aller zum gegebenen Zeitpunkt verfügbaren
Informationen und der kollektiven Einschätzung der Marktteilnehmer.
Im Orderbuch einer elektronischen Börse lassen sich Geld- und
Briefkurse (Bid/Ask) beobachten[6]. Die Differenz dazwischen nennt man Spread; sie ergibt sich aus
der Liquidität des Wertpapiers. Eng liquide Werte (z.B. DAX-Aktien) haben meist
enge Spreads, während wenig gehandelte Papiere größere Spreads und damit höhere
Transaktionskosten aufweisen.
Kursinformationen werden börsentäglich in
Echtzeit veröffentlicht und sind heute rund um die Uhr weltweit abrufbar. Für
Anleger sind Kurse essenziell, da sie den aktuellen Wert ihrer Investments
bestimmen und als Entscheidungsgrundlage für Kauf- oder Verkaufsorders dienen.
Wichtig ist jedoch, einzelne Kurse immer im Kontext zu sehen – ein einmaliger
Kursstand sagt wenig aus ohne Vergleich (etwa zu früheren Kursen, zur Branche
oder zum Gesamtmarkt).
Angebot und Nachfrage
Der Grundmechanismus Angebot und Nachfrage bestimmt sämtliche
Preisbewegungen an der Börse. Dieses ökonomische Prinzip besagt: Übersteigt
die Nachfrage nach einem Gut (hier: einem Wertpapier) das vorhandene
Angebot, steigt der Preis; umgekehrt führt ein Überangebot bei zu
geringer Nachfrage zu Preisrückgängen[5]. An der Börse manifestiert sich dies in den Auftragsbüchern: Sobald
die Kauforders zahlenmäßig oder volumenmäßig die Verkaufsorders übersteigen,
müssen die Kaufwilligen höhere Preise bieten, um zum Zuge zu kommen – der Kurs
klettert. Herrscht dagegen Verkaufsdruck und es finden sich nicht genügend
Käufer zu aktuellen Preisen, geben die Verkäufer nach und reduzieren ihre
Preisvorstellungen – der Kurs fällt.
Alle Einflussfaktoren auf Börsenkurse wirken letztlich über Angebot
oder Nachfrage. Positive Nachrichten (z.B. Gewinnsteigerungen, neue
Produkte, gesamtwirtschaftlicher Aufschwung) erhöhen meist die Nachfrage nach
Aktien, weil mehr Anleger partizipieren wollen – die Kurse steigen folglich. Negative
Nachrichten (Gewinneinbruch, Skandale, Krisen) führen oft zu verstärktem
Verkaufsangebot, da Anleger sich trennen wollen – die Kurse geraten unter Druck[5]. Selbst externe Faktoren wie Zinsänderungen beeinflussen
Aktienkurse auf diesem Wege: Steigende Zinsen machen alternative Anlagen
attraktiver und verringern die Nachfrage nach Aktien, was tendenziell fallende
Kurse bewirkt; sinkende Zinsen erhöhen die Aktiennachfrage.
Wichtig ist zu verstehen, dass Angebot und Nachfrage an der Börse zu
jedem Zeitpunkt für ein Gleichgewicht sorgen. Der Börsenkurs stellt dieses
Gleichgewicht dar. Selbst bei extremen Ereignissen (Crash oder Rallye) bleiben
die Grundregeln intakt: Findet ein massiver Abverkauf statt, kann der Kurs so
weit fallen, bis er auf ein Niveau trifft, wo wieder Käufer bereit sind
zuzuschlagen. Umgekehrt endet eine Kurshausse, wenn Kurse so hoch gestiegen
sind, dass kaum noch Käufer neue Positionen eingehen wollen, während immer mehr
Gewinnmitnahmen (Verkäufer) auftreten.
Kurse in Bewegung
Börsenkurse sind ständig in Bewegung – teils
in ruhigen Bahnen, teils in dramatischen Sprüngen. Diese Beweglichkeit
resultiert aus dem permanenten Strom neuer Informationen und der sich
verändernden Einschätzung der Marktteilnehmer. Schon eine einzelne neue Order
kann einen Kurs bewegen, wenn das Auftragsvolumen groß genug ist oder das
Orderbuch auf der Gegenseite dünn (Stichwort Liquidität). Aktive Trader
verfolgen diese Bewegungen minütlich und passen ihre Gebote laufend an, sodass
ein lebendiges Marktgeschehen entsteht[7].
Kurse bewegen sich auf unterschiedlichen Zeitskalen: Intraday
schwanken sie aufgrund kurzfristiger Angebot-Nachfrage-Ungleichgewichte (z.B.
viele Kauforders am Vormittag können einen Kurs zwischenzeitlich hoch treiben).
Über mehrere Tage oder Wochen bilden sich Trends heraus, wenn z.B.
fortgesetzt positive Nachrichten zu einem anhaltenden Kaufinteresse führen. Langfristig
folgen Kurse den Fundamentaldaten – ein wirtschaftlich erfolgreicher
Unternehmenstitel wird über Jahre tendenziell an Wert gewinnen, ungeachtet
kurzlebiger Ausschläge.
Dabei gibt es Phasen von Trendbewegungen (Bullenmarkt mit
überwiegend steigenden Kursen; Bärenmarkt mit vorherrschend fallenden Kursen)
und Phasen der Seitwärtsbewegung (Kurse pendeln um ein Niveau, Angebot
und Nachfrage halten sich in etwa die Waage). Trendphasen können durch die
Dynamik des Marktes selbst verstärkt werden – Momentum-Investoren
springen auf fahrende Züge auf, was Trends verlängert. Ebenso können automatisierte
Handelsprogramme (Algo-Trading) Kursbewegungen beschleunigen.
Zusätzlich sorgen externe Ereignisse für Bewegung: politische
Entscheidungen, Konjunkturdaten, Unternehmensmeldungen oder überraschende
Ereignisse (etwa Naturkatastrophen) wirken oft wie ein Schock, der einen
neuen Kursimpuls setzt. Märkte reagieren dann teils innerhalb von Sekunden
spürbar. Beispielsweise führen Unsicherheiten wie geopolitische Spannungen oder
Notenbankentscheidungen regelmäßig zu erhöhter Unruhe an den Börsen[8][9]. Diese Unruhe wird mit dem Begriff Volatilität gemessen (siehe
Abschnitt Kursschwankungen).
In Summe sind Kurse immer Ausdruck einer laufenden Anpassung der
Marktpreise an ein sich änderndes Umfeld. Für Anleger bedeutet dies, dass
Stillstand an der Börse die Ausnahme ist – Flexibilität und Beobachtung der
„Kurse in Bewegung“ sind nötig, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen.
Finanzkrisen
Finanzkrisen – gravierende Verwerfungen an den
Finanzmärkten – sind keine Seltenheit, sondern haben sich historisch regelmäßig
ereignet. Sie gelten als „regelmäßige Begleiterscheinungen kapitalistischer
Entwicklung“, die oft nach einem ähnlichen Muster verlaufen: Euphorie –
Panik – Absturz[10]. Zunächst treibt eine Phase übersteigerter Erwartungen (man spricht
von Spekulationsblasen) die Kurse bestimmter Vermögenswerte stark nach oben,
bis die Bewertungen von den realwirtschaftlichen Grundlagen abgekoppelt sind.
Irgendein auslösendes Ereignis oder einfach das Platzen der Übertreibung führt
dann zur plötzlichen Panik: Massenverkäufe lassen Kurse einbrechen und
Vermögen vernichten.
Historische
Beispiele solcher Krisen reichen weit zurück. Ein frühes Beispiel ist die Tulpenmanie
in den Niederlanden (1637), wo Spekulation mit Tulpenzwiebeln zu extremen
Preissteigerungen führte, bevor die Blase krachend platzte[11]. Der Börsencrash von 1929 („Schwarzer Donnerstag“ am 24.
Oktober 1929) gilt als Startpunkt der Weltwirtschaftskrise: In den Goldenen
1920er Jahren hatten viele – oft auf Kredit – in Aktien investiert; als die
Konjunktur kippte, brach eine panische Verkaufswelle los. Der US-Aktienmarkt
verlor binnen weniger Tage über 50 % seines Wertes[12], Banken gingen massenhaft pleite, und eine jahrelange Depression
folgte[13].
Neuere
Beispiele sind der Dotcom-Crash 2000 (Zusammenbruch der
Technologieaktienblase) und die Finanzkrise 2008/09. Letztere begann als
Immobilien- und Kreditkrise (Subprime-Krise) und weitete sich global zu einer
Bankenkrise aus. In der Folge stürzten Aktienmärkte weltweit ab, und es
bedurfte massiver staatlicher Eingriffe, um das Finanzsystem zu stabilisieren.
Diese Krise zeigt exemplarisch, wie eng die Finanzmärkte verflochten sind und
wie systemische Risiken zu einem Dominoeffekt führen können.
Finanzkrisen
richten enorme wirtschaftliche Schäden an – Vermögensvernichtung,
Konjunktureinbrüche, Arbeitslosigkeit – und sie treten trotz aller Regulierung
wiederkehrend auf. Ursachen sind oft eine Mischung aus Überoptimismus
der Marktteilnehmer, exzessiver Verschuldung und neuen, zunächst
unterschätzten Finanzinnovationen. Herdenverhalten trägt wesentlich zur
Eskalation bei: In der Aufschwungphase steigert kollektive Euphorie die
Blasenbildung, im Abschwung verstärkt kollektive Panik den Absturz[10]. Obwohl jede Krise individuelle Auslöser hat, lässt sich ihr
Grundmuster überraschend ähnlich beschreiben – von der Südseeblase 1720 über
1929 bis 2008.
Wichtig
ist die Erkenntnis, dass Finanzkrisen Teil unseres Wirtschaftssystems
sind und sich auch in Zukunft nicht völlig verhindern lassen[14]. Daher kommt es darauf an, aus vergangenen Krisen zu lernen (z.B.
Risikomanagement zu verbessern, Blasen frühzeitig zu erkennen) und als Anleger
sein Portfolio breit zu diversifizieren, um einzelne Crashs besser auszuhalten.
Gleichzeitig haben Finanzkrisen oft bereinigende Effekte: Überbewertete
Vermögenspreise normalisieren sich, und im Nachgang werden häufig
Regulierungslücken geschlossen, was das System zunächst stabiler macht – bis
zur nächsten Euphorie.
Wohlstand und Vermögen
Aktien und Börsenanlagen spielen eine zentrale
Rolle beim langfristigen Aufbau von Vermögen und Wohlstand. In Zeiten niedriger
Zinsen sind renditeträchtige Anlagen am Kapitalmarkt nahezu unerlässlich, um
Vermögen real zu mehren – ein erfolgreicher Vermögensaufbau ohne die Börse
ist heute kaum denkbar[15]. Historisch haben breit gestreute Aktieninvestments über lange
Zeiträume deutlich höhere Renditen erzielt als Sparbücher oder Anleihen, was
dazu führt, dass Bevölkerungsgruppen mit hoher Aktienquote oftmals über
größeren Vermögenszuwachs verfügen.
Dennoch scheuen insbesondere in Deutschland viele Bürger die
Aktienanlage. Die „Angst vor dem Kapitalmarkt“ bremst den Wohlstand für alle,
wie es ein Finanzexperte formuliert[16]. Während z.B. in den USA oder skandinavischen Ländern ein
beträchtlicher Teil der Bevölkerung in Aktien oder Fonds investiert ist (sei es
direkt oder über Pensionsfonds), lag die Aktionärsquote in Deutschland lange
deutlich niedriger. Wer aber dauerhaft auf Beteiligungen an Produktivkapital
verzichtet, kann sein Erspartes kaum über die Inflation hinaus mehren – Inflation
lässt Bargeld und Festgeld real schrumpfen, während gut geführte Unternehmen
Gewinne und Dividenden steigern und so Wert schaffen.
Die Börse ermöglicht es prinzipiell jedem, auch mit kleinen Beträgen an
großen Unternehmen beteiligt zu sein und somit am gesamtwirtschaftlichen
Wachstum teilzuhaben. Das war auch ein Ziel der Sozialen Marktwirtschaft:
Ludwig Erhard propagierte „Wohlstand für alle“ und förderte in den
1950er/60er-Jahren sogenannte „Volksaktien“, um breite Bevölkerungsschichten an
Unternehmenseigentum zu beteiligen[17][18]. Über die Jahrzehnte hat sich jedoch gezeigt, dass die Verteilung der
Aktienvermögen ungleich ist – vor allem Wohlhabendere nutzen die Börse
intensiv, was auch zu Ungleichheit beim Vermögensaufbau beiträgt.
Beispielsweise besitzen laut Studien die obersten 10 % der Haushalte den
Großteil der Aktienvermögen.
Börsencrashs können zwar temporär riesige Buchvermögen vernichten (etwa
verloren die reichsten Milliardäre in einem jüngsten Börsencrash hunderte
Milliarden, was die Vermögensungleichheit kurzfristig verringerte[19]), doch langfristig steigen die Aktienmärkte mit dem Wirtschaftswachstum
wieder an. Es zeigt sich: Wer konsequent investiert bleibt, steigert auf
lange Sicht sein Vermögen, während reine Sparer Gefahr laufen, durch
Geldentwertung an Wohlstand zu verlieren. Langfristige Analysen (z.B. über 30
Jahre und mehr) ergeben, dass Aktienrenditen inflationsbereinigt deutlich
positiv sind, wohingegen Zinsanlagen im Niedrigzinsumfeld real oft kaum
Rendite abwerfen.
Für den individuellen Vermögensaufbau bedeutet dies, dass ein
sinnvoller Anteil des Portfolios in produktive Anlagen fließen sollte – etwa
Aktien oder Immobilien – während risikoarme Anlagen primär zur
Liquiditätsreserve und Absicherung dienen. Die Politik hat in jüngerer Zeit
auch begonnen, Aktienanlagen für die Altersvorsorge zu fördern (Stichwort Aktienrente),
um die Vorsorge-Lücke zu schließen. Insgesamt führt Börsenbeteiligung zu
mehr allgemeinem Wohlstand, wenn breite Schichten informiert und
vorsichtig teilnehmen – andernfalls profitieren nur wenige. Das Motto
„Börsenwohlstand für alle“ bleibt somit eine Herausforderung und Aufgabe der
Finanzbildung, damit mehr Menschen die Chancen der Börse nutzen können.
Aktien
Aktien sind wohl das bekannteste Börseninstrument. Eine Aktie ist ein Anteilsschein
an einer Aktiengesellschaft (AG), der dem Inhaber eine Reihe von Rechten
verleiht. Mit dem Erwerb einer Aktie wird man zum Miteigentümer des
Unternehmens – wenn auch meist nur zu einem winzigen Bruchteil. Der
Aktienbesitzer (Aktionär) ist durch die Aktie am Unternehmenserfolg
beteiligt, aber genauso auch am möglichen Misserfolg[20].
Rechte der
Aktionäre umfassen insbesondere Vermögensrechte und Mitwirkungsrechte.
Zu ersteren gehört das Recht auf anteiligen Gewinn (Dividende), falls das
Unternehmen einen solchen ausschüttet, sowie ein Anteil am Liquidationserlös im
Falle einer Auflösung. Außerdem profitiert der Aktionär von einer Wertsteigerung
der Aktie: Steigt der Aktienkurs, erhöht sich der Marktwert seines Anteils,
was beim Verkauf einen Gewinn einbringen kann[21]. Zu den Mitwirkungsrechten zählen vor allem das Stimmrecht in
der Hauptversammlung (bei Inhabern von Stammaktien), mit dem über wichtige
Unternehmensentscheidungen abgestimmt wird, sowie das Bezugsrecht auf
junge Aktien bei Kapitalerhöhungen.
