Das
Periodensystem der Elemente (PSE) ist eine tabellarische Anordnung aller
bekannten chemischen Elemente, sortiert nach steigender Ordnungszahl (Kernladungszahl,
entspricht der Protonenzahl im Atomkern). Dabei sind die Elemente so in Perioden
(Zeilen) und Gruppen (Spalten) angeordnet, dass sich chemisch ähnliche
Elemente untereinander befinden[1][2]. Der Name Periodensystem verweist darauf, dass bestimmte
Eigenschaften der Elemente in regelmäßigen Abständen wiederkehren, wenn man die
Liste der Elemente nach steigender Ordnungszahl durchgeht[3]. Dieses Muster wurde 1869 nahezu gleichzeitig von Dmitri I. Mendelejew
in Russland und Lothar Meyer in Deutschland erkannt, die unabhängig
voneinander erste Periodensysteme publizierten[4]. Mendelejews System erwies sich als besonders nützlich, da er die
Existenz und ungefähren Eigenschaften damals noch unentdeckter Elemente korrekt
vorhersagen konnte. So sagte Mendelejew z. B. das „Ekabor“ (später Gallium) und
„Ekaaluminium“ (später Germanium) voraus, noch bevor diese Elemente gefunden
wurden. Die Anordnung nach steigenden Atomgewichten (relativen Atommassen) –
die bis dahin üblich war – konnte Ausnahmen wie die Reihenfolge von Kobalt und
Nickel nicht zufriedenstellend erklären. Erst 1913 bewies Henry Moseley
experimentell, dass die Ordnungszahl (Kernladungszahl) das korrekte Kriterium
für die Reihenfolge ist, da sie physikalisch mit der Röntgenspektrallinie eines
Elements korrespondiert[5][6]. Seit Moseleys Erkenntnis ist das Periodensystem eindeutig durch die
Protonenzahl definiert.
Historisch
war das Periodensystem nicht nur ein Ordnungsschema, sondern ein zentrales
Hilfsmittel zur Entwicklung der Atomtheorie. Die periodische Gesetzmäßigkeit
half, das Konzept von Elektronenschalen und Orbitalen zu etablieren, und
umgekehrt erklärte die Quantenmechanik die Ursache der Periodizität. Im Verlauf
des 20. Jahrhunderts wurde das Periodensystem stetig erweitert: In den 1890er
Jahren entdeckte William Ramsay die Edelgase und ergänzte eine neue Gruppe. Ab
den 1940er Jahren gelang Glenn T. Seaborg und Kollegen die künstliche
Erzeugung der Transurane (Elemente jenseits Uran, Ordnungszahl 92). Seaborg
schlug vor, die Actinoide analog zu den Lanthanoiden als eigene Serie unterhalb
des Hauptblocks anzuordnen – ein fundamentales strukturelles Update des
Periodensystems. Bis heute wurden alle Elemente der bisher sieben Perioden
(Ordnungszahlen 1–118) nachgewiesen oder synthetisiert. Im Jahr 2016 erhielt
das Periodensystem seine bislang letzten Namensgebungen, als die Elemente 113
(Nihonium), 115 (Moscovium), 117 (Tenness) und 118 (Oganesson) durch die IUPAC
offiziell benannt wurden[7]. Im Jahr 2019 – dem 150. Jubiläum von Mendelejews Veröffentlichung –
würdigte die UNESCO die Bedeutung des Periodensystems, indem sie 2019 zum Internationalen
Jahr des Periodensystems ausrief[8].
Heute
dient das Periodensystem sowohl als Übersicht über alle Elemente und ihre
wichtigsten Atomdaten, als auch als Schlüssel zum Verständnis chemischer und
physikalischer Trends. Es verbindet Theorie und Praxis: Von der Vorhersage
chemischer Reaktionen bis zur Planung neuer Materialien liefert das
Periodensystem einen unverzichtbaren Rahmen. Diese Arbeit stellt das
Periodensystem umfassend vor – von seinem Aufbau über die Eigenschaften aller
Elemente bis zu modernen Anwendungen in Forschung, Technik, Medizin und Industrie.
Systematik
und Aufbau des Periodensystems
Perioden und Gruppen: Das Periodensystem
besteht aus derzeit sieben Perioden (waagrechte Zeilen). Die
Periodennummer entspricht der Zahl der Elektronenschalen im Atom
(Hauptquantenzahl n). Die 1. Periode enthält 2 Elemente, die 2. und
3. Periode je 8 Elemente, die 4. und 5. Periode je 18 Elemente, die
6. und 7. Periode je 32 Elemente[9].