Eine Aktie
hat entweder einen Nennwert (z.B. 1 € pro Stückaktie) oder ist als Stückaktie
ohne Nennwert definiert, repräsentiert aber stets einen entsprechenden Anteil
am Grundkapital der AG[22]. Die Summe aller ausgegebenen Aktien ergibt das Grundkapital der
Gesellschaft.
Für
Unternehmen ist die Ausgabe von Aktien (der Börsengang bzw. eine
Kapitalerhöhung) eine Möglichkeit, Kapital einzusammeln, ohne Kredite
aufzunehmen. Die Käufer der Aktien stellen dem Unternehmen Eigenkapital zur
Verfügung und tragen damit das volle unternehmerische Risiko, erhalten aber
keine festen Zinsen, sondern eben jene Erfolgsbeteiligung (Dividende/Kursgewinn).
Aus Sicht des Unternehmens sind Aktien eine dauerhafte Finanzierung, die
nicht zurückgezahlt werden muss – allerdings geben die Altaktionäre mit jeder
neuen Aktie einen Teil ihrer Anteile (Verwässerung) ab.
Für
Anleger bieten Aktien die Chance auf hohe Renditen, da Unternehmenserträge und
-werte über die Jahre wachsen können. Gleichzeitig sind Aktien risikobehaftet:
Kursverluste bis hin zum Totalverlust (bei Insolvenz der AG) sind möglich. Der
Aktionär ist Gläubigern nachgeordnet – im Konkursfall einer Firma gehen
zunächst Banken und Anleihegläubiger, dann andere Forderungsinhaber vor;
Aktionäre erhalten oft nichts mehr.
Aktien
lassen sich unterscheiden nach Gattungen: Stammaktien (mit Stimmrecht)
und Vorzugsaktien (ohne Stimmrecht, dafür meist mit höherer Dividende), Inhaberaktien
(leicht handelbar) vs. Namensaktien (Aktionär ist im Register eingetragen) etc.
Ferner gibt es junge vs. alte Aktien, Belegschaftsaktien, etc. Diese Details
werden im Aktiengesetz geregelt[22].
Zusammenfassend:
Die Aktie ist das Basis-Wertpapier der Börse. Sie verkörpert einen
Eigentumsanteil an einem Unternehmen und bietet dem Anleger langfristig die
Möglichkeit, Vermögen aufzubauen, sei es durch Dividenden oder
Kurssteigerungen. Erfolgreiche Aktienanlagen erfordern jedoch die richtige
Auswahl der Unternehmen (Fundamentalanalyse) und oft einen langfristigen
Horizont, um kurzfristige Schwankungen auszusitzen („Kaufen Sie Aktien, nehmen
Sie Schlaftabletten“, empfahl sinngemäß Börsenaltmeister André Kostolany, um
die Bedeutung von Geduld hervorzuheben[23]).
Derivate
Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wert von einem anderen Basiswert
abgeleitet ist. Das Wort „Derivat“ leitet sich vom lateinischen derivare
(ableiten) ab[24]. Ein Derivat ist im Kern ein Vertrag zwischen zwei Parteien
über ein bestimmtes Finanzgeschäft in der Zukunft, dessen Preis vom Kurs eines
zugrunde liegenden Vermögenswerts (Underlying) abhängt[25]. Basiswerte können nahezu alles sein: Aktien, Anleihen, Indizes,
Rohstoffe, Währungen – sogar Wetterdaten oder andere Referenzgrößen[26].
Typische
Derivate sind Termingeschäfte wie Futures und Forwards
(Verpflichtung, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis in der Zukunft zu
kaufen/verkaufen), Optionen (Kauf- oder Verkaufsrechte zu künftigem
Preis), Swaps (Tausch von Zahlungsströmen) oder Optionsscheine/Zertifikate
(die ebenfalls derivativ konstruiert sind). Allen gemein ist der zeitliche
Aspekt: Der Abschluss (Handel des Derivats) erfolgt jetzt, die Erfüllung
(Lieferung bzw. Abrechnung) später[27].
Derivate
können an der Börse standardisiert gehandelt werden (etwa Futures und Optionen
an Terminbörsen) oder außerbörslich (OTC) direkt zwischen Vertragsparteien
abgeschlossen werden[28]. Börsengehandelte Derivate sind meist hoch standardisiert und
liquider, während OTC-Geschäfte flexibler gestaltbar, aber mit höheren
Ausfallrisiken verbunden sind (Gegenparteirisiko).
Zweck der Derivate: Zum einen dienen sie der Absicherung (Hedging)
von Preisrisiken. Beispiel: Ein Landwirt kann sich mit einem Terminkontrakt schon
im Frühjahr einen festen Verkaufspreis für die Ernte im Herbst sichern und
schützt sich so vor Preisverfall – er nutzt ein Derivat wie eine Versicherung[29][30]. Unternehmen sichern mit Derivaten oft Wechselkurse oder
Rohstoffpreise ab. Zum anderen erlauben Derivate Spekulation auf
künftige Preisbewegungen ohne den Basiswert selbst zu besitzen (Hebelwirkung).
Beispielsweise können Anleger mit Optionsscheinen auf steigende (Call) oder
fallende (Put) Aktienkurse wetten[31][32]. Durch den Hebel können schon kleine Kursänderungen des
Basiswerts überproportionalen Gewinn – aber auch Verlust – beim Derivat bewirken[33].
Ein
Vorteil der Derivate ist die Kapitaleffizienz: Oft muss nur ein geringer
Anteil (Margin) hinterlegt werden, um ein großes Engagement einzugehen. Das
birgt aber auch Gefahren – Verluste können bei bestimmten Derivaten höher als
der Einsatz ausfallen. Aufgrund dieser Risiken sind Derivate in der Regulierung
besonders im Blickfeld, da sie bei exzessivem Einsatz Finanzkrisen auslösen
können (Stichwort 2008: Verbriefungen und Kreditderivate).
Zusammengefasst
stellen Derivate ein riesiges Feld der Finanzwelt dar. Richtig eingesetzt
ermöglichen sie Risiko-Management (Absicherung) und vielfältige Anlage- bzw.
Spekulationsstrategien. Aufgrund ihrer Komplexität und teils
Intransparenz (OTC-Derivate) fehlt jedoch manchen Marktteilnehmern das
Verständnis – was Warren Buffett einst bewog, Derivate als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“
zu bezeichnen. Nichtsdestotrotz sind Derivate ein fest etabliertes
Instrumentarium an den Märkten, das von Rohstoffhändlern über Banken bis zu
Privatanlegern genutzt wird – immer mit dem Bewusstsein, dass ihr Wert
letztlich von einem Basiswert „abgeleitet“ ist und sie somit keine
eigenständigen Vermögenswerte, sondern Abkömmlinge derselben sind[24].
Zertifikate
Zertifikate sind strukturierte Finanzprodukte,
die es Anlegern ermöglichen, an der Wertentwicklung eines bestimmten
Basiswerts teilzuhaben, ohne diesen direkt zu besitzen[34]. Technisch gesehen handelt es sich meist um Inhaberschuldverschreibungen
einer Bank (Emittentin), deren Rückzahlung an die Entwicklung eines oder
mehrerer zugrunde liegender Assets gekoppelt ist[35]. Der Basiswert kann z.B. eine Aktie, ein Aktienindex, ein Rohstoff
oder Währungskorb sein.
Ein
Zertifikat verbrieft dem Käufer also das Recht auf Partizipation an
steigenden (oder je nach Konstruktion auch fallenden) Kursen des Basiswerts[34]. Die Bank garantiert die Auszahlung gemäß der Produktbedingungen. Es
gibt eine große Vielfalt an Zertifikatetypen, u.a.:
·
Index-Zertifikate: Abbildung eines ganzen Börsenindex (z.B. DAX) – der Anleger erhält am
Laufzeitende den Wert des Index (oder Faktor davon) ausgezahlt. Vorteil:
breitere Streuung, einfache Indexanlage.
·
Discount-Zertifikate: Kauf eines Basiswerts mit Abschlag (Discount), dafür ist der Gewinn
nach oben begrenzt (Cap). Anleger erhalten Erträge, solange der Basiswert nicht
über dem Cap schließt.
·
Bonus-Zertifikate: Bieten einen Bonus/Kupon, solange der Basiswert nicht unter eine
Barriere fällt. Sie ermöglichen begrenzten Schutz gegen moderate Kursverluste.
·
Hebel-Zertifikate
(Knock-Outs): Hochspekulative Papiere, die
Kursbewegungen mit Hebel verstärken. Allerdings erlischt das Zertifikat
wertlos, wenn der Basiswert eine Knock-Out-Schwelle berührt.
·
Garantiezertifikate: Kapitalgeschützte Produkte, die am Ende mindestens einen bestimmten
Prozentsatz (meist 90-100%) des eingesetzten Kapitals zurückzahlen, aber an
Kursanstiegen eingeschränkt partizipieren.
Allen
Zertifikaten gemeinsam ist das Emittentenrisiko: Da es sich rechtlich um
Schuldverschreibungen handelt, trägt der Anleger das Bonitätsrisiko der
herausgebenden Bank. Geht die Bank insolvent, kann das Zertifikat wertlos
werden, selbst wenn der Basiswert sich wie gewünscht entwickelt hat. Dieses
Risiko ist 2008 im Fall Lehman Brothers vielen Zertifikate-Anlegern schmerzhaft
bewusst geworden.
Der
Reiz von Zertifikaten liegt in der Flexibilität. Sie erlauben
Strategie-Kombinationen, die mit reinen Aktien so nicht direkt möglich wären
(z.B. Seitwärtsrenditen mit Bonusstrukturen, gehebelt an fallenden Kursen
verdienen mit Short-Zertifikaten etc.). Zertifikate werden an Börsen gehandelt
(häufig im Freiverkehr) und die Emittenten stellen fortlaufend An- und
Verkaufskurse (Market Making), sodass Liquidität gegeben ist.
Zusammengefasst
bieten Zertifikate maßgeschneiderte Anlagelösungen für verschiedene
Markterwartungen. Sie „verbriefen das Recht auf Partizipation an der
Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Investments“[34]. Allerdings verlangen sie vom Anleger Verständnis der oft komplexen
Bedingungen und ein Auge auf das Emittentenrisiko. Für Privatanleger sind sie
daher nur sinnvoll, wenn die Funktionsweise klar verstanden wird – sonst drohen
böse Überraschungen trotz vermeintlich sicherer Konstrukte.
Festverzinsliche
Wertpapiere
Unter festverzinslichen Wertpapieren versteht man typischerweise
Anleihen (auch Renten, Bonds genannt), also Schuldverschreibungen mit
festgelegtem Zins und Laufzeit. Der Begriff „festverzinslich“ rührt daher, dass
diese Papiere über ihre Laufzeit einen festen Zinssatz (Kupon) zahlen[36]. Beispiele sind Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder Pfandbriefe.
Eine Anleihe ist im Grunde ein Kredit in Wertpapierform: Der Käufer der
Anleihe gibt dem Emittenten (Staat, Firma, Bank) ein Darlehen und erhält dafür
regelmäßige Zinszahlungen sowie am Ende der Laufzeit die Rückzahlung des Nominalbetrags.
Anleihen lauten meist auf einen bestimmten Nennwert (z.B. 1.000 €), der den
Rückzahlungsbetrag darstellt. Die Kuponrate wird als Prozentsatz des
Nennwerts angegeben (z.B. 2 % p.a. von 1.000 € = 20 € Zins pro Jahr).
Festverzinsliche Wertpapiere haben eine bestimmte Laufzeit
(kurz-, mittel-, langfristig; z.B. 2 Jahre, 5 Jahre, 10 Jahre, 30 Jahre).
Während dieser Zeit erhält der Gläubiger die festen Zinsen. Am Ende
(Fälligkeit) zahlt der Emittent den Nennwert zurück. Aufgrund dieses
gleichbleibenden Zinsflusses nennt man Anleihen auch Rentenpapiere – der
Investor erhält sozusagen eine „Rente“ (Zins) aus seinem angelegten Kapital[37].
Anders als Aktien verbriefen Anleihen Gläubigerrechte, keine
Eigentumsrechte[38]. Der Anleiheinhaber ist Gläubiger des Emittenten. Im Insolvenzfall
werden seine Ansprüche vorrangig vor denen der Aktionäre bedient (sofern
besichert ggf. auch vor anderen Gläubigern). Dieses höhere Maß an Sicherheit
spiegelt sich in in der Regel geringerer Rendite und Schwankung wider: Anleihen
sind im Normalfall weniger riskant als Aktien, bieten dafür aber auch
begrenztes Gewinnpotenzial (den festen Kupon plus eventuelle kleine
Kursgewinne).
Kurs: Obwohl Zins und Rückzahlung fix sind,
unterliegen auch Anleihen Kursschwankungen, sobald sie handelbar sind
(Börsenhandel von Anleihen). Der Kurs einer Anleihe notiert in Prozent des
Nominals (z.B. 98 % bedeutet 980 € Kurs für 1000 € Nominale). Wichtig: Zinsniveau
und Anleihekurse bewegen sich gegensätzlich: Steigen die Marktzinsen,
fallen bestehende Anleihekurse, da ihre fixen Kupons im Vergleich unattraktiver
werden; sinkende Marktzinsen lassen ältere Anleihen mit höherem Kupon im Kurs
steigen[39]. Beispielsweise würde bei allgemein steigenden Zinsen eine alte
Anleihe mit 1 % Kupon unter pari fallen, bis ihr effektiver Ertrag dem neuen
Zinsniveau entspricht[40]. Umgekehrt führt Zinsrückgang zu Kursgewinnen bei alten Anleihen mit
höherem Kupon.
Daneben gibt es Spezialformen wie Nullkupon-Anleihen (Zerobonds,
ohne laufende Zinsen, werden mit Abschlag emittiert und am Ende zu 100 %
zurückgezahlt), variable Verzinsung (Floater, Zins passt sich
Marktzinssätzen an), nachrangige Anleihen (höheres Risiko, da im Konkurs
nachrangig) etc.
Für Anleger sind festverzinsliche Wertpapiere ein wichtiges Element zur
Stabilisierung des Portfolios und Erzielung planbarer Erträge. Sie
eignen sich, um regelmäßige Einkünfte zu erhalten und das Kapital zu erhalten
(sofern Emittent solide). Allerdings besteht auch bei Anleihen das Bonitätsrisiko:
Bei schlechter Bonität des Schuldners (z.B. High-Yield-Junk-Bonds) muss ein
höherer Zins als Risikoentschädigung gezahlt werden, und es besteht
Ausfallgefahr. Staatsanleihen erster Bonität (z.B. Deutschland) gelten dagegen
als praktisch risikolos bezüglich Rückzahlung – dafür ist die Verzinsung
entsprechend niedrig.
In Summe sind festverzinsliche Wertpapiere ein grundlegender Baustein
der Finanzmärkte. Als Rentenwerte ermöglichen sie Staaten und Firmen,
sich zu finanzieren, und Investoren, ihr Geld planbar arbeiten zu lassen. Ihr
fester Zins gibt Sicherheit – doch auch sie unterliegen Marktpreisschwankungen
und Inflationsrisiken, was ein Anleger im Blick haben muss. Gerade in einem
Umfeld wechselnder Zinsen zeigt sich: Steigende Zinsen bedeuten fallende
Anleihekurse und umgekehrt, weshalb Anleihe-Investoren das Zinsumfeld stets
beobachten müssen[41][39].