In den Gruppen (senkrechte Spalten) stehen Elemente mit ähnlicher
Valenzkonfiguration und daher vergleichbaren chemischen Eigenschaften. Die
heute von IUPAC standardisierte Gruppennummerierung 1–18 weist den acht Hauptgruppen
die Zahlen 1,2 und 13–18 zu (traditionell IA–VIIIA) und den Nebengruppen
(Übergangsmetalle) die Gruppen 3–12 (traditionell IIIB–IIB)[10].
Beispielsweise bildet die Gruppe 18 die Edelgase, bekannt für ihre
sehr geringe Reaktivität, während Gruppe 17 die hochreaktiven Halogene
umfasst[2].
Elemente einer Gruppe besitzen typischerweise die gleiche Anzahl an
Valenzelektronen, was ihr ähnliches chemisches Verhalten erklärt.
Lang- und Kurzform: Die Anordnung der Elemente
erfolgt in der üblichen mittellangen Form mit 18 Spalten, bei der die
Lanthanoid- und Actinoid-Reihen aus Platzgründen unterhalb eingefügt werden[11].
Dadurch wird die Tabelle übersichtlicher, ohne die Periodizität zu verlieren.
Würde man die lange Form mit 32 Spalten darstellen, so wären Lanthanoide
und Actinoide in die Tabelle integriert, was ein lückenloses Bild ergibt, aber
sehr breite Darstellungen erfordert[12][13].
Die Gruppe 3 ist in der langen Form eindeutig mit Scandium (21), Yttrium
(39) sowie Lutetium (71) und Lawrencium (103) besetzt – eine Einordnung, die
von IUPAC bereits 1988 empfohlen und 2021 erneut bestätigt wurde[14].
(Ältere Darstellungen zeigen stattdessen teils Lanthan (57) und Actinium (89)
in Gruppe 3, was jedoch von der modernen Auffassung korrigiert wurde.)
Unabhängig von der Darstellungsform bleibt die Sequenz der Ordnungszahlen stets
durchgehend – jedes neue Element fügt sich an das vorherige an.
Blöcke und Elektronenkonfiguration: Eine
weitere Unterteilung erfolgt nach der Besetzung der Atomorbitale: Man
unterscheidet s-Block (Hauptgruppen 1 und 2 sowie Helium), p-Block
(Hauptgruppen 13–18), d-Block (Übergangsmetalle in
Gruppen 3–12) und f-Block (Lanthanoide und Actinoide). Diese Blöcke
entsprechen dem Atomorbital-Typ, in dem das jeweils äußerste Elektron
sitzt (s-, p-, d- bzw. f-Orbital)[15].
So besitzen etwa die Alkalimetalle (Gruppe 1) eine Valenzkonfiguration ns^1
(s-Block), die Halogene (Gruppe 17) eine Valenzkonfiguration ns^2 np^5
(p-Block), und die ersten Übergangsmetalle der 4. Periode füllen sukzessive das
3d-Orbital auf (d-Block). Die Einordnung der Elemente folgt dem Aufbauprinzip:
Elektronen besetzen der Reihe nach die energieärmsten verfügbaren Orbitale. Niels
Bohr postulierte 1920, dass die Elektronenkonfiguration eines Elements
der des vorherigen Elements entspricht, erweitert um ein weiteres Elektron
(„Aufbau der Atome durch Anlagerung von Elektronen“)[16].
Die resultierende Abfolge der Orbitalfüllung (nach Madelung-Regel bzw. n+l-Regel)
erklärt die Gruppenstruktur des Periodensystems. Beispielsweise enden die
Elemente der 2. Hauptgruppe alle auf s^2-Konfiguration, was ihre
gemeinsame Eigenschaft als Erdalkalimetalle bedingt. Die Periodennummer
gibt an, welche Hauptquantenzahl n neu begonnen wird; daher steigt bei
jedem Periodenwechsel die Hauptschalenzahl um 1 und die Atomradien springen
größer (siehe Periodizität).
Abb. 1: Periodensystem der Elemente (deutsche
Beschriftung, mittellange Form). In jedem Kästchen sind Ordnungszahl, Symbol
und Name angegeben. Zusätzlich sind relative Atommasse (oben), Dichte (unten
links) und Elektronegativität (unten rechts) vermerkt, und die Farben der
Elemente geben die Stoffklassen an (Metalle, Halbmetalle, Nichtmetalle,
Edelgase etc.). Die Perioden 6 und 7 sind aus Platzgründen zweigeteilt;
darunter sind Lanthanoide und Actinoide gesondert aufgeführt[17][18].
In der langen Form würden diese Serien in die Haupth Tabelle eingefügt, was
allerdings eine 32-spaltige Darstellung erfordert.
Neben der klassischen Tabellenform existieren zahlreiche alternative
Periodensysteme (kreisförmig, spiralig, dreidimensional u.a.), die
bestimmte Aspekte hervorheben[19].
Im Allgemeinen hat sich jedoch Mendelejews rechteckige Form (mit kleineren
Anpassungen) als praktikabelste und informationsreichste Darstellung
durchgesetzt.
Detaillierte
Beschreibung der Elemente
Im Folgenden werden alle derzeit bekannten 118 Elemente in
aufsteigender Reihenfolge ihrer Ordnungszahl beschrieben. Für jedes Element
werden die wichtigsten physikalisch-chemischen Eigenschaften angegeben,
darunter Symbol, Ordnungszahl, Elektronenkonfiguration, Aggregatzustand
bei Raumtemperatur, Dichte, Atomradius, erste
Ionisierungsenergie und Elektronegativität (nach Pauling). Ergänzend
werden markante Eigenschaften und Anwendungen erwähnt. Die Elemente sind nach Perioden
gegliedert, wodurch der periodische Charakter der Eigenschaften ersichtlich
wird.
1. Periode: Wasserstoff und
Helium
Wasserstoff
(H, Z=1) ist das leichteste Element und bei
Standardbedingungen ein farbloses, zweiatomiges Gas (H₂). Mit einer
Elektronenkonfiguration 1s^1 steht Wasserstoff eigentlich über den
Alkalimetallen in Gruppe 1, zeigt aber aufgrund seiner
Nichtmetall-Eigenschaften auch Gemeinsamkeiten mit den Halogenen. Wasserstoff
besitzt eine sehr geringe Dichte (≈0,09 g/L)[20] und die höchste erste Ionisierungsenergie der 1. Periode
(13,6 eV)[20]. Es bildet überwiegend kovalente Verbindungen und tritt in der Chemie
vor allem als Bestandteil von Wasser und organischen Verbindungen auf. In
technischer Hinsicht ist Wasserstoff als Energieträger (Wasserstoffwirtschaft,
z.B. in Brennstoffzellen) und Reduktionsmittel bedeutsam. In der Kernfusion der
Sonne spielt Wasserstoff eine zentrale Rolle, und auf der Erde ist flüssiger
Wasserstoff ein wichtiger Raketentreibstoff.
Helium
(He, Z=2) hat die Elektronenkonfiguration 1s^2 und ist
ein Edelgas. Trotz der ähnlichen Elektronenkonfiguration wie die
Erdalkalimetalle (voll besetzte s-Schale) wird Helium aufgrund seiner
chemischen Inertheit in die Gruppe 18 (Edelgase) eingeordnet[21]. Es ist ein farbloses, einatomiges Gas und zeigt unter allen Elementen
das niedrigste Siedepunkt- und Schmelzpunktsverhalten (Flüssig-Helium existiert
bis 4 K, festes Helium bildet sich unter Normaldruck gar nicht). Helium
hat keine stabile Verbindungen; seine erste Ionisierungsenergie ist mit
~24,6 eV extrem hoch[22], was seine Reaktionsträgheit erklärt. Helium wird aus Erdgas gewonnen
und in der Technik etwa als Kühlmittel bei sehr tiefen Temperaturen (z.B. in
supraleitenden Magneten für MRT-Geräte) und als Schutzgas verwendet. Aufgrund
seiner geringen Dichte (0,178 g/L)[22] findet Helium auch Einsatz in Ballons und Luftschiffen.
2. Periode: Lithium bis Neon
Die zweite Periode
beginnt mit Lithium und endet mit Neon und umfasst acht Elemente, in denen die
L-Schale (n=2) aufgefüllt wird (Elektronen in 2s- und 2p-Orbitalen).
Lithium (Li,
Z=3) ist ein silbrig-weißes Alkalimetall der
Gruppe 1. Mit Elektronenkonfiguration [He] 2s^1 ist es sehr reaktiv und
wird an der Luft sofort oxidiert. In Wasser reagiert Lithium heftig unter
Bildung von Lithiumhydroxid und Wasserstoff. Lithium ist mit einer Dichte von
0,534 g/cm³ das leichteste feste Element[23]. Es hat einen relativ großen Atomradius (≈152 pm) und eine
niedrige Ionisierungsenergie (5,39 eV)[23], was seine hohe Reaktivität bedingt. Verwendung findet Lithium vor
allem in Lithium-Ionen-Akkumulatoren (Batterien) aufgrund seines
geringen Gewichts und der hohen elektrochemischen Potentiale. Außerdem wird es
als Legierungselement (z.B. in Aluminium-Lithium-Legierungen für den Leichtbau)
und in der Medizin (Lithiumsalze bei der Behandlung bipolärer Störungen)
eingesetzt.