Kursschwankungen
Kursschwankungen – in der Fachsprache oft als Volatilität
bezeichnet – sind an der Börse allgegenwärtig. Kein Kurs bleibt über längere
Zeit konstant; die Preise bewegen sich je nach Nachrichtenlage,
Angebot/Nachfrage-Verhältnissen und Markterwartungen. Die Volatilität
misst dabei quantitativ, wie stark ein Kurs um seinen Mittelwert schwankt[42]. Je höher die Volatilität, desto größer und heftiger sind die
Ausschläge nach oben und unten; niedrige Volatilität bedeutet relativ ruhige,
stabile Kurse.
Volatilität
wird häufig in Prozent angegeben (z.B. 20 % p.a. bedeutet, der Kurs weicht im
Durchschnitt mit einer Standardabweichung von 20 % vom Mittel ab). Man
unterscheidet die historische Volatilität (auf Basis der in der
Vergangenheit beobachteten Schwankungen) und die implizite Volatilität,
die aus Optionspreisen abgeleitet wird und die erwarteten zukünftigen
Schwankungen ausdrückt[43]. Letztere dient als Stimmungsbarometer: Beispielsweise spiegelt der
VIX-Index die implizite Volatilität des S&P500 wider und wird auch als
„Angstbarometer“ bezeichnet[44].
Welche
Faktoren führen zu Kursschwankungen? Kurzfristig jede Änderung im Angebot-Nachfrage-Gefüge
– also neue Kauf- oder Verkaufsorders. Daneben vor allem neue Informationen:
Gewinnwarnungen, Übernahmegerüchte, Wirtschaftsdaten, politische Ereignisse –
all das kann Kurse in Bewegung setzen (siehe Abschnitt Kurse in Bewegung).
Bei Unsicherheit steigt tendenziell die Volatilität, weil die
Erwartungen der Marktteilnehmer auseinandergehen[8][9]. Beispiele: In Krisenzeiten (etwa während der COVID-19-Pandemie oder
bei Kriegsbeginn) schnellten Volatilitätsmaße stark in die Höhe, da panikartige
Verkäufe und gleichzeitig spekulative Käufe zu schnellen Richtungswechseln
führten. In ruhigen Aufschwungphasen dagegen kann die Volatilität längere Zeit
gering sein, weil ein stetiger Strom an Käufen die Kurse ohne große Rückschläge
steigen lässt.
Für
Anleger sind Kursschwankungen zweischneidig: Einerseits bedeuten sie Risiko
– wer starke Schwankungen nicht aushält, empfindet hohe Volatilität als
Belastung[45]. Andererseits schaffen Schwankungen auch Chancen – ohne
Bewegung gäbe es keine Möglichkeit, günstig einzusteigen oder teuer zu
verkaufen, und aktive Trader brauchen Volatilität, um Gewinne zu realisieren[46]. Entscheidend ist der Anlagehorizont: Langfristige Investoren können
kurzfristige Schwankungen oft aussitzen; für sie sind solide Fundamentaldaten
wichtiger. Kurzfristige Händler hingegen leben von der Volatilität.
Eine
hohe Volatilität ist nicht per se „schlecht“ – sie zeigt vielmehr, wie groß
die Unsicherheit oder Divergenz der Meinung im Markt ist. Extreme
Volatilität (etwa tägliche Kurssprünge von mehreren Prozent über Wochen) kann
jedoch auf Stressphasen hindeuten. Viele Risikomanagement-Modelle
basieren auf Volatilität; so fließt sie etwa in die Berechnung von
Value-at-Risk ein. Auch die Margin-Anforderungen an Terminbörsen steigen, wenn
die Volatilität des gehandelten Basiswerts zunimmt, um das erhöhte Risiko
abzudecken.
Abschließend
lässt sich sagen: Kursschwankungen gehören zum Wesen der Börse. Sie lassen
sich nie völlig vermeiden. Für den Anleger kommt es darauf an, das eigene
Risikoprofil zu kennen. Wer Nervosität bei starken Schwankungen verspürt,
sollte mehr defensive Titel oder Anlagen mit geringerer Volatilität wählen
(z.B. Rentenfonds). Wer Chancen in schnellen Bewegungen sucht, kann volatile
Titel oder Derivate handeln – wissend, dass „schnelle Gewinne“ stets auch
mögliche schnelle Verluste bedeuten. Wichtig ist, nicht aus Panik zu
falschen Zeitpunkten zu reagieren: Kurzfristige Schwankungen sind normal
und – bei langfristigem Anlagehorizont – oft irrelevant im Vergleich zum
übergeordneten Trend. Wie ein Sprichwort sagt: „Die Börse schlägt kurzfristig,
aber wiegt langfristig.“ Kursschwankungen sind das „Schlagen“ – die tägliche
Unruhe – während der langfristige Trend dem inneren Wert folgt.
Steigende Zinsen,
sinkende Kurse
Der Zusammenhang steigende Zinsen – sinkende Kurse ist eine oft
beobachtete Regel an den Finanzmärkten, insbesondere bei Anleihen, aber
teilweise auch bei Aktien. Hintergrund ist, dass der Zins gewissermaßen
der „Preis des Geldes“ ist und somit die Bewertung aller Anlageklassen
beeinflusst.
Bei Anleihen wirkt sich eine Zinsänderung
unmittelbar auf die Kurse aus, da frühere festverzinsliche Anleihen nun im
Vergleich mehr oder weniger attraktiv sind. Wenn die Marktzinsen steigen,
fallen die Kurse bestehender Anleihen[39]. Der Grund: Ein Investor bekommt am Markt jetzt neue Anleihen mit
höherem Zins. Eine alte Anleihe mit z.B. 1 % Kupon muss im Kurs sinken, bis ihr
Ertrag dem neuen Zinsniveau entspricht. Andernfalls würde sie niemand kaufen.
Umgekehrt, sinken die Zinsen, steigt der Kurs alter höherverzinslicher
Anleihen, bis deren effektive Rendite auf das neue niedrigere Niveau gefallen
ist[40][47]. Dieses inverse Verhältnis ist mechanisch: Kurs und Rendite einer
Anleihe verhalten sich entgegengesetzt[41].
Auch bei Aktien spielen Zinsen eine Rolle, wenn auch indirekter. Aktien
konkurrieren mit verzinsten Anlagen um Kapital. Steigen die Zinsen,
werden Anleihen und Sparkonten attraktiver, was Kapital von Aktien abziehen
kann – die Nachfrage nach Aktien sinkt tendenziell, Druck auf Kurse
entsteht. Zudem erhöhen hohe Zinsen die Finanzierungskosten der Unternehmen:
Kredite werden teurer, was auf die Gewinne drücken kann[48][49]. Konsumenten investieren weniger (z.B. Immobilienkredite werden
teurer, sodass Bauunternehmen weniger Umsatz machen etc.). Folglich können
steigende Leitzinsen durch Zentralbanken – oft zur Bekämpfung hoher Inflation –
einen Dominoeffekt auslösen: weniger Ausgaben, geringere
Unternehmensgewinne, verhaltenere Anlegererwartungen, sodass Aktienkurse leiden[48][49]. Tatsächlich beobachten die Börsianer die Zentralbankentscheidungen
(Fed, EZB) sehr genau; Ankündigungen von Zinserhöhungen führen häufig zu
Kursrückgängen („Zinsangst“).
Allerdings ist der Effekt bei Aktien komplex. Nicht alle Branchen sind
gleichermaßen betroffen: Wachstumswerte (Growth-Aktien), die ihre
Gewinne erst in ferner Zukunft erwarten, reagieren empfindlicher auf
Zinsänderungen, da höhere Zinsen ihre zukünftig erwarteten Cashflows stärker
abdiskontieren – man sagt, Growth-Aktien entwickeln sich in einem
Hochzinsumfeld oft schlechter[50][51]. Substanzwerte (Value-Aktien, etablierte Unternehmen mit soliden
Dividenden) können hingegen in Phasen steigender Zinsen vergleichsweise besser
abschneiden[52], teils weil sie selbst vom Zinsanstieg profitieren (z.B. Banken
steigern ihre Zinsmarge).
Für Anleger bedeutet die Zinsentwicklung, dass sie ein wichtiger Makrofaktor
ist: In Niedrigzinsphasen fließt viel Geld an die Aktienmärkte (Mangels
Alternativen – TINA: There Is No Alternative), was Kurse treiben kann.
In Hochzinsphasen fließt eher Geld in sichere Zinsanlagen, was Aktien Nachfrage
entzieht. Außerdem verändern Zinsen die Bewertungsmodelle (höherer Diskontierungszins
senkt den errechneten fairen Wert künftiger Gewinne).
In der jüngeren Vergangenheit waren die Kapitalmärkte stark von
Zinsimpulsen geprägt. Beispielsweise führte die Zinswende der Notenbanken ab
2022 (starke Erhöhungen der Leitzinsen) zu teils empfindlichen Kurskorrekturen
bei hoch bewerteten Tech-Aktien, während Bankentitel zulegten. Auch der
Immobiliensektor litt, da Finanzierungskosten stiegen.
Zusammenfassend gilt: Steigende Zinsen bedeuten bei
festverzinslichen Wertpapieren sicher sinkende Kurse (mathematisches Gesetz
der Anleihebewertung)[39]. Bei Aktien ist der Effekt indirekter, aber tendenziell negativ über
die Mechanismen Finanzierungskosten und Alternativanlage. Anleger sollten daher
das Zinsumfeld beobachten und ihr Portfolio entsprechend adjustieren – etwa
Laufzeiten bei Anleihen verkürzen, Branchenrotation vornehmen (z.B. defensive
Sektoren oder Banken in Hochzinsphasen bevorzugen) und wachstumsstarke,
zinssensitive Titel in solchen Phasen vorsichtiger gewichten.
Fonds
Fonds (Investmentfonds) sind Anlagevehikel, die das Geld vieler Anleger
bündeln, um es gemeinsam nach einer bestimmten Anlagestrategie zu
investieren. Praktisch werfen viele Sparer ihr Kapital in einen gemeinsamen
Topf, der von professionellen Fondsmanagern verwaltet wird[53]. Durch diese Bündelung können auch
kleine Anlagebeträge eine breite Streuung erreichen, und die Anleger
profitieren vom Know-how des Managements.
Ein
Investmentfonds funktioniert so: Anleger kaufen Fondsanteile, deren
Preis sich nach dem Nettoinventarwert (NAV) des Fondsvermögens richtet. Der
Fonds investiert das Geld entsprechend seinem Fondsprofil möglichst
gewinnbringend in diverse Wertpapiere[53]. Man unterscheidet Fonds v.a. nach Anlageklassen
und -schwerpunkten:
·
Aktienfonds: investieren überwiegend in Aktien. Sie können global anlegen oder
fokussiert auf Regionen (z.B. Europa, Asien) oder Branchen (z.B. Tech,
Gesundheit).
·
Rentenfonds: legen in festverzinsliche Wertpapiere (Anleihen) an. Sie
differenzieren nach Laufzeiten, Bonitäten oder Emittenten (Staatsanleihenfonds,
Unternehmensanleihenfonds etc.).
·
Mischfonds: kombinieren verschiedene Assetklassen (Aktien, Anleihen, evtl. auch
Rohstoffe, Immobilien) nach Ermessen des Managers.
·
Indexfonds: bilden passiv einen bestimmten Index nach (siehe ETFs unten).
·
Immobilienfonds: investieren in Immobilien und Grundstücke.
·
Themenfonds: konzentrieren sich auf bestimmte Themen/Trends (z.B.
Umwelttechnologie, Digitalisierung).
Ein
Spezialfall sind ETFs (Exchange Traded Funds) – börsengehandelte
Indexfonds. Sie verfolgen eine passive Strategie, bilden einfach einen Index
1:1 ab und verzichten auf aktive Auswahl. Dadurch sind ihre Kosten niedriger,
und sie werden direkt an der Börse gehandelt wie Aktien.
Die
Vorteile von Fonds liegen in der Risikostreuung (Diversifikation) – ein
Fonds hält viele verschiedene Titel, sodass das Risiko breiter gestreut ist als
bei Direktanlage in einen einzelnen Titel – und in der professionellen
Verwaltung. Insbesondere aktiv gemanagte Fonds zielen darauf ab, durch
geschickte Titelauswahl (Stock Picking) und Timing eine bessere Rendite zu
erzielen als der Markt. Allerdings schaffen das nicht alle; viele Fonds bleiben
hinter ihrem Vergleichsindex zurück (nach Kosten betrachtet).
Für
Privatanleger sind Investmentfonds ein bequemes Instrument, um ohne großes
Fachwissen zu investieren. Schon mit kleinen monatlichen Sparbeträgen
(Fondssparplan) kann man einsteigen. Die Liquidität ist hoch: Offene
Fonds (die übliche Form) können börsentäglich ge- und verkauft werden, man kommt
also jederzeit an sein Geld[54] – mit Ausnahme bei gewissen
Immobilienfonds, wo Haltefristen gelten können.
Wichtig
sind die Kosten: Ausgabeaufschläge, Verwaltungsgebühren, Performance
Fees können die Rendite schmälern. Hier haben ETFs in den letzten Jahren an
Popularität gewonnen, da sie sehr geringe Gebühren aufweisen und dennoch eine
marktkonforme Rendite liefern (weil sie ja den Marktindex abbilden).
Fonds
unterliegen gesetzlicher Regulierung. In Deutschland regelt das KAGB
(Kapitalanlagegesetzbuch) die Anforderungen. So gibt es z.B. Publikumsfonds
(für jedermann, mit bestimmten Streuungsregeln, z.B. max. 10 % in einen Titel)
vs. Spezialfonds (für institutionelle Anleger, flexibler). Die Fonds
bewahren ihre Vermögenswerte in einer Depotbank getrennt vom Vermögen
der Fondsgesellschaft auf – ein wichtiger Schutzmechanismus: geht die
Fondsgesellschaft pleite, bleibt das Fondsvermögen unangetastet.
Risikoprofil: Nicht alle Fonds sind „sicher“. Je nach Ausrichtung variiert das
Risiko erheblich. Ein globaler Aktienfonds hat ähnlich hohe Kursschwankungen
wie der Aktienmarkt insgesamt (also deutlich), wohingegen ein kurzlaufender
Rentenfonds eher geringe Schwankungen aufweist. Wichtig ist daher die persönliche
Risikoneigung abzustimmen: Wer überdurchschnittliche Renditen erwartet,
muss Abstriche bei der Sicherheit machen, da riskantere Fonds zwar mehr
Ertrag bringen können, aber auch stärker schwanken[55]. Wer Sicherheit vorzieht, wählt
defensivere Fonds mit niedrigem Risiko, aber geringerer Gewinnerwartung[55].
Insgesamt
sind Fonds für viele Anleger sinnvoll, um bequem und diversifiziert zu
investieren – sei es für die Altersvorsorge oder den Vermögensaufbau. Mit der
richtigen Fondsauswahl (oder ETF-Auswahl) kann man eine Strategie
umsetzen, ohne jedes einzelne Wertpapier selbst handeln zu müssen. Dennoch
sollte man auch hier die Informationen studieren (Fondsprospekt,
Factsheets) und auf Kosten und Performance achten.
Rendite steigern
Wie kann man als Anleger die Rendite steigern? Grundsätzlich
gibt es dafür mehrere Ansätze, die jedoch immer im Spannungsfeld mit Risiko,
Zeit und Kosten stehen. Einige wichtige Prinzipien, um die Anlagerendite zu
erhöhen, sind:
- Längerer Anlagehorizont &
Zinseszinseffekt: Durch frühzeitiges und langfristiges
Investieren kann man den Zinseszins für sich arbeiten lassen.