Beryllium (Be,
Z=4) steht in Gruppe 2 (Erdalkalimetalle) und hat
die Konfiguration [He] 2s^2. Es ist ein hartes, sprödes, stahlgraues Metall mit
hoher Schmelztemperatur (≈1287 °C). Beryllium bildet im Gegensatz zu den
übrigen Erdalkalimetallen keine ausgeprägten basischen Hydroxide und ist
weniger reaktiv; in der Reihe der Erdalkalimetalle ist es das mit Abstand
kleinste und zeigt aufgrund des hohen Ladungsradius-Verhältnisses
atypische Eigenschaften. So löst sich Be(OH)_2 nicht in Wasser (Amphoterie).
Beryllium und seine Verbindungen sind hochtoxisch. Technisch wird Beryllium in
spezialisierten Anwendungen eingesetzt, etwa in Beryllium-Kupfer-Legierungen (hart,
funkenfrei) und als moderat neutronendurchlässiges Material in Nukleartechnik
(Neutronenmoderator). Sein Atomradius ist kleiner als der des Lithium (etwa
112 pm) und die Ionisierungsenergie höher (9,32 eV)[24], entsprechend seiner Position weiter rechts in der Periode.
Bor (B, Z=5) ist das erste Element der Gruppe 13 (Borgruppe) und ein Halbmetall.
Elektronenkonfiguration: [He] 2s^2 2p^1. In elementarer Form existiert Bor in
mehreren allotropen Modifikationen, hauptsächlich als amorphes braunes Pulver
oder als äußerst hartes, schwarzes kristallines Netzwerk (β-Rhomboedrisches
Bor). Bor hat eine hohe Ionisierungsenergie (~8,30 eV)[25] und eine mittlere Elektronegativität (2,04). Es bildet kovalente
Verbindungen, z.B. Borane (BxHy) und komplexe Borate. In der
Technik findet Bor u.a. Verwendung in hitzebeständigen Gläsern (Borosilikatglas
enthält B_2O_3) und als Dotierungsmittel in der Halbleitertechnologie
(p-Dotierung von Silicium). In der Natur ist Bor in Form von Borax und anderen
Mineralien enthalten und essentiell in Spuren für Pflanzen.
Kohlenstoff (C,
Z=6) ist ein Nichtmetall der Gruppe 14 mit
der Konfiguration [He] 2s^2 2p^2. Kohlenstoff kommt in mehreren Allotropen vor,
insbesondere als Graphit (weiches, leitfähiges Schichtgitter), Diamant
(extrem hartes, isolierendes Kubikgitter) und amorpher Kohlenstoff (Ruß,
Kohle). Diese Vielfalt beruht auf der Fähigkeit des Kohlenstoffs, starke
kovalente Bindungen in verschiedenen Koordinationsgeometrien zu bilden.
Kohlenstoff bildet die chemische Grundlage des Lebens; unzählige organische
Verbindungen enthalten C-Ketten oder -Ringe. In der Industrie hat Kohlenstoff
vielfältige Bedeutung: Graphit wird als Elektrodenmaterial und Schmiermittel
eingesetzt, Diamant als Schleif- und Schneidstoff, und Kohlenstofffasern sind
wichtige Verstärkungsmaterialien. Kohlenstoffs erste Ionisierungsenergie
beträgt 11,26 eV[26], seine Elektronegativität 2,55 – hoch genug, um in Verbindungen oft
Elektronenpaare anzuziehen (z.B. in C=O-Bindungen). Kohlenstoffatome können
vier Bindungen ausbilden (Tetravalenze), was die enorme Strukturvielfalt
organischer Moleküle ermöglicht.
Stickstoff (N,
Z=7) ist ein Nichtmetall der Gruppe 15
(Pnikogene) mit [He] 2s^2 2p^3. Elementarer Stickstoff liegt als zweiatomiges
Gas N₂ vor und macht ~78 Vol-% der Erdatmosphäre aus. Die
N≡N-Dreifachbindung ist sehr stark, was den Molekül sehr inert macht (hohe
Bindungsenergie, erste Ionisierungsenergie 14,53 eV)[27]. Daher reagiert Stickstoff bei Raumtemperatur kaum direkt. Industriell
wird aus Stickstoff mittels Haber-Bosch-Verfahren Ammoniak (NH₃)
synthetisiert – eine der bedeutendsten chemischen Reaktionen, da Ammoniak zur
Düngemittelproduktion (Stickstoffdünger) benötigt wird. Stickstoffverbindungen
zeigen oft eine große Bandbreite an Oxidationsstufen von -III (z.B. Ammoniak)
bis +V (z.B. Nitrat). Flüssiger Stickstoff (Siedepunkt -196 °C) dient als
Kältemittel. In organischen Verbindungen (Aminen, Nitrilen, etc.) ist
Stickstoff ebenfalls allgegenwärtig, insbesondere als Bestandteil der
Aminosäuren und Nukleobasen (damit essenziell für Proteine und DNA).
Sauerstoff (O,
Z=8) hat die Konfiguration [He] 2s^2 2p^4 und gehört
zur Gruppe 16 (Chalkogene). Als zweiatomiges Gas O₂ ist Sauerstoff farblos
und geruchlos, doch hochreaktiv – es unterhält Verbrennungen und oxidiert viele
Materialien. In der Erdatmosphäre sind ~21 % O₂ enthalten, was durch
photosynthetische Organismen ständig erneuert wird. Sauerstoff hat eine sehr
hohe Elektronegativität (3,44) und Ionisierungsenergie (13,62 eV)[28]. Es bildet stabile Oxide mit fast allen Elementen. Darüber hinaus
existiert Sauerstoff als Ozon (O₃), einer allotropen Form mit starker
Oxidationswirkung. Sauerstoff ist essentiell für die Zellatmung der meisten
Lebewesen – in den Mitochondrien wird O₂ zur Energiegewinnung in Wasser
reduziert. Technisch wird Sauerstoff durch fraktionierte Destillation von Luft
gewonnen und in Medizin (Sauerstofftherapie), Metallurgie
(Autogenschweißen/-schneiden) und Chemie (als Oxidationsmittel) eingesetzt.
Flüssiger Sauerstoff ist hellblau und paramagnetisch.
Fluor (F, Z=9) ist das erste Halogen (Gruppe 17) und hat die
Elektronenkonfiguration [He] 2s^2 2p^5. Elementares Fluor tritt als gelbliches
Gas F₂ auf und ist das reaktivste aller Elemente – es reagiert heftig mit den
meisten organischen und anorganischen Stoffen. Fluor hat die höchste
Elektronegativität (3,98 auf der Pauling-Skala)[29], zieht also Elektronen in Bindungen extrem stark an, und besitzt eine
sehr hohe erste Ionisierungsenergie (17,42 eV). In Verbindungen kommt
Fluor fast immer als Fluorid-Anion (F⁻) vor oder kovalent gebunden (z.B. in
SF₆, PTFE-Kunststoff). Fluoride finden in der Zahnpflege Verwendung
(Fluoridierung zur Kariesprophylaxe) und in der chemischen Industrie (z.B. UF₆
zur Urananreicherung, Fluorkohlenwasserstoffe als Kältemittel – allerdings
schädlich für die Umwelt). Wegen seiner Aggressivität wird elementares Fluor
nur mit speziellen Techniken gehandhabt (z.B. in Nickel- oder
Monel-Metallapparaturen).
Neon (Ne, Z=10) beschließt die 2. Periode und ist ein Edelgas mit voller L-Schale
([He] 2s^2 2p^6). Neon ist ein einatomiges Gas, das chemisch praktisch inert
ist – bis heute sind keine stabilen Neon-Verbindungen bekannt. Seine erste
Ionisierungsenergie (21,56 eV) ist nach Helium die zweithöchste[30]. Neon leuchtet in Entladungsröhren charakteristisch rötlich-orange
(Neonröhren für Leuchtreklame). Aufgrund der geringen Menge in der Luft (ca.
18 ppm) ist Neon relativ teuer. Es wird überwiegend für Beleuchtungszwecke
und als Kühlmittel (flüssiges Neon, Sdp. ~27 K) eingesetzt. Neon hat eine
sehr niedrige Siedetemperatur (-246 °C) und Dichte (0,9 g/L)[30] ähnlich Helium, was seine physikalisch inertesten Eigenschaften
unterstreicht.