Reinvestierte Gewinne und Dividenden erwirtschaften wiederum Erträge. Je
länger der Zeitraum, desto stärker wächst das Vermögen exponentiell. Wer
z.B. Dividendenerträge nicht konsumiert, sondern automatisch wieder
anlegt, erhöht auf Dauer seine Rendite beträchtlich. Zudem gilt: Je
länger man investiert bleibt, desto näher kommt die tatsächlich erzielte
Rendite an den historischen Durchschnitt heran und desto geringer wird das
Timing-Risiko. Langfristiges Halten vermindert das Risiko, durch
kurzfristige Schwankungen Verluste zu erleiden[56].
- Risiko erhöhen (bewusst und
kontrolliert): Höhere Renditen sind nur durch die
Übernahme höherer Risiken zu erzielen – das ist ein Grundsatz der
Finanzwelt (kein „free lunch“). Wer eine höhere Verzinsung anstrebt, muss
in Anlageklassen oder Titel investieren, die stärkere Schwankungen oder
Ausfallrisiken mit sich bringen. Beispielsweise bieten Aktien langfristig
mehr Rendite als Sparbücher, weil sie auch mehr Risiko haben. Innerhalb
des Aktienmarktes versprechen Wachstumsaktien höhere Chancen (aber
auch höhere Verluste im Misserfolg) als defensive Werte. Wichtig ist, dass
das höhere Risiko diversifiziert und mit Augenmaß eingegangen wird.
Ein Fehler vieler Privatanleger ist, risikoärmere Anlagen überzugewichten
und so real zu niedrige Renditen zu erzielen – wer Vermögenswachstum will,
darf einen gewissen Aktienanteil nicht scheuen.
- Diversifikation & Optimierung der
Asset Allokation: Durch geschickte Mischung von
Anlageklassen lässt sich die risikoadjustierte Rendite verbessern. Eine
optimale Asset Allocation kann das Portfolio effizienter machen (Stichwort
Modern Portfolio Theory). So kann z.B. die Beimischung internationaler
Aktien, etwas Immobilien oder Rohstoffe das Portfolio breiter aufstellen,
was bei ähnlicher erwarteter Rendite die Schwankung senkt. Eine niedrigere
Volatilität führt indirekt zu höherer geometrischer Rendite über lange
Sicht (durch Vermeidung tiefer Drawdowns). Diversifikation an sich
steigert nicht die absolute Rendite der Einzelanlagen, aber sie erhöht die
Wahrscheinlichkeit, geplante Renditeziele mit weniger Risiko zu erreichen.
- Kostensenkung:
Jede eingesparte Gebühr wirkt wie ein Renditeplus. Hohe Kosten
(Managementgebühren, Vertriebsgebühren, Transaktionskosten) können die
Rendite erheblich schmälern. Daher ist es ein einfacher Hebel, in
kostengünstige Produkte zu gehen (z.B. ETFs statt teurer Fonds,
Direktinvestments statt Strukturprodukte, günstige Broker nutzen). Wer
seine jährlichen Kosten von z.B. 2% auf 0,5% senken kann, hat sofort 1,5%
mehr Rendite pro Jahr – was langfristig einen enormen Unterschied macht.
- Steueroptimierung: Auch Steuern sind ein Kostenfaktor. Zwar kann man diese nicht
komplett vermeiden, aber ausnutzen, was legal möglich ist:
Freistellungsaufträge einrichten (der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € p.a.
ist steuerfrei[57]), eventuelle steuerfreie Gewinne (bei Altbeständen vor 2009)
beachten, Verluste steuerlich verrechnen lassen[58]. In manchen Fällen können Anlagevehikel mit Steuerstundung
(ETF-Thesaurierung) oder das Ausnutzen von Freibeträgen die
Nachsteuerrendite verbessern.
- Aktive Strategie vs. passives Halten: Hier scheiden sich die Geister. Theoretisch könnte man durch Market
Timing und Stock Picking eine Überrendite (Alpha) erwirtschaften.
Praktisch gelingt dies nur wenigen Profis dauerhaft. Viele Untersuchungen
zeigen, dass die Mehrheit der Privatanleger durch zu häufiges
Umschichten ihre Rendite mindert, weil sie oft zum falschen Zeitpunkt
kaufen/verkaufen („hin und her macht Taschen leer“ lautet eine Börsenweisheit).
Für die meisten ist daher eine konsequente Buy-and-Hold-Strategie
mit regelmäßiger Rebalancierung und Geduld die beste Art, die Rendite
nicht zu gefährden. Allerdings gibt es auch erfolgversprechende aktive
Ansätze (z.B. Value Investing, Momentum-Strategien), doch diese erfordern
viel Wissen, Disziplin und auch Glück.
- Information und Wissen nutzen: Ein informierter Anleger kann Fehlentscheidungen vermeiden und
Gelegenheiten erkennen. Beispielsweise wer versteht, in welcher Phase des
Konjunkturzyklus wir uns befinden, kann Branchenüber- oder
Untergewichtungen vornehmen; wer Bilanzen lesen kann, findet
unterbewertete Aktien etc. Durch Wissen über die Märkte lässt sich
keine Wunder-Rendite garantieren, aber es schützt vor groben Fehlern (etwa
Hype-Blasen oder Panikverkäufen) und ermöglicht strukturierte Strategien. Wissen
ist das A und O – wer blind handelt, wird langfristig sein Geld verlieren,
während informierte Anleger wissen, was sie tun[59]. Daher steigert finanzielle Bildung indirekt die erzielbare
Rendite.
Zusammengefasst: Renditesteigerung erfordert meist, bewusst etwas
mehr Risiko einzugehen und Strategien diszipliniert umzusetzen,
Kosten niedrig zu halten und die Wirkung des Zinseszinses zu nutzen. Es gibt
keine Geheimtricks, die ohne Mehr-Risiko zu mehr Ertrag führen – jede Mehr-Rendite
ist mit einer Gegenleistung „bezahlt“: sei es Schwankung, geringere Liquidität,
längere Bindung oder intellektueller Aufwand. Die Kunst für Anleger besteht
darin, das Rendite-Risiko-Verhältnis zu optimieren, also für ein gegebenes
Risikolevel die maximale Rendite herauszuholen (oder umgekehrt das Risiko für
eine Zielrendite zu minimieren). Mit solider Planung, Geduld und regelmäßiger
Überprüfung der Anlagestrategie lässt sich die Portfolio-Performance
erheblich verbessern.
Mit den
richtigen Informationen zur erfolgreichen Strategie
Erfolg an der Börse hängt maßgeblich davon ab, gut informiert zu
sein und auf Basis fundierter Informationen eine klare Strategie zu verfolgen.
Viele Privatanleger machen den Fehler, ohne ausreichendes Wissen oder Konzept
in den Markt einzusteigen – oft verleitet durch Tipps, Trends oder Emotionen.
Die erste Regel lautet daher: „Investiere nur, wenn du wirklich weißt, was
du tust“[59].
Andernfalls gleicht es einem Glücksspiel.
Informationen beschaffen: Ein erfolgreicher
Investor sammelt und analysiert relevante Informationen über seine Anlagen.
Dazu gehören Unternehmenszahlen (Bilanzen, Geschäftsberichte),
Branchenentwicklungen, volkswirtschaftliche Daten, Nachrichten und Analysen. In
Zeiten des Internets stehen Privatanlegern prinzipiell dieselben Nachrichten in
Echtzeit zur Verfügung wie Profis. Entscheidend ist, diese Flut richtig
einzuordnen. Man sollte lernen, Kurse und Kennzahlen zu interpretieren,
Meldungen auf ihren Gehalt zu prüfen und zwischen wichtig und unwichtig zu
unterscheiden. Zum „richtigen Informiertsein“ gehört auch, die eigene
Anlagestrategie zu kennen und entsprechend zu filtern – ein langfristiger
Dividendeninvestor braucht andere Informationen als ein kurzfristiger
Daytrader.
Anlagestrategie entwickeln: Mit ausreichendem
Wissen lässt sich eine Strategie formulieren, die zu den eigenen Zielen
passt. Das kann z.B. eine Buy-and-Hold-Strategie mit regelmäßigen Sparraten in
ETFs sein, oder eine stock-picking-Strategie auf Basis fundamentaler
Unterbewertungen (Value Investing), oder ein regelbasiertes Trendfolgemodell
etc. Wichtig ist, dass die Strategie verstanden wird. Man sollte wissen,
warum man welche Anlage kauft, was die Haltekriterien sind und wann man ggf.
verkauft. Wer planlos agiert – heute diese „heiße Aktie“, morgen jener
„Geheimtipp“ – wird über kurz oder lang scheitern oder unterdurchschnittlich
abschneiden. Wie es im Aktienrebell-Blog heißt: „Wissen ist das A und O.
Wenn du blind handelst, wirst du dein Geld verlieren.“[60].
Eine klare Strategie hilft, dieses blindes Handeln zu vermeiden.
Informationsvorsprung nutzen: An der Börse
gilt das Prinzip der informationseffizienten Märkte – Kurse reflektieren
alle öffentlich verfügbaren Informationen. Wer dennoch eine Überrendite
erzielen will, muss entweder Informationen besser analysieren (also klüger
interpretieren) oder früher haben als die Masse (legale Insiderinformationen
sind allerdings schwer zu erlangen). Für Privatanleger ist es realistischer, Analysevorsprünge
zu suchen: sich in bestimmten Nischen oder kleineren Unternehmen besonders gut
auszukennen, um Bewertungslücken zu erkennen. Oder einen unabhängigen Gedanken
zu fassen, der vom Markt noch nicht berücksichtigt ist (Contrarian-Ansatz).
Beispiele: Ein Anleger studiert ausführlich den Geschäftsbericht einer
übersehenen Nebenwerte-AG und entdeckt, dass diese stark unterbewertet ist –
dank dieser Information (die öffentlich ist, aber kaum beachtet) kann er ein
Schnäppchen machen.
Emotionen durch Wissen bändigen: Informationen
und Bildung helfen auch, Psychofehler zu verringern. Wer weiß, dass
Märkte schwanken und Crashs vorübergehen, wird in Panikzeiten eher rational
bleiben. Wer die fundamentalen Werte seiner Aktien kennt, lässt sich von
kurzfristigen Kurslärm weniger beirren. Kurz: Informierte Anleger treffen
seltener irrationale Entscheidungen. Beispielsweise zeigte eine Studie,
dass Anleger, die sich intensiv mit ihren Investments beschäftigen, weniger zum
impulsiven Trading neigen und damit bessere Ergebnisse erzielen.
Kontinuierliches Lernen: Die Börsenwelt ändert
sich ständig – neue Produkte, neue Technologien (z.B. Krypto), geänderte
Regeln, frische Branchen entstehen. Erfolgreiche Anleger bleiben lernfähig.
Sie lesen Bücher, Finanzpresse, Blogs, hören Unternehmenscalls, tauschen sich
ggf. mit anderen aus. So erweitern sie fortlaufend ihr Wissensfundament.
Mit den richtigen Informationen und der daraus abgeleiteten Strategie
kann ein Anleger so etwas erreichen, was viele anstreben: Konsequenz und
Erfolg. An der Börse ist man nämlich letztlich sein eigener schlimmster
Feind, wenn man aus Unwissen in die falschen Anlagen geht oder in hektischer
Betriebsamkeit der Masse hinterherrennt. Eine gute Strategie – basierend auf
guter Information – wirkt wie ein Kompass: Sie hält einen auf Kurs, auch wenn
der Markt stürmisch ist. Wie ein Sprichwort (zugeschrieben Kostolany) sinngemäß
lautet: „Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht,
wenn sie steigen.“ – sprich, man muss überzeugt dabeibleiben können[61].
Das gelingt nur, wenn man weiß, was man warum besitzt, und nicht auf
Gerüchte oder heiße Tipps angewiesen ist. Somit ist Information der Grundstein
einer jeden erfolgreichen Anlagestrategie.
Indizes für
Märkte, Branchen und Ideen
Börsenindizes sind Kennzahlen, die die
Kursentwicklung einer definierten Gruppe von Wertpapieren widerspiegeln. Der
bekannteste Index in Deutschland ist der DAX, der die 40 größten und
liquidesten deutschen Aktiengesellschaften umfasst (früher 30). International
gibt es eine Vielzahl wichtiger Indizes: z.B. S&P 500 für die USA, Dow
Jones Industrial Average, NASDAQ 100 (Technologie), FTSE 100
(London), Nikkei 225 (Tokio), MSCI World (weltweiter Aktienindex)
usw. Einige der bekanntesten globalen Indizes sind S&P 500, MSCI World, Dow
Jones, FTSE 100, DAX oder Nikkei 225[62]. Sie dienen als Benchmark für die Marktentwicklung: Wenn vom
„Markt“ die Rede ist, meint man häufig die Bewegung eines solchen Leitindex.
Indizes können nach unterschiedlichen Kriterien gebildet werden. Länderindizes
fassen die wichtigsten Aktien eines Landes zusammen (z.B. DAX für Deutschland,
SMI für Schweiz[63], ATX für Österreich[64]). Regionenindizes wie der EURO STOXX 50 (Eurozone) oder MSCI
Europe decken mehrere Länder ab. Branchenindizes gruppieren Unternehmen
eines bestimmten Wirtschaftszweigs: etwa Technologieindizes (z.B. NASDAQ
Composite oder spezielle Halbleiterindizes), Bankensektorindizes, Energieindizes
usw.[65]. Solche Branchenindizes erlauben es, die Entwicklung einzelner
Sektoren zu verfolgen und zu vergleichen. Beispielsweise kann man sehen, ob im
letzten Jahr die Gesundheitsbranche besser lief als der Gesamtmarkt, indem man
den Branchenindex Gesundheit mit dem Gesamtindex vergleicht.
Neben klassischen Branchen gibt es auch Themen- oder Ideenindizes.
Diese fassen Titel nach bestimmten Anlagethemen zusammen, die nicht
zwangsläufig nur eine Branche betreffen. Zum Beispiel: Nachhaltigkeitsindizes
wie der Dow Jones Sustainability Index oder der Natur-Aktien-Index
(NAI) gruppieren Unternehmen, die bestimmte ökologische und soziale
Kriterien erfüllen[66]. Andere Themenindizes könnten „Wasserstoff-Energie“, „Cybersecurity“
oder „Demografie“ als Leitidee haben und alle Firmen enthalten, die in diesem
Themenfeld führend sind. Auch REIT-Indizes (Real Estate Investment
Trusts) für Immobilienaktien[67] oder Rohstoffindizes (die die Entwicklung eines Korbs von
Rohstoff-Futures abbilden[68]) sind verbreitet. Sogar Kuriositäten wie ein „Welt-Wein-Index“ oder
„Haustier-Aktienindex“ ließen sich konstruieren – grundsätzlich ist ein Index
nur eine definierte Zusammenstellung mit Rechenregel.
Indizes werden meist nach Marktkapitalisierung gewichtet – große
Unternehmen haben also mehr Einfluss als kleine (z.B. im DAX nach Free Float
Market Cap). Es gibt aber auch gleichgewichtete Indizes (jedes Unternehmen
zählt gleich viel) und Preisindizes vs. Performanceindizes (DAX
ist ein Performanceindex, d.h. Dividenden werden mit berücksichtigt; Dow Jones
ist ein Kursindex ohne Dividendenberücksichtigung).
Für Anleger sind Indizes in dreifacher Hinsicht wichtig: erstens
als Stimmungsbarometer, um die generelle Marktlage zu beurteilen („der
DAX steigt/fällt…“); zweitens als Benchmark, um die eigene
Portfolioleistung zu messen („habe ich den MSCI World geschlagen?“); drittens
als Investmentvehikel, vor allem über Indexfonds/ETFs. Gerade durch die
Verbreitung von ETFs in den letzten Jahren ist die Bedeutung der Indizes
noch gestiegen, da sehr viel Kapital stumpf diese Indizes repliziert.