3. Periode: Natrium bis Argon
In der dritten
Periode wird die M-Schale (n=3) aufgefüllt. Die Elemente Na bis Ar ähneln in
vieler Hinsicht ihren Pendants der zweiten Periode, weisen aber aufgrund der
höheren Hauptquantenzahl größere Radien und meist geringfügig niedrigere
Ionisierungsenergien auf.
Natrium (Na,
Z=11) ist ein weiches, silbriges Metall der
Gruppe 1 (Alkalimetall) mit Konfiguration [Ne] 3s^1. Es reagiert sehr
schnell mit Luft und Wasser (dabei Bildung von Natronlauge und Wasserstoff, mit
aufflammender Reaktion). Natrium hat eine geringe Dichte (0,97 g/cm³) und
einen großen Atomradius (~186 pm)[31]. Seine erste Ionisierungsenergie beträgt 5,14 eV[32], deutlich niedriger als die des leichteren Lithium – entsprechend ist
Natrium noch reaktiver. In Natur und Alltag begegnet man Natrium primär in Form
von Salzen, z.B. Natriumchlorid (Kochsalz) im Meer oder als Mineral.
Elementares Natrium wird technisch als Kühlmittel in schnellen Brutreaktoren
(flüssiges Natrium) oder als Reduktionsmittel in der organischen Synthese
eingesetzt. Verbindungen des Natriums (Soda Na₂CO₃, Natron NaHCO₃ etc.) sind
großtechnisch bedeutend (Glasherstellung, Lebensmittelzusatz,
Seifenherstellung).
Magnesium (Mg,
Z=12) ist ein glänzendes, relativ leichtes Metall der
Gruppe 2 (Erdalkalimetall) mit [Ne] 3s^2. Es entzündet sich in fein
verteilter Form (Magnesiumpulver, -band) an der Luft mit grellweißem Licht zu
Magnesiumoxid – früher genutzt für Blitzlicht und Leuchtfackeln. Magnesium hat
eine Dichte von 1,74 g/cm³ und ist in festen Legierungen extrem wichtig,
z.B. als Bestandteil von Aluminium-Magnesium-Legierungen (leicht und robust,
z.B. im Flugzeugbau). Reinmagnesium ist unedel und reagiert mit Säuren unter
Wasserstoffentwicklung. In biologischer Hinsicht ist Mg²⁺ als zentrales Ion im
Chlorophyll-Molekül unerlässlich für die Photosynthese. Die Ionisierungsenergie
(7,65 eV)[33] liegt höher als bei Natrium, was die geringere Reaktivität erklärt –
Magnesium reagiert an der Luft erst bei erhöhter Temperatur. In Wasser ist
Magnesium (im Gegensatz zu Calcium) bei Raumtemperatur nahezu unlöslich und
reagiert kaum, doch in heißem Wasser oder Säure tritt Reaktion ein.
Aluminium (Al,
Z=13) ist ein silberweißes Metall der Gruppe 13
([Ne] 3s^2 3p^1). Es ist das dritthäufigste Element der Erdkruste und das
häufigste Metall dort. Aluminium ist bemerkenswert leicht (Dichte
~2,70 g/cm³)[34], relativ weich, aber durch Legierungen (mit Cu, Mg, Si etc.)
können sehr feste Leichtbaumaterialien entstehen. An Luft überzieht es sich
sofort mit einer dünnen Oxidschicht (Al_2O_3), die es vor weiterer Korrosion
schützt – deshalb erscheint Aluminium recht beständig (Passivierung). Seine
erste Ionisierungsenergie liegt bei 5,98 eV[35], Elektronegativität 1,61. Chemisch zeigt Al sowohl metallisches
Verhalten (Leitung von Strom/Wärme, duktil) als auch in manchen Verbindungen
amphotere Eigenschaften (Al(OH)_3 ist sowohl Säure- wie Base-anhydrid).
Wichtige Anwendungen sind im Leichtbau (Fahrzeuge, Flugzeuge, Bauwesen), in
Elektrotechnik (Leiter) und Verpackungen (Alufolie). Reaktiv ist Aluminium z.B.
im Thermit-Verfahren (Al pulver reagiert mit Fe_2O_3 zu elementarem Eisen unter
großer Hitze). Die Herstellung reinen Aluminiums erfolgt großtechnisch durch
Schmelzflusselektrolyse von Aluminiumoxid im Hall-Héroult-Prozess.