Die Vielfalt der Indizes ermöglicht es zudem, in bestimmte Segmente
gezielt zu investieren: z.B. kann man über einen Branchen-ETF auf einen Technologie-Index
setzen, oder über einen Nachhaltigkeitsindex ESG-konform anlegen, oder
mit einem Small-Cap-Index auf Nebenwerte weltweit. Bekannte Indizes gibt
es für fast jeden Bereich – z.B. Dow Jones Global Select REIT Index für
globale Immobilienwerte[67], PHLX Semiconductor Index für Halbleiterfirmen, World Water
Index für Wasserunternehmen[69], etc.
Zusammengefasst fungieren Indizes als thermometer der Märkte und
Baustein für Anlegerideen. Sie erlauben einen schnellen Überblick („wie
steht der Markt heute?“) und eine einfache, diversifizierte Anlage in ganze
Märkte oder Themen mit einem einzigen Produkt. Ihr Aufbau (z.B. Gewichtung)
sollte jedoch vom Anleger verstanden werden, denn das beeinflusst die
Charakteristik – z.B. ist der DAX als Performanceindex mit Dividenden etwas
anders zu interpretieren als der Kursindex Euro Stoxx 50, und ein
gleichgewichteter Index verhält sich anders als ein
kapitalisierungsgewichteter. Insgesamt aber sind Indizes unverzichtbare
Indikatoren und Anlageinstrumente in der modernen Börsenwelt.
Analyse von
Kursen und Entwicklungen
Um erfolgreich an der Börse zu agieren, bedarf es der Analyse von
Kursen und Entwicklungen. Grundsätzlich stehen Anlegern zwei große
Analyseansätze zur Verfügung: die Fundamentalanalyse und die technische
Analyse (Chartanalyse). Beide Methoden haben unterschiedliche
Herangehensweisen und werden oft auch kombiniert.
Fundamentalanalyse versucht den inneren
Wert eines Wertpapiers zu ermitteln, indem sie die wirtschaftlichen
Fundamentaldaten untersucht. Bei Aktien bedeutet das, das Unternehmen genau
unter die Lupe zu nehmen: Bilanzkennzahlen (Gewinn, Umsatz, Cashflow,
Verschuldung), Geschäftsmodell, Marktstellung, Managementqualität,
Wachstumsperspektiven etc. Ziel ist festzustellen, ob der aktuelle Aktienkurs unter
oder über dem fairen Wert liegt. Wenn z.B. eine Aktie gemessen an Gewinn
und Substanz sehr günstig erscheint, könnte sie unterbewertet sein – ein
Kaufkandidat nach Value-Kriterien. Fundamentalanalyse eignet sich besonders für
langfristige Investitionen, um unterbewertete Aktien („Value Stocks“) zu
finden oder die relative Attraktivität verschiedener Aktien zu vergleichen[70]. Auch zur volkswirtschaftlichen Analyse (Makrodaten,
Zinsentwicklungen) wird sie genutzt, um z.B. Branchen aussichtsreich
einzuschätzen.
Technische Analyse (Chartanalyse) hingegen
betrachtet ausschließlich das Verhalten des Marktes, sichtbar im Kurs-
und Umsatzverlauf[70]. Sie basiert auf der Annahme, dass alle fundamentalen Informationen
bereits im Kurs enthalten sind und sich Trends und Muster aus der Kurs- und
Handelsgeschichte ableiten lassen. Chartanalysten studieren Kurscharts auf Trends
(Aufwärtstrends, Abwärtstrends, Seitwärtsbewegungen) und typische Formationen
(z.B. Doppelboden, Kopf-Schulter, Trendkanäle), nutzen Indikatoren (wie
gleitende Durchschnitte, Relative-Stärke-Index RSI, MACD) und achten auf Unterstützungs-
und Widerstandsniveaus. Die Chartanalyse ist beliebt für kurz- bis
mittelfristige Trading-Entscheidungen[71]. Ein Techniker würde z.B. kaufen, wenn ein Widerstand nach oben
durchbrochen wird („Breakout“), oder verkaufen, wenn der Kurs unter seinen
gleitenden 200-Tage-Durchschnitt fällt. Die Wirksamkeit der technischen Analyse
beruht teils auch auf einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Weil viele
Marktteilnehmer z.B. eine bestimmte Marke als Widerstand sehen, verkaufen dort
viele, und der Kurs prallt tatsächlich ab.
Unterschied Fundamentalanalyse vs.
Chartanalyse: Erstere schaut auf den inneren Wert und eher langfristig,
zweitere auf das Marktverhalten und eher kurzfristig[70]. Es heißt oft, Fundamentalanalyse sagt was man kaufen soll,
Chartanalyse sagt wann***. Tatsächlich können sich beide ergänzen: Ein
langfristiger Investor mag grundsätzlich von einer Firma überzeugt sein
(fundamental), wartet aber auf einen geeigneten Einstiegsmoment, z.B. bis der
Abwärtstrend bricht (technisch).
Neben diesen klassischen Methoden gibt es auch quantitative Analysen
(statistische Auswertungen, quantitative Modelle) und Sentimentanalysen
(Stimmung der Marktakteure, z.B. Umfragen, Put/Call-Ratios). In den letzten
Jahren kommen auch KI- und Big-Data-Analysen hinzu, die versuchen, aus
unstrukturierten Daten (Tweets, Nachrichten) Handelssignale zu generieren.
Ein wichtiger Teil der Analyse ist die Bewertung. Bei Aktien
nutzt man Kennzahlen wie KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis), KBV
(Kurs-Buchwert-Verhältnis), KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis), Dividendenrendite
etc., um eine Aktie mit anderen oder mit sich selbst über die Zeit zu
vergleichen. Bei Anleihen schaut man auf Renditen, Bonität und Zinsstruktur.
Bei Derivaten kommt die Optionspreistheorie (Black-Scholes-Modell usw.) ins
Spiel.
Auch die Makro-Analyse (Konjunktur, Zinsen, Inflation, Politik)
ist wesentlich, besonders für die strategische Ausrichtung (Asset Allocation).
Viele Entwicklungen haben ihren Ursprung im makroökonomischen Umfeld – z.B.
profitieren Banken von steigenden Zinsen, während Wachstumsunternehmen darunter
leiden (siehe vorheriger Abschnitt).
Entwicklungen analysieren heißt auch, Trends
rechtzeitig zu erkennen. Das können wirtschaftliche Megatrends sein
(Digitalisierung, demografischer Wandel, Energiewende), auf die man mit
entsprechenden Investments reagiert, oder kurzfristige Entwicklungen
(Zinswende, Wechselkursänderungen). Hierzu greifen Anleger auf vielfältige
Informationsquellen: Nachrichten, Wirtschaftsdatenkalender, Analystenstudien,
Unternehmens-Calls, Branchenreports usw. Ein Beispiel: Sie beobachten die Entwicklung
eines Index – etwa den Vorlauf mancher Indikatoren wie Kupferpreis
oder Transportindex als Signal für die Konjunktur („Dr. Copper“ gilt als
Frühindikator). Oder sie analysieren, wie sich die Gewinnschätzungen der
Analysten entwickeln – steigen sie kontinuierlich, signalisiert das positives
Momentum in den Erwartungen.
Für Privatanleger ist es wichtig, eine ihnen verständliche
Analyseform zu nutzen. Wer nicht Bilanzen studieren mag, kann mit ein paar
Chartgrundlagen arbeiten. Wer Zahlen liebt, fokussiert auf Fundamentaldaten. Im
Idealfall kombiniert man Basics von beiden: Kennt die Kennzahlen der Firma und
wirft einen Blick auf den Chart, um nicht gegen einen starken Trend
anzukämpfen.
Zusammenfassend: Die Analyse von Kursen und Entwicklungen ist das
Handwerkszeug jedes informierten Investors. Ob fundamental oder technisch – sie
liefert die rationalen Grundlagen, um nicht blindlings (siehe vorheriges
Kapitel) zu handeln, sondern begründet. Erfolgreiches Investieren ist letztlich
angewandte Analyse plus das richtige Mindset. Oder wie es sinngemäß heißt: An
der Börse gewinnt man selten alles, was erhofft wird, aber man kann auch nie
mehr als alles verlieren – sprich, wer seine Hausaufgaben in der Analyse
macht, begrenzt sein Risiko erheblich.
Anlagestrategien
Es gibt eine Vielzahl von Anlagestrategien, die Anleger
verfolgen können, abhängig von ihren Zielen, ihrem Zeithorizont und ihrer
Risikoneigung. Hier ein Überblick über einige der wichtigsten Strategien und
Ansätze:
- Buy and Hold (Langfristiges Halten): Ein passiver Ansatz, bei dem der Anleger einmal sorgfältig
auswählt und dann über lange Zeit hält. Idee: Qualität setzt sich
langfristig durch, kurzfristige Schwankungen werden ignoriert. Beispiel:
jemand kauft Aktien eines soliden Unternehmens und hält sie jahrzehntelang
(wie Warren Buffett, dessen „Lieblingshaltedauer ‘für immer’ ist“[72]). Vorteil: geringe Transaktionskosten, Steuerstundung, Nutzung
langfristiger Aufwärtstrends. Erfordert Disziplin, nicht von
zwischenzeitlichen Krisen aus der Bahn geworfen zu werden.
- Value-Investing (Wertstrategie): Hier sucht man unterbewertete Aktien, d.h. der Marktpreis
liegt unter dem geschätzten inneren Wert. Value-Investoren analysieren
fundamentale Daten und kaufen Aktien im „Sonderangebot“. Schlüsselprinzip:
Kauf von Aktien, die unter ihrem inneren Wert gehandelt werden,
basierend auf gründlicher Fundamentalanalyse[73]. Begründer Benjamin Graham und erfolgreicher Vertreter Warren
Buffett sind die bekanntesten Value-Investoren[74]. Diese Strategie erfordert Geduld – der Markt braucht mitunter
Zeit, um den Wert zu erkennen. Die Rendite kommt dann aus der
Kursaufholung zum fairen Wert plus Dividenden.
- Growth-Investing (Wachstumsstrategie): Fokus auf Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial.
Growth-Investoren sind bereit, höhere Bewertungen (hohe KGVs) zu
akzeptieren, solange sie starkes zukünftiges Gewinnwachstum erwarten[75]. Typisch investieren sie in junge, innovative Branchen
(Technologie, Biotech). Gewinne werden oft reinvestiert statt Dividenden
gezahlt. Beispiel: Investment in Amazon in den frühen 2000ern – trotz
damals hoher Bewertung, wegen enormer Wachstumsaussichten[76]. Diese Strategie kann hohe Renditen bringen, ist aber riskanter –
wenn das Wachstum ausbleibt, können Kurse stark einbrechen.
- Dividend-Strategie: Hier stehen regelmäßige Ausschüttungen im Vordergrund. Man
kauft Aktien von Unternehmen mit stabilen und vorzugsweise steigenden
Dividenden (Dividendenaristokraten). Ziel ist ein verlässlicher Cashflow
aus dem Portfolio, ggf. als Einkommensquelle. Dividendenstrategie ist oft
defensiv, da solche Aktien (Versorger, Konsumwerte) tendenziell weniger
volatil sind. Die Gesamt-Rendite setzt sich aus Dividenden plus moderatem
Kurswachstum zusammen.
- Indexing (Passives Investieren): Anstatt einzelne Aktien auszuwählen, investiert man in ganze
Märkte via Indexfonds/ETFs. Strategie: den Markt nehmen, wie er ist,
statt ihn schlagen zu wollen. Vorteile: maximale Diversifikation, sehr
geringe Kosten, man erhält automatisch die Marktrendite. Diese Strategie
hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen, da viele aktive
Fonds den Index langfristig nicht übertreffen. Für Privatanleger mit wenig
Zeit/Wissen ist dies oft empfehlenswert (z.B. World-ETF + einige
Regionen/Branchen-ETFs nach Bedarf).
- Asset-Allocation-Strategie: Hier geht es um die Verteilung des Vermögens auf verschiedene
Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold etc.). Eine bekannte
Daumenregel ist z.B. „100 minus Lebensalter = Aktienquote“ – jüngere
investieren mehr in Aktien, ältere mehr in Anleihen. Moderne Ansätze
verwenden Optimierungsmodelle oder orientieren sich an Musterportfolios
(wie dem Weltportfolio nach Kommer). Durch Rebalancing wird
regelmäßig das ursprüngliche Verhältnis wiederhergestellt. Diese Strategie
zielt auf Risikokontrolle und glättet die Vermögensentwicklung.
- Momentum-Strategie: Dabei kauft man, was steigt, und verkauft, was fällt – folgt
also dem Trend. Die Annahme ist, dass Trends sich fortsetzen
(zumindest mittelfristig). Ein Momentum-Anleger schichtet periodisch um,
um immer in den stärksten Märkten/Titeln investiert zu sein. Beispiele:
Trendfolge-Systeme, gleitende Durchschnitte als Signale (über/unter
200-Tage-Linie), Relative Stärke Ranking. Momentum kann phasenweise sehr
erfolgreich sein (z.B. in klaren Bullenmärkten), erfordert aber
konsequente Disziplin und schnelle Reaktion, wenn sich Trends drehen.
- Antizyklische Strategie (Contrarian): Das Gegenstück zum Momentum: Kaufe, wenn andere panisch
verkaufen; verkaufe, wenn andere gierig kaufen. Contrarians suchen
Übertreibungen – sie steigen z.B. in crashenden Märkten ein, weil die
Preise übermäßig gedrückt sind (berühmtes Bonmot: „Kaufen, wenn die
Kanonen donnern“). Oder sie meiden Hype-Aktien und setzen stattdessen auf
verschmähte Titel. Kostolanys Zitat hierzu: „Wenn alle auf eine todsichere
Sache spekulieren, geht es fast immer schief“[77]. Diese Strategie verlangt Mut und oft langen Atem (denn „der
Markt kann länger irrational bleiben, als man solvent“, wie Keynes sagte).
Aber wer z.B. im März 2009 am Tiefpunkt mutig Aktien kaufte, erzielte
enorme Gewinne als die Märkte drehten.
- Spekulative Strategien: Darunter fallen kurzfristiges Trading, Day-Trading,
Derivate-Spekulation, Leerverkäufe etc. Hier geht es um Ausnutzen
kleinster Kursbewegungen oder arbitrageartiger Chancen. Beispiele: Ein
Daytrader kauft morgens eine volatile Aktie und verkauft sie nach Minuten
mit kleinem Gewinn – und das zigfach. Oder jemand handelt Optionen
gezielt, um von Volatilitätsveränderungen zu profitieren. Diese Strategien
können hohe prozentuale Gewinne bringen, aber auch Totalverluste, und
erfordern professionelle Erfahrung, Überwachung und Risikomanagement.
- Diversifikationsstrategien nach
spezifischen Kriterien: Manche Anleger verfolgen
Strategien wie ESG-Investing (nachhaltig, ökologisch-ethisch
orientiert), Smart-Beta-Strategien (Faktor-Investing: z.B. gezielt
Aktien mit niedrigem KGV, hoher Qualität, kleinen Marktkapitalisierungen
etc. übergewichten) oder Themeninvestments (z.B. gezielt in
„Künstliche Intelligenz“-Aktien investieren). Diese sind Mischformen,
teils passiv (Themen-ETF), teils aktiv (Stockpicking in Themen). Sie
versprechen Outperformance, wenn das Thema/Faktor aufgeht.
Jede Strategie hat Vor- und Nachteile. Wichtiger als die Wahl
der „besten“ Strategie ist die Konsequenz in der Umsetzung. Viele
verlieren Geld, weil sie die Strategie wechseln wie das Wetter: heute Value,
morgen Growth, übermorgen Timing – und immer zum falschen Zeitpunkt hin- und
herwechseln. Das Motto lautet: Nur wer eine klare Strategie verfolgt, hat
langfristig Erfolg[78]. Es gilt die gewählte Strategie durchzuhalten, aber auch regelmäßig zu
überprüfen, ob die Annahmen noch gelten. Und nicht zuletzt muss die Strategie
zur Persönlichkeit passen – ein nervöser Mensch wird mit Daytrading
unglücklich, ein ungeduldiger vielleicht mit Buy&Hold.
Oft
werden auch Börsenregeln empfohlen wie „Diversifiziere ausreichend“
(nicht alle Eier in einen Korb), „setze Stop-Loss-Limits“ (Verluste
begrenzen), „lasse Gewinne laufen, begrenze Verluste“ usw. Diese
Grundsätze ziehen sich als Leitfaden durch viele Strategien und sind
Bestandteil der Disziplin.
Zusammenfassend
gibt es viele Wege zum Ziel. Ob man nun dem Beispiel eines Warren Buffett
(Value) folgt, dem eines Philip Fisher (Growth)[79], einem John Bogle (Indexing) oder einem André Kostolany (antizyklisch,
Geduld) – entscheidend ist, dass man die Prinzipien der gewählten Strategie
versteht und beibehält. Und natürlich kann man auch hybrid vorgehen (z.B.
Core-Satellite: Großteil passiv, kleiner Teil aktiv). Wichtig ist: Plan haben,
Plan umsetzen, Plan anpassen nur mit gutem Grund – dann steigt die Chance, die
langfristigen Ziele zu erreichen.
Börsenweisheiten
Die Börse existiert seit Jahrhunderten, und in dieser Zeit haben sich
zahlreiche Börsenweisheiten und Sprichwörter angesammelt. Manche klingen
abgedroschen, enthalten aber einen Kern Wahrheit – andere sind eher augenzwinkernde
Bonmots. Hier eine Auswahl berühmter Börsenweisheiten und was sie bedeuten:
- „Sell in May and go away, but remember
to come back in September.“ – Verkaufe im Mai
und geh weg, aber denke daran im September zurückzukehren. Dieser
Spruch stammt aus alten britischen Börsenzeiten und besagt, dass die
Sommermonate oft schwächer sind (weil viele Händler im Urlaub waren)[80][81]. Statistisch zeigte sich tatsächlich, dass die Performance an den
Märkten von Oktober bis April oft besser ist als von Mai bis September[82]. Allerdings sind das Durchschnittswerte; es gab durchaus
„Sommer-Rallyes“. Die Weisheit mahnt zur Saisonbeobachtung, wird aber
nicht von jedem ernst genommen – mittlerweile eher ein historischer
Slogan.
- „Hin und her macht Taschen leer.“ – Viele Trades verursachen viele Kosten und oft
Fehlentscheidungen. Diese deutsche Weisheit rät dazu, nicht ständig das
Depot umzuschichten. Jeder Kauf/Verkauf kostet Gebühren (früher Courtagen,
heute Spreads/Gebühren) und eventuell Steuern, was die Performance drückt.
Zudem läuft man Gefahr, immer zum falschen Zeitpunkt zu wechseln.
Langfristiges Position-Halten schlägt häufig hektisches Trading.
- „The trend is your friend.“ – Der Trend ist dein Freund. Eine einfache Börsenregel,
die Trendfolge empfiehlt: Wenn ein klarer Aufwärts- oder Abwärtstrend
besteht, stellt man sich lieber auf seine Seite, statt dagegen
anzukämpfen. Trends können länger anhalten als gedacht, daher fährt man
gut, ihnen zu folgen, bis es klare Umkehrsignale gibt.
- „Greife nie in ein fallendes Messer.“ – Warnung davor, zu früh einen Kursverfall zum Nachkaufen zu
nutzen. Ein schnell fallender Kurs (das „fallende Messer“) kann weiter
fallen und dem Anleger, der zu früh zugreift, schaden. Besser abwarten,
bis sich der Kurs stabilisiert, anstatt im freien Fall blind zuzuschlagen.
- „Nicht alle Eier in einen Korb legen.“ – Der Appell zur Diversifikation: Streuung des Kapitals auf
mehrere Anlagen, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Wenn der Korb (eine
bestimmte Aktie oder Anlage) runterfällt und alle Eier (das ganze Kapital)
darin waren, ist alles verloren. Also: diversifizieren über verschiedene
Titel, Branchen, Länder, vielleicht auch Anlageklassen.
- „An der Börse wird nie so viel gelogen
wie nach der Jagd und vor der Wahl.“ – Humorvolle
Weisheit, die besagt, dass man bei Börsentips skeptisch sein sollte. Viele
Geschichten von tollen Gewinnen stimmen nicht oder lassen Verluste unter
den Tisch fallen. Der Anleger sollte sich nicht von Prahlereien oder
Gerüchten leiten lassen.
- „Verluste begrenzen, Gewinne laufen
lassen.“ – Ein Kerngedanke: Man sollte sich
konsequent von verlustreichen Positionen trennen (Fehler eingestehen, kein
Verlustaversion-Verharren)[83], aber gute Positionen nicht zu früh verkaufen. Viele neigen zum
Gegenteil (Gewinner schnell verkaufen aus Angst, der Gewinn schmilzt,
während Verlierer ewig gehalten werden in der Hoffnung auf Ausgleich –
bekannt als Dispositionseffekt[83]). Die Weisheit fordert zur Disziplin: verkaufe einen Verlierer
z.B. bei 10-15% Verlust (Stop-Loss), aber halte Gewinner so lange sie
steigen.
- „Die erste Verlusttranche ist die
billigste.“ – Ähnlich wie oben: Wenn man im
Verlust liegt, nicht zögern, auch mit Verlust zu verkaufen; sonst könnten
die Verluste größer werden. Besser früh eine kleine Wunde lecken als
später eine große.
- „Kaufen, wenn die Kanonen donnern –
verkaufen, wenn die Violinen spielen.“ – Von
Baron Rothschild stammend, bedeutet es: Im Krieg oder in der Krise
(Kanonen) billig kaufen, in Zeiten überschäumenden Optimismus
(Ballatmosphäre mit Geigen) verkaufen. Im Prinzip ein antizyklisches
Credo. André Kostolany formulierte ähnlich: „Kaufen Sie Aktien, nehmen
Sie Schlaftabletten“ – also geduldig in Krisen kaufen und lange halten[23].
- „Börsen machen die Dicksten dünn.“ – Hinweis auf die Risiken: Selbst wer auf dem Papier reich ist
(dick), kann durch Börsenturbulenzen viel verlieren (dünn werden). Das
Sprichwort mahnt zur Demut; nichts ist sicher an der Börse.
- „Der Markt hat immer recht.“ – Egal, was man persönlich glaubt: Die Preisbildung der Börse
reflektiert das Zusammenspiel aller Teilnehmer. Es bringt wenig, mit
Verbissenheit gegen den Markt zu wetten in der Überzeugung, man habe recht
und der Markt irrt. Diese Weisheit sagt: Akzeptiere, was der Markt dir
zeigt – kämpfe nicht dagegen an, sondern handle entsprechend (z.B. Trends
akzeptieren, Verluste realisieren, wenn Markt klar dagegenläuft etc.).
- „Sei gierig, wenn andere ängstlich
sind, und ängstlich, wenn andere gierig sind.“ –
Ein Zitat von Warren Buffett[84], das zur Contrarian-Haltung aufruft. Wenn alle panisch Angst
haben (Crash), ergeben sich Kaufchancen – man sollte mutig (gierig) sein.
Wenn alle euphorisch gierig werden (Blasenbildung), sollte man vorsichtig
(ängstlich) werden. Dieser Sinnspruch fasst eine zentrale Anlagestrategie
Buffetts zusammen und hat sich in vielen Marktzyklen bewährt.
- „Regel Nr.1: Verliere niemals Geld.
Regel Nr.2: Vergiss niemals Regel Nr.1.“ –
Ebenfalls Buffett[85]. Natürlich kann man Verluste nicht völlig vermeiden, gemeint ist:
Kapitalschutz hat Priorität. Lieber etwas geringere Gewinne als einen
Totalverlust riskieren. Konserviere dein Kapital, dann kannst du immer
wieder spielen.
- „Investiere nur in ein Unternehmen,
dessen Geschäft du auch verstehst.“ – Noch eine
Buffett-Weisheit[86]. Sie rät, nur in Dinge zu investieren, die man nachvollziehen
kann. Man soll nicht blind in Modebranchen investieren, ohne zu verstehen,
wie das Unternehmen Geld verdient. Dieser Leitsatz kann vor schlimmen
Fehlgriffen bewahren (Buffett z.B. mied lange Tech-Aktien, bis er genug
davon verstand).
- „Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob
es mehr Aktien gibt als Idioten – oder umgekehrt.“ – Ein drastisch-humorvolles Kostolany-Zitat[87]. Es spielt auf Übertreibungen an: Wenn zu viel „dummes“ Geld
blind kauft (Idioten > Aktien), steigen Kurse in absurde Höhen; gibt es
mehr Aktien als Idioten (sprich zu wenig Nachfrage), fallen sie. Diese
Überspitzung soll an menschliche Faktoren erinnern, die Preise treiben
können.
- „Es gibt keine schlechten Aktien, nur
schlechte Kurse.“ – Aussage oft von Kostolany:
Jede Aktie ist interessant, wenn sie nur billig genug ist. Selbst ein noch
so tolles Unternehmen kann ein schlechtes Investment sein, wenn der Preis
astronomisch hoch ist, und ein mäßiges Unternehmen kann reizvoll sein,
wenn es zum Schleuderpreis gehandelt wird. Preis (Kurs) und Wert müssen
ins Verhältnis gesetzt werden.
Diese Börsenweisheiten sind teils widersprüchlich (Trend folgen
vs. antizyklisch handeln), was zeigt: Es gibt keine Patentrezepte, nur
Denkanstöße. Sie dienen oft als Merkregeln, entstammen Erfahrungen über
typische Anlegerfehler. Man sollte sie nicht blind befolgen, aber sie können in
passenden Situationen hilfreich sein, um sich an bewährte Prinzipien zu
erinnern. Sie sind quasi das „Volkswissen“ der Börse. Allerdings betonte
Kostolany selbst, dass Börsenweisheiten zwar einen wahren Kern haben, aber
nicht starr gelten – Flexibilität und das richtige Gefühl zum richtigen
Zeitpunkt können entscheidender sein.
Psychofehler an der Börse
Menschen sind keine rein rationalen Wesen – schon gar nicht, wenn Geld
im Spiel ist. An der Börse treten daher typische psychologische Fehler und
Verhaltensmuster auf, die oft zu suboptimalen Entscheidungen führen. Die
noch junge Disziplin der Behavioral Finance untersucht solche Biases
systematisch. Im Folgenden einige der größten Psycho-Fallen, in die
Anleger tappen können, und ihre Auswirkungen:
- Herdenverhalten und FOMO (Fear
of Missing Out): Viele Anleger fühlen sich in der
Gruppe wohler als allein gegen den Strom zu schwimmen[88]. Wenn alle kaufen, will man auch
dabei sein, aus Angst etwas zu verpassen (FOMO). Das führt zu Herdentrieb
– einem Verhalten wie Lemminge, die blind der Masse folgen und am Ende
womöglich gemeinsam in den Abgrund stürzen[89]. Beispiele: Während des
Dotcom-Booms 1999 kauften viele Aktien nur, weil „alle“ es taten, ungeachtet
der Bewertung. Herdenverhalten kann Spekulationsblasen erzeugen und
später die Panik verstärken, wenn alle gleichzeitig hinauswollen. Rational
wäre es, eigene Kriterien anzulegen und sich nicht von der Menge leiten zu
lassen – was jedoch schwerfällt, wenn Medien und Umfeld einen Hype
treiben. Bewusstes Hinterfragen („Ist das Unternehmen wirklich so toll,
oder rennt nur jeder wegen KI-Trend rein?“[90]) kann helfen, diese Falle zu
meiden.
- Verlustaversion und
Dispositionseffekt: Psychologen haben
festgestellt, dass Menschen Verluste viel schmerzhafter empfinden als
gleich hohe Gewinne Freude bereiten[91]. Diese Verlustaversion
führt an der Börse zu mehreren Problemen: Anleger neigen dazu,
Verlustpositionen zu lange zu halten, weil sie den Verlust nicht
realisieren wollen – in der Hoffnung, es dreht noch ins Plus. Gleichzeitig
verkaufen sie Gewinnpositionen oft zu früh, um den Gewinn
sicherzustellen, aus Angst, ihn wieder zu verlieren[83]. Dieses Verhalten wird als Dispositionseffekt
bezeichnet und mindert nachweislich die Performance[83]: Gewinne werden zu früh gekappt,
Verluste laufen zu lange (bis sie größer sind). Außerdem führt
Verlustaversion dazu, dass manch einer überhaupt den Einstieg scheut
(„Angst vor Verlust“), selbst wenn die Gewinnchancen überwiegen[91]. Rational wäre es, Verluste
konsequent zu begrenzen (Stop-Loss setzen) und Gewinne laufen zu lassen –
doch emotional fällt genau das schwer. Viele erfolgreiche Investoren
trainieren daher, Verluste als Teil des Geschäfts zu akzeptieren,
anstatt ihnen nachzutrauern.
- Selbstüberschätzung
(Overconfidence): Gerade wer erste Erfolge hatte,
neigt dazu, die eigene Fähigkeit zu überschätzen. Selbstüberschätzung
führt dazu, dass Anleger zu hohe Risiken eingehen – etwa große Klumpen,
hohes Hebeln –, weil sie glauben, den Markt im Griff zu haben[92]. Manchmal treiben auch
Zufallstreffer dieses Ego: Wer 2020 auf Tesla gesetzt hat und reich
belohnt wurde, hält sich womöglich für ein Aktiengenie. Studien zeigen,
dass Overconfidence zu übermäßigem Trading verleitet (Motto: „ich
weiß genau, wann ein- und auszusteigen ist“)[92]. Dies erhöht Kosten und
Fehlerrisiko. Ein bekanntes Bonmot: „Verwechsle nicht Gehirn mit einem
Bullenmarkt“ – in Haussephasen wirken alle smart. Overconfidence kann
auch bedeuten, Komplexität zu unterschätzen – z.B. in Derivate
investieren, die man eigentlich nicht richtig versteht, oder auf Margin
handeln ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Ein berühmtes
Experiment von Burton Malkiel: Er stellte die These auf, dass ein Affe
mit Dartpfeilen (der zufällig Aktien auswählt) oft nicht schlechter
ist als teure Profis[93]. Das unterstreicht, dass man
demütig bleiben sollte. Selbstüberschätzung zu erkennen ist schwer; ein
Gegenmittel ist, sich immer zu fragen „Was, wenn ich falsch liege?“ und
Limits einzuziehen.
- Herdentrieb vs.
Contrarian-Stolz: Interessanterweise kann auch
das bewusste Gegen-den-Strom-Schwimmen zur Falle werden – nämlich wenn man
es nur aus Prinzip macht. Manche Contrarians sind überzeugt, die
Masse liege immer falsch. Sie wetten dann stur gegen Trends (etwa Short
gehen in einem weiterhin starken Bullenmarkt) und verbrennen dabei Geld.
Hier mischt sich Overconfidence mit einer anti-herden Bias. Wichtig ist, auch
als Contrarian Indizien zu brauchen, warum der Markt irrt – nicht nur
kontra sein um des Kontraseins willen.