Silicium (Si,
Z=14), ein Halbmetall der Gruppe 14, hat die
Konfiguration [Ne] 3s^2 3p^2. Als Element tritt Silicium meist in kristalliner
Form mit diamantähnlicher Struktur auf – ein grau glänzender, harter,
halbleitender Feststoff. Silicium ist nach Sauerstoff das häufigste Element der
Erdkruste, v.a. in Form von Silikaten und Quarz (SiO_2). Reines Silicium wird
durch Reduktion von Siliciumdioxid und nachfolgende Reinigungsprozesse
(Zone-Refining) gewonnen. Es ist der grundlegende Halbleiter der
Elektronikindustrie: Aus hochreinem, gezielt dotiertem Silicium werden die
meisten Mikrochips und Solarzellen gefertigt. Chemisch ist Silicium weniger
reaktiv als Kohlenstoff – die Si-Si-Bindung ist schwächer als C-C, dafür bindet
Si stark an Sauerstoff (beim Erhitzen an Luft entsteht SiO_2-Schutzschicht).
Silicium bildet mit Metallen Silicide und mit Halogenen Tetrahalogenide (z.B.
SiCl_4). Seine erste Ionisierungsenergie (~8,15 eV) und Elektronegativität
(1,90) liegen zwischen denen von Aluminium und Phosphor, was die Zwischenstellung
als Halbmetall reflektiert. Typisch für Siliciumchemie sind die Organosilane
(Verbindungen mit Si-C-Bindungen) und eine ausgeprägte Neigung zur Bildung
polymerer Gerüststrukturen (z.B. Silikone, Polysilicate).
Phosphor (P,
Z=15) ist ein Nichtmetall der Gruppe 15 mit [Ne]
3s^2 3p^3. Elementarer Phosphor kommt in mehreren allotropen Formen vor, am
bekanntesten sind weißer Phosphor (P_4-Tetraedermoleküle, hochreaktiv
und selbstentzündlich an Luft, sehr giftig) und roter Phosphor (polymer,
deutlich weniger reaktiv). Phosphor hat eine Elektronegativität von 2,19 und
eine erste Ionisierungsenergie von 10,49 eV[36]. In der Natur liegt Phosphor hauptsächlich als Phosphat (PO_4^3–) vor,
z.B. in Apatitmineralen. Phosphate sind essentielle Nährstoffe (Bestandteil von
DNA, ATP, Knochenapatit). Technisch wird elementarer Phosphor durch Reduktion
von Phosphat mit Kohlenstoff im Ofen gewonnen. Weißer Phosphor wurde historisch
in Brandmittel und zur Herstellung von Zündhölzern benutzt (heute ersetzt durch
roten P aus Sicherheitsgründen). Phosphate werden großflächig als Dünger
eingesetzt; ebenfalls wichtig ist Phosphorsäure (z.B. in Rostentfernern,
Lebensmitteladditiven). Phosphor kann in Verbindungen Oxidationsstufen von -III
bis +V annehmen, ist aber am stabilsten als Phosphat(V). In der
Halbleitertechnik findet P Verwendung zur n-Dotierung von Silicium.
Schwefel (S,
Z=16) gehört zur Chalkogen-Gruppe 16 und hat die
Konfiguration [Ne] 3s^2 3p^4. Im elementaren Zustand kommt Schwefel
hauptsächlich als cyclo-S_8 (achtgliedrige Ringe) vor, ein gelber,
feststofflicher Nichtmetall mit charakteristischem Geruch (in bestimmten
Modifikationen). Schwefel ist in Wasser unlöslich, aber in organischen
Lösungsmitteln wie CS₂ gut löslich. Bei ~115 °C schmilzt Schwefel und
polymerisiert bei höheren Temperaturen zu viskosen Schwefelketten (dunkelroter
Schmelz, „Schwefelbrei“), um bei ~444 °C zu sieden. Chemisch bildet
Schwefel vielfältige Verbindungen: Sulfide mit Metallen (z.B. FeS₂,
PbS), Sulfoxide, Sulfate (SO_4^2– in Mineralien wie Gips) etc. Verbrennt
Schwefel, entsteht Schwefeldioxid SO₂ – verantwortlich für stechenden Geruch
von brennenden Streichhölzern und als Vorprodukt der Schwefelsäure.
Schwefelsäure (H₂SO₄) ist eine der wichtigsten Grundchemikalien weltweit.
Biologisch ist Schwefel in Aminosäuren (Cystein, Methionin) und Coenzymen
essentiell. Die Elektronegativität von S beträgt 2,58, die erste
Ionisierungsenergie ~10,36 eV[37]. Aufgrund seiner mittleren Elektronennegativität kann Schwefel sowohl
oxidieren (z.B. als SO₂ oxidiert es Metalle) wie auch reduzieren (gegenüber
stärker elektronegativen Elementen wie O oder Halogenen). Große elementare
Schwefellagerstätten finden sich in vulkanischen Gebieten; Schwefel wird auch
als Nebenprodukt der Petrochemie (Entfernung aus Erdgas/Öl als H₂S) gewonnen.