- Bestätigungsfehler
(Confirmation Bias): Menschen suchen gerne nach
Informationen, die ihre bestehende Meinung bestätigen, und blenden
widersprechende Signale aus. Ein Anleger, der von einer Aktie überzeugt
ist, liest vielleicht bevorzugt positive Berichte darüber und ignoriert
Warnzeichen. So steigert er seine Overconfidence und kann von schlechten
Nachrichten überrascht werden, die er zuvor ausblendete. Besser wäre ein
neutraler Blick: aktiv nach Gegenargumenten suchen („Was könnte
schiefgehen?“).
- Verfügbarkeits- und
Erinnerungsbias: Man lässt sich von leicht
verfügbaren oder einprägsamen Informationen leiten. Beispielsweise
überschätzt man die Wahrscheinlichkeit extremer Ereignisse, wenn gerade
darüber berichtet wurde (z.B. nach einem Börsencrash halten viele einen
weiteren Crash für wahrscheinlicher). Oder man erinnert sich lebhaft an
seine besten Trades und vergisst die schlechten – und überschätzt so seine
Performance. Dies kann zu Fehlgewichtungen und falschen Entscheidungen
führen. Hier hilft, Buch zu führen (Trading-Journal) und Statistiken statt
Bauchgefühl auszuwerten.
- Angst und Gier (Fear and
Greed): Diese beiden Grundemotionen bewegen die
Märkte. Angst kann zu Panikverkäufen führen – wer in Panik
verkauft, realisiert Verluste und verpasst oft die Erholung. Gier
kann blinde Kaufwut erzeugen (z.B. in späten Bubble-Phasen noch auf den
Zug aufspringen, obwohl es irrational erscheint). Die bekannte Empfehlung:
"Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere
ängstlich sind"[84], zielt darauf ab, diese
kollektiven Emotionsextreme zu erkennen und entgegenzusteuern. Allerdings
erfordert das enorme Selbstkontrolle.
- Dispositionseffekt (bereits bei Verlustaversion erwähnt): Bleibt eine ständige
Gefahr. Der Grundmechanismus: im Gewinnbereich risikoavers, im
Verlustbereich risikofreudig, was irrational ist[83]. Dies führt etwa dazu, dass
Verliereraktien im Depot „liegen bleiben“ (man möchte nicht verkaufen,
solange Buchverlust besteht), während Gewinner schnell verkauft werden, um
den Gewinn sicher zu haben[83]. Oft sieht man dann, dass das
Verkaufen der Gewinner verpasstes Potential bedeutet (sie steigen ohne
einen weiter) und das Behalten der Verlierer weiteres Kapital bindet und
tiefer ins Minus rutscht. Hiergegen hilft es, sich mentale Stopps
zu setzen und jeden Titel unabhängig vom Einstand zu bewerten: Würde ich
die Aktie heute noch kaufen? Wenn nein, warum halte ich sie noch?
- Home Bias und
Vertrautheitsbias: Anleger investieren
überproportional in das, was sie kennen (Inländeraktien, heimische
Branche, gar die eigene Firma). Dieses Wohlgefühl ist verständlich, aber
führt zu schlechter Diversifikation (Home Bias: z.B. deutsche Anleger
halten viel DAX, wenig Ausland). Dass etwas vertraut ist, heißt nicht,
dass es besser ist – hier mischt sich Psychologie (Heimatgefühl) in
rationale Allokation. Besser: global diversifizieren, auch wenn
Auslandsanlagen zunächst fremder wirken.
- Reaktanz und Stolz: Manche Anleger halten an Fehlentscheidungen aus Stolz fest („Ich
kann doch nicht zugeben, dass das ein Fehlkauf war“). Oder sie verdoppeln
gar („Nachkaufen im Verlust“) ohne sachliche Grundlage, nur weil sie es
sich beweisen wollen. Das Ego steht im Weg. Eine Maxime lautet: Die
Börse ist emotionslos – das sollte man auch sein. Manchmal ist es
besser, mit kühlem Kopf eine bittere Pille (Verlust) zu schlucken, als aus
Stolz endlos zu warten.
Um diese Psychofehler zu vermeiden, raten Experten zu einigen
Maßnahmen: Regeln aufstellen (z.B. Stop-Loss-Limits), schriftliche
Strategieplan (um in der Hitze des Gefechts etwas zu haben, woran man sich
hält), Automatisierung (Sparpläne, Rebalancing, um Emotion
rauszunehmen), im Voraus Handlungspläne entwickeln („wenn Aktie X 20%
fällt, tue Y“) und ständige Selbstreflexion. Wie Raiffeisen-Chefanalyst
Geissbühler sagt: „Wichtig ist, das Bewusstsein für diese Denkfehler zu
schärfen und das eigene Anlageverhalten kritisch zu hinterfragen“[94]. Wer seine eigenen Unzulänglichkeiten kennt, kann dagegen ansteuern –
und dadurch Schäden reduzieren und den Anlageerfolg verbessern[94].
Insgesamt zeigt sich: Psychologie kann Anlageergebnisse stark
beeinflussen. Oft sind es nicht mangelndes Wissen oder falsche Strategie,
sondern Emotionen wie Angst, Gier, Ungeduld und Übermut, die Rendite kosten.
Deshalb ist an der Börse neben der fachlichen Analyse auch die Selbstbeherrschung
entscheidend. Wie Kostolany meinte, braucht man zum Börsenerfolg neben Geld vor
allem „Geduld und Nerven“. Das bedeutet nichts anderes als psychologische
Stärke: Gier zügeln, Angst kontrollieren, Disziplin halten. Anleger, die
das beherrschen, umgehen die häufigsten Psychofallen und haben einen klaren
Vorteil gegenüber der Mehrheit, die diesen Fehlern erliegt.
Börsengurus
In
der Börsengeschichte haben sich einige außergewöhnlich erfolgreiche oder
einflussreiche Persönlichkeiten einen Namen gemacht – oft nennt man sie im
Volksmund Börsengurus. Sie dienen vielen Anlegern als Vorbilder oder
Quellen von Weisheiten. Allerdings sollte man ihren Rat nicht blind befolgen;
selbst Gurus liegen mal falsch. Werfen wir einen Blick auf einige bekannte
Börsengurus und was sie auszeichnet:
- André Kostolany (1906–1999): Einer der bekanntesten Börsenphilosophen im deutschsprachigen
Raum, ein Altmeister der Spekulation[95]. Kostolany war Börsenhändler und Autor, der in Büchern und
TV-Auftritten seine Erfahrungen teilte. Er prägte zahlreiche
Börsenweisheiten (z.B. „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten“
oder „Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht
spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren.“[96]). Kostolany setzte auf antizyklisches Investieren und hatte ein gutes
Gespür für Marktstimmungen. Er wetterte z.B. gegen die Exzesse am Neuen
Markt Ende der 90er frühzeitig[95]. Sein charmant vorgetragener Rat: Geduld haben, Qualitätstitel
kaufen und Kursschwankungen aussitzen, entsprach im Kern dem
Value-Gedanken. Kostolanys Vermächtnis sind eher seine Lehren und Bonmots
als konkrete Performancezahlen – er gilt als Gentleman-Spekulant,
der Generationen von Anlegern beeinflusste[97].
- Warren Buffett (geb. 1930): Der wohl berühmteste Investor der Welt, genannt das "Orakel
von Omaha". Buffett ist durch konsequentes Value Investing mit
seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zu einem der reichsten
Menschen geworden[98]. Seine Strategie: Hochwertige Unternehmen kaufen, die
unterbewertet sind, und möglichst für immer halten[72]. Er achtet auf verständliche Geschäftsmodelle, starke
Wettbewerbsvorteile (Moats) und fähiges Management[99]. Einige von Buffetts Börsenweisheiten sind legendär: „Regel Nr.1:
Verliere niemals Geld. Regel Nr.2: Vergiss niemals Regel Nr.1.“[85]; „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind...“[84]; „Investiere nie in ein Unternehmen, dessen Geschäft du nicht
verstehst.“[86]. Buffett beeinflusst mit seinen Aktionärsbriefen und Statements
die Investmentwelt enorm – er wird wie ein Guru verehrt. Man darf aber
nicht vergessen: Seine Erfolge resultieren aus jahrzehntelangem
konsequentem Handeln, großem analytischen Talent und günstigen Umständen
(er konnte z.B. mit großem Versicherungskapital arbeiten). Trotzdem gelten
seine Prinzipien (Value, Geduld, Disziplin) für viele als goldener
Standard.
- Benjamin Graham (1894–1976): Der Lehrmeister Buffetts und „Vater der Fundamentalanalyse“.
Grahams Buch „The Intelligent Investor“ ist bis heute Bibel der
Value-Anleger. Er prägte Konzepte wie Margin of Safety
(Sicherheitsmarge – nur kaufen, wenn Kurs deutlich unter innerem Wert) und
betrachtete Aktien als Anteile an realen Geschäften, nicht nur als
Zockerchips. Graham erzielte zu seiner Zeit beachtliche Erfolge mit streng
quantitativer Value-Strategie (er suchte „Zigarrenstummel“ – extrem
unterbewertete Aktien mit mindestens einem letzten Puff Gewinn). Heute
wird Graham als Guru verehrt, obgleich der Markt sich verändert hat (solch
eklatant unterbewertete Firmen sind seltener). Dennoch: seine Prinzipien
von Wert und Sicherheit bilden die Grundlage modernen Value-Investings[74].
- Peter Lynch (geb. 1944): Einer der erfolgreichsten Fondsmanager (Magellan Fund bei
Fidelity in den 1980ern). Er propagierte „Investiere in das, was du
kennst“ und fand viele Gewinneraktien, indem er Alltagsbeobachtungen
nutzte (z.B. sah er volle Parkplätze bei Walmart und investierte). Lynch
schlug den Markt über lange Jahre deutlich. Seine Bücher („One Up on Wall
Street“) machten ihn zum Guru für Privatanleger, da er betont, dass auch
Amateure gute Chancen entdecken können, wenn sie aufmerksam durchs Leben
gehen. Sein Stil war Growth at reasonable price (Qualitätswachstumswerte).
- George Soros (geb. 1930): Berühmt als spekulativer Makro-Hedgefondsmanager. Soros wurde
bekannt, als er 1992 gegen das Pfund wettete und die Bank of England
„zwang“, die Währung abzuwerten – er verdiente damit rund 1 Mrd. $. Soros'
Ansatz basiert auf der Theorie der Reflexivität: Märkte sind nicht
effizient, sondern können Fehlbewertungen aufschaukeln, die ein cleverer
Anleger ausnutzen kann. Er gilt als Guru, weil er Intuition mit Mut
verband, sehr große Wetten einzugehen. Seine Erfolge und Analysen (z.B. in
„The Alchemy of Finance“) beeinflussten viele Trader.
- André Kostolany, Warren
Buffett etc. hatten wir, weitere könnten genannt werden:
o
John
„Jack“ Bogle (1929–2019): Gründer von Vanguard, Guru
des passiven Investierens. Er erfand den Indexfonds für Privatanleger und
predigte kostenbewusstes, langfristiges Anlegen im breiten Markt. Viele sehen
ihn als Wohltäter der Anlegergemeinde.
o
Ray Dalio
(geb. 1949): Hedgefonds-Milliardär (Bridgewater) mit
Makro-Strategien; teilt inzwischen sein Wissen über ökonomische Zyklen (z.B.
„Big Debt Cycles“) und wird von manchen als Guru für Makro und Allwetter-Portfolios
angesehen.
o
Cathie
Wood (geb. 1955): Aktuell bekannt als Tech-Investorin
(ARK Invest) mit starkem Fokus auf Innovation (Tesla, Crypto etc.). 2020
gefeiert als Guru für Zukunftstrends, 2022 dann stark kritisiert nach
Kurseinbrüchen. Zeigt wie schnell der Guru-Status wechseln kann.
o
Jesse
Livermore (1877–1940): Legendärer Spekulant Anfang 20.
Jahrhundert, bekannt aus „Reminiscences of a Stock Operator“. Gelten manchen
Tradern als historischer Guru, da er große Crashs vorhersah und shortging.
Allerdings endete er tragisch (Selbstmord nach mehrfachem Konkurs) – lehrreich,
dass selbst brillante Trader scheitern können.
Den
Gurus zuzuhören kann lehrreich sein – ihre Erfahrungen und Strategien
bieten wertvolle Einsichten. Viele Börsenweisheiten in vorherigem Kapitel
stammen ja von solchen Gurus. Allerdings muss man beachten: kein Guru ist
unfehlbar. Buffett z.B. lag auch schon falsch (Airlines in den 90ern, zu früh
IBM gekauft etc.), Soros machte Verluste nach dem Pfund-Coup, Lynch hatte auch
schwache Jahre. Außerdem passt nicht jeder Gurustil zu jedem Anleger: Buffett’s
tiefe Value-Firmen-Verständnis erfordert Arbeit und Kapital; Soros' globales
Makrotrading ist extrem risikoreich; Bogle’s passives Investieren dagegen
simpel, aber unspektakulär.
Manche
Gurus werden im Nachhinein erst so genannt, weil sie zufällig zur richtigen
Zeit das Richtige taten – ein Lottogewinner wirkt retrospektiv wie ein Genie,
war es aber nicht zwingend. Daher sollte man Guru-Ratschläge reflektieren
und dem eigenen Urteil anpassen. Wie ein Sprichwort sagt: „Folge keinem blind,
auch nicht den Gurus – koche dein eigenes Süppchen.“ Dennoch: Die genannten
Persönlichkeiten haben die Börsenkultur geprägt, und wer sich intensiver mit
ihren Strategien beschäftigt, kann viel lernen. Beispielsweise Buffetts Briefe
an die Aktionäre sind wahre Fundgruben an Investmentweisheit (über Value,
Unternehmen, langfristiges Denken)[98], Kostolanys Bücher lehren Geduld und Gelassenheit im Auf und Ab der
Kurse, Lynchs Werke ermutigen, mit offenen Augen Chancen zu suchen.
Zusammengefasst:
Börsengurus sind Leitfiguren, die – meist durch außerordentlichen Erfolg
– Berühmtheit erlangt haben. Sie haben oft eingängige Prinzipien formuliert,
die als Richtschnur dienen können. Man sollte sie weder glorifizieren noch
ignorieren, sondern kritisch würdigen. Am Ende muss jeder Anleger seinen
eigenen Weg finden, aber etwas „an den Lippen der Gurus hängen“[100] schadet nicht, solange man mitdenkt. Schließlich verraten ihre
Erfahrungen viel darüber, was an der Börse funktioniert und was nicht.
Steuern
Zu
guter Letzt darf das Thema Steuern nicht fehlen, denn steuerliche
Aspekte beeinflussen die Nettorendite von Börsenanlagen erheblich. In
Deutschland unterliegen Gewinne aus Aktien und anderen Kapitalanlagen der Abgeltungsteuer.
Seit einer Reform zum 1. Januar 2009 werden sämtliche private Kapitalerträge
– also Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus Wertpapierverkäufen – mit
einem pauschalen Steuersatz von 25 % besteuert[101] (zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer). Der
persönliche Einkommensteuersatz spielt dabei keine Rolle mehr; diese Flat
Tax sorgt für klare Verhältnisse[102]. Effektiv ergibt sich inkl. Soli (5,5 %) ein Satz von 26,375 %, mit
Kirchensteuer (je nach Bundesland 8%/9%) etwas über 27–28 %.
Die Bank
führt diese Steuer automatisch ab, sobald Kapitalerträge anfallen (z.B.
Gutschrift einer Dividende oder Verkaufserlös mit Gewinn)[58]. Damit ist die Steuerschuld grundsätzlich abgegolten – man muss solche
Erträge nicht mehr in der Einkommensteuererklärung angeben (außer man will
Verluste anrechnen oder hat kein inländisches Kreditinstitut dazwischen).
Jeder
Steuerpflichtige hat allerdings einen Sparer-Pauschbetrag (früher
Sparerfreibetrag), bis zu dem Kapitalerträge steuerfrei sind. Dieser beträgt
derzeit 1.000 € pro Jahr für Ledige (2.000 € für Verheiratete zusammen)[103]. Um ihn zu nutzen, stellt man der Bank einen Freistellungsauftrag
in entsprechender Höhe aus. Dann werden Zinserträge, Dividenden und Kursgewinne
bis zu dieser Summe ohne Steuerabzug ausgezahlt[57]. Übersteigen die Erträge den Freibetrag, wird nur der Mehrbetrag
besteuert.
Verlustverrechnung: Verluste aus Kapitalanlagen können mit Gewinnen verrechnet werden,
allerdings gibt es Besonderheiten: Aktienverluste dürfen steuerlich nur
mit Aktiengewinnen verrechnet werden[104] (nicht mit Zinsen oder Fondserträgen). Andere Verluste (z.B. aus
Anleihen, Derivaten) sind untereinander und mit Zinsen/Dividenden verrechenbar.
Nicht genutzte Verluste werden in Folgejahre vorgetragen. Die Bank führt diese
Verrechnung im Rahmen der Verlustverrechnungstöpfe automatisch durch:
separate Töpfe für Aktien und Sonstiges.
Dividenden und Zinsen werden voll mit Abgeltungsteuer belegt. Früher gab es
für Dividenden aus inländischen Aktien das Halbeinkünfteverfahren – das ist
entfallen. Somit sind Ausschüttungen thesaurierender Fonds etc. ebenfalls
steuerpflichtig (ggf. via Vorabpauschale bei Thesaurierung[105], laut Investmentsteuerreform 2018).
Historisch
interessant: Vor 2009 galt für private Aktiengewinne eine Spekulationsfrist –
hielten man eine Aktie länger als 1 Jahr, war der Gewinn steuerfrei. Diese
Regel wurde abgeschafft; Altbestände von vor 2009 genießen aber teils
Bestandschutz (heikle Details bei Fonds etc., die aber hier zu weit führen).
Heute sind also alle realisierten Kursgewinne steuerpflichtig, egal wie
lange die Haltedauer war.
Für ausländische
Quellensteuern (z.B. US-Dividenden unterliegen 15% US-Quellensteuer) gibt
es Anrechnungsmöglichkeiten, damit es nicht zur Doppelbesteuerung kommt. Die in
den USA einbehaltenen 15% werden auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet,
sodass unterm Strich meist nur die Differenz bis 25% fällig wird.
Kirchensteuer: Wer kirchensteuerpflichtig ist, dem zieht die Bank die Kirchensteuer
auf Kapitalerträge ebenfalls automatisch ab (die Abgeltungsteuer wird dann
faktisch etwas reduziert, da die Kirchensteuer als Sonderausgabe berücksichtigt
wird). Die Gesamtbelastung inklusive Kirche liegt, wie erwähnt, rund bei
27–28%.
Steuerliche
Optimierungen: Anleger können versuchen, die Steuerlast
zu mindern oder hinauszuzögern, z.B.:
·
Freibetrag
ausschöpfen: Unbedingt Freistellungsaufträge in Höhe
von 1.000 € (bzw. verteilt auf Banken) einreichen[57]. Ehepaare 2.000 €. Das erspart die Steuer bis zu dieser Grenze.
·
Verluste
nutzen: Gegebenenfalls Verluste realisieren, um sie
mit Gewinnen zu verrechnen (Steuerverlust harvesting). Z.B. könnte man im
Dezember Absichtsgeschäfte vornehmen: verlustreiche Position verkaufen
(Verlusttopf füllen) und ggf. sofort wieder kaufen (um die Position an sich zu
behalten), nur um den Verlust steuerlich nutzbar zu machen. Hierbei muss man
aber Sperrfristen beachten (es gibt bestimmte Regelungen, dass identische
Wertpapiere nicht binnen kurzer Zeit zurückgekauft werden dürfen, um Missbrauch
zu verhindern).
·
Fondspolice
oder steuerfreie Vehikel: Manche nutzen
Versicherungsprodukte (Kapitallebensversicherungen, fondsgebundene
Rentenversicherungen), wo Kapitalerträge zunächst steuerfrei thesaurieren und
erst bei Auszahlung besteuert werden, teils begünstigt. Das ist ein Weg, die
Abgeltungsteuer zu stunden. Solche Konstrukte lohnen sich aber nur in
bestimmten Fällen (langfristig, und man muss die Kosten gegenrechnen).
- Nichtveranlagungsbescheinigung: Senioren oder Geringverdiener, die unter dem Grundfreibetrag
bleiben, können sich von der Abgeltungsteuer freistellen lassen durch eine
NV-Bescheinigung[106]. Dann führt die Bank keine Steuer ab – sinnvoll, wenn man z.B. nur
kleine Altersvorsorgekapitalerträge hat und sonst kein zu versteuerndes
Einkommen.
- Depot im Ausland:
Bringt in Sachen Abgeltungsteuer keinen Vorteil – die Steuerpflicht
besteht in Deutschland, und man muss dann eben selbst abführen (ggf. via
Anlage KAP in der Steuererklärung). Allerdings kann es bei Wegzug ins
Ausland relevant werden, wie die Besteuerung dann ist.
- Trading innerhalb eines Unternehmens: Manche sehr vermögende Anleger gründen Kapitalgesellschaften, um
darin zu traden, wodurch Gewinne zunächst nur mit Körperschaftsteuer ~15%
belastet sind. Allerdings kommen beim Herausziehen dann wieder Steuern
hinzu. Das sprengt aber für Normalanleger den Rahmen.
In
Summe hat die Abgeltungsteuer vieles vereinfacht: pauschal 25% auf alle
Kapitaleinkünfte über dem Freibetrag[107]. Das ist relativ investorenfreundlich, wenn der persönliche Steuersatz
eigentlich höher wäre (z.B. Spitzenverdiener sparen dadurch Steuern gegenüber
früher). Für Geringverdiener dagegen, die unter dem Grundfreibetrag liegen, ist
es eher ungünstig, aber die können wie gesagt NV-Bescheinigungen nutzen.
Steuern
beeinflussen Anlagestrategien: Beispielsweise macht
Buy-and-Hold auch aus Steuersicht Sinn, weil man die Steuerzahlung in die
Zukunft schiebt (was den Zinseszinseffekt auf den nicht versteuerten Gewinn
wirken lässt). Häufiges Umschichten realisiert ständig Gewinne, die sofort
besteuert werden – danach steht weniger Kapital für Reinvest zur Verfügung.
Daher kann ein steuerbewusster Anleger entscheiden, einen Titel noch zu halten
statt kurz zu traden, um Steuerstundung zu erzielen. Auch die Wahl zwischen
ausschüttenden und thesaurierenden Fonds (bei letzteren wird ein Teil fiktiv
besteuert via Vorabpauschale, aber meist geringer) kann steuerlich motiviert
sein.
Zu
erwähnen ist noch die Aktiensteuer/Fondsbesteuerung: Seit 2018 gilt die
Investmentsteuerreform, die bestimmte Teilfreistellungen eingeführt hat (z.B.
30% der Gewinne von Aktienfonds bleiben steuerfrei, um eine Vorbelastung durch
Körperschaftsteuer der Unternehmen auszugleichen). Inländische Fonds müssen auf
deutsche Dividenden 15% Körperschaftsteuer zahlen, aber der Privatanleger
bekommt dafür die Teilfreistellung. Dies ist komplex, aber im Ergebnis bleiben
z.B. bei einem reinen Aktienfonds effektiv 70% der Erträge steuerpflichtig, 30%
steuerfrei. Damit sinkt die effektive Steuerlast etwas.
Beispiele: Wenn ein Anleger 1.500 € Aktiengewinn im Jahr erzielt und keine
anderen Kapitaleinkünfte hat, gehen die ersten 1.000 € durch den
Sparerpauschbetrag steuerfrei. Auf die restlichen 500 € zieht die Bank 25% =
125 € plus Soli ab, macht etwa 132 € Steuer, sodass etwa 368 € netto von den
500 € bleiben[108]. (Kirchensteuer noch abgezogen, falls relevant).
Fazit: Steuern sind ein unvermeidlicher Teil der Börsenerträge. Man sollte
sie von vornherein mitdenken und legal optimieren (Freibetrag, Verlustverrechnung).
Die Abgeltungsteuer vereinfacht die Sache: man muss nicht seinen persönlichen
Steuersatz berechnen, sondern kennt die Quote. In der Portfolioanalyse rechnet
man idealerweise immer mit Nettorenditen nach Steuer. Deutschland hat mit ~26%
auf Kapitaleinkünfte eine moderate Belastung im internationalen Vergleich (in
den USA z.B. gibt es je nach Haltedauer 0%, 15%, 20% Capital Gains Tax, in
einigen Ländern aber auch höhere Abgaben).
Zum
Abschluss vielleicht die tröstliche Sicht: Lieber Steuern auf Gewinne zahlen
als keine Steuern mangels Gewinne. Aber kluger Umgang mit dem Thema kann
jährlich einige Prozentpunkte mehr Nettoertrag bringen – was auf lange Sicht
beträchtlich ist. Daher gilt: Steuern sollte jeder Anleger verstehen,
zumindest die Grundzüge, um böse Überraschungen (z.B. Abzug der Steuer
unmittelbar nach Verkauf) zu vermeiden und die Vorteile wie Freibeträge
auszuschöpfen.
Literatur-
und Quellenverzeichnis:
Die
vorstehenden Ausführungen stützen sich auf eine Vielzahl von Quellen, u.a.
Veröffentlichungen der Deutschen Börse[109][42], Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung[36], Wirtschaftsmagazine und Finanzportale (z.B. Handelsblatt, ZEIT,
Sparkasse.de) zu speziellen Themen[16][39] sowie klassische Börsenliteratur (Kostolany, Graham, Buffett-Briefe).
Wichtige Fakten, Definitionen und Zitate wurden den verknüpften Quellen
entnommen, etwa zur Preisbildung an der Börse[5], historischen Finanzkrisen[10], psychologischen Anlegerfehlern[88][83] oder steuerlichen Regelungen[58]. Die Verwendung dieser Quellen folgt der deutschen wissenschaftlichen
Zitierweise. Sämtliche zitierten Passagen sind mit einem Kurzbeleg und der
Fundstellen-Nummer gekennzeichnet.
[1] Was ist die Börse – und warum gibt es sie überhaupt? - Börse Aktuell
https://www.boerse.de/wissen/was-ist-die-boerse/
[2] [3]
[4]
[5]
[6]
[7]
[109]
So wird der Aktienpreis ermittelt
https://live.deutsche-boerse.com/einstieg-alt/so-wird-der-aktienpreis-ermittelt
[8] [9]
[42]
[43]
[44]
[45]
[46]
Risikokennzahl Volatilität – Was Anleger beachten müssen
https://live.deutsche-boerse.com/wissen/handeln/volatilitaet
[10] Jenseits der Spekulationskrise | Blätter für deutsche und
internationale Politik
https://www.blaetter.de/ausgabe/2007/november/jenseits-der-spekulationskrise
[11] [12]
[13]
[14]
Finanzkrisen seit 1900 im Überblick
https://www.fluter.de/kurze-geschichte-der-finanzkrisen
[15] Vier Mythen über die Börse - Privat-Institut für Finanzen RL
https://pifrl.de/magazin/vier-mythen-ueber-die-boerse/
[16] [17]
[18]
Die Angst vor dem Kapitalmarkt bremst den Wohlstand für alle | DAS INVESTMENT
https://www.dasinvestment.com/die-angst-vor-dem-kapitalmarkt-bremst-den-wohlstand-fuer-alle/
[19] Finanzkrisen: Macht ein Börsencrash die Welt wieder gleicher? | DIE
ZEIT
[20] [21]
Was sind Aktien - einfach erklärt | Definition, Infos und Tipps
https://www.buchhaltung-einfach-sicher.de/finanzen/aktien
[22] Aktie Definition | finanzen.net Wirtschaftslexikon
https://www.finanzen.net/wirtschaftslexikon/aktie
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Die 11 bekanntesten Börsenweisheiten von André Kostolany
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Aktienderivate: Derivate einfach erklärt | Sparkasse.de
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Derivat (Wirtschaft) – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Derivat_(Wirtschaft)
[34] Zertifikate • Definition • Wiener Börse
https://www.wienerborse.at/wissen/boersenlexikon/buchstabe-z/zertifikate/
[35] Zertifikat (Finanzprodukt) – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Zertifikat_(Finanzprodukt)
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festverzinsliche Wertpapiere | bpb.de
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19415/festverzinsliche-wertpapiere/
[38] festverzinsliche (Wert-)Papiere • Definition - Gabler Banklexikon
https://www.gabler-banklexikon.de/definition/festverzinsliche-wert-papiere-57852
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[52] Wie beeinflussen Zinsen den Aktienmarkt? | IG
Deutschland
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Investmentfonds - das Wichtigste im Überblick | Verbraucherzentrale.de
[41] Zinsentwicklung und ihre Auswirkungen auf Anlageklassen
https://www.hypovbg.at/newsroom/artikel/zinsentwicklung-und-ihre-auswirkungen-auf-anlageklassen
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Die 10 Elemente für durschlagenden Erfolg mit Aktien
https://aktienrebell.de/10-elemente-fuer-aktienerfolg/
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Wie werden Aktien und Fonds besteuert?… | Bankenverband | Bankenverband
https://bankenverband.de/verbraucher/wie-werden-aktien-und-fonds-besteuert
[62] Was ist ein Index? Indizes einfach erklärt - extraETF
https://extraetf.com/ch/wissen/was-ist-ein-index
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Liste von Aktienindizes – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Aktienindizes
[65] Aktien Branchen 2026 | Alle Branchen & Sektoren im Überblick -
LYNX
https://www.lynxbroker.de/boerse/boerse-kurse/aktien/aktien-branchen/
[70] Ratgeber: Chartanalyse vs. Fundamentalanalyse - CapTrader
https://www.captrader.com/blog/chartanalyse-vs-fundamentalanalyse/
[71] Fundamentalanalyse einfach & ausführlich erklärt im ... - compeon
https://www.compeon.de/glossar/fundamentalanalyse/
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Legendäre Zitate des legendären Investors - 15 Börsenweisheiten von Warren
Buffett | gewinn.com
https://www.gewinn.com/artikel/15-boersenweisheiten-von-warren-buffett
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Anlagestrategien: Die 10 besten Anlagestrategien für Aktien
https://holistic.capital/magazin/artikel/anlagestrategien-fuer-aktien
[78] Welche Anlagestrategien gibt es? - DER AKTIONÄR
https://www.deraktionaer.de/ratgeber/geldanlage/welche-anlagestrategien-gibt-es-20318729.html
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15 bekannte Börsenweisheiten und Börsenzitate | Online Broker LYNX
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Das sind die grössten Psycho-Fallen und Denkfehler beim Aktienhandel | cash
[101] Informationen zur Abgeltungsteuer
[102] Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge | Sparkasse.de
[107] Abgeltungssteuer 2026: Die Funktion der Steuer auf Kapitalerträge
https://www.raisin.com/de-de/steuer/abgeltungsteuer/
[108] Wann müssen Anleger auf Aktien-Gewinne Steuern zahlen?

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