Chlor (Cl,
Z=17) ist ein gelbgrünes, giftiges Gas aus
zweiatomigen Cl₂-Molekülen und gehört zu den Halogenen.
Elektronenkonfiguration: [Ne] 3s^2 3p^5. Chlor besitzt eine sehr hohe
Elektronegativität (3,16) und reagiert fast so heftig wie Fluor, allerdings
kontrollierbarer. Es löst sich in Wasser und bildet Chlorwasser, wobei
sich Gleichgewichte mit Hypochloriger Säure (HOCl) einstellen – dies verleiht
Chlorwasser seine desinfizierende Wirkung. Technisch wird Cl₂ durch
Chloralkali-Elektrolyse (aus NaCl-Lösung) hergestellt und in großen Mengen
verwendet: zur Desinfektion von Trink- und Schwimmbadwasser, zur Bleichung von
Papier/Zellstoff und vor allem zur Synthese chlororganischer Verbindungen
(Lösungsmittel wie Dichlormethan, Kunststoffe wie PVC, usw.). Chlor reagiert
direkt mit vielen Metallen zu Chloriden und mit Wasserstoff unter Explosion zu
HCl. In der Natur liegt Chlor überwiegend als Chlorid-Anion (Cl⁻) vor, insbesondere
in Salzlösungen (Ozean ~2 % Cl⁻) und als Steinsalz (NaCl). Die
Ionisierungsenergie von Chlor beträgt 12,97 eV[38]. Elementares Chlor war im Ersten Weltkrieg das erste eingesetzte
Kampfgas (erstickend); heute hat es als reines Gas nur noch limitierte
Anwendungen aufgrund der Gefährlichkeit, wird aber in situ oft aus
Chlorbleichlauge freigesetzt.
Argon (Ar,
Z=18) bildet den Abschluss der dritten Periode und ist
ein Edelgas mit voll besetzter M-Schale ([Ne] 3s^2 3p^6). Als Edelgas ist Argon
ein einatomiges, farb- und geruchloses Gas, das chemisch inert ist
(keine stabilen Verbindungen bekannt, unter extremen Bedingungen nur einige
Argon-Halogenide wie HArF nachgewiesen). Argon macht etwa 0,934 % der
Erdatmosphäre aus – es entsteht ständig durch radioaktiven Zerfall von
Kalium-40 in der Erdkruste und reichert sich in der Luft an. Argon wird durch
fraktionierte Destillation flüssiger Luft gewonnen. Technisch dient es als
Schutzgas, z.B. beim Schweißen (Argon schützt vor Oxidation der Metalle), beim
Begasen von empfindlichen Materialien oder in Glühlampen (Argonfüllung
verhindert das Verbrennen des Glühdrahts). Argon hat eine erste
Ionisierungsenergie von 15,76 eV[39] und eine sehr geringe Kondensationsneigung (Siedepunkt -186 °C,
ähnlich wie Sauerstoff). Trotz seiner Reaktionsträgheit hat Argon physikalisch
interessante Eigenschaften: Als Plasma leuchtet es in Gasentladungslampen
violett. In Geochronologie nutzt man das ^<sup>40</sup>Ar/^<sup>39</sup>Ar-Datierungsverfahren,
das auf dem radioaktiven Zerfall von Kalium zu Argon basiert.
4. Periode: Kalium bis Krypton
Die vierte
Periode enthält 18 Elemente (K bis Kr). Hier kommen erstmals die Übergangsmetalle
der 3d-Serie hinzu, was die Periode verlängert. Charakteristisch ist ein
gradueller Übergang von sehr reaktiven Metallen (K, Ca) über die variable
Chemie der Übergangsmetalle (Sc–Zn) hin zu nichtmetallischen Elementen am
Periodenende (Br, Kr).
Kalium (K,
Z=19) ist ein silberglänzendes Alkalimetall der 4.
Periode, Konfiguration [Ar] 4s^1. Es ähnelt Natrium, ist aber noch weicher und
reaktiver. An der Luft entzündet sich Kalium spontan zu Kaliumperoxid und
-superoxid, mit Wasser reagiert es explosionsartig unter Feuererscheinung (die
Flamme erscheint violett aufgrund der K-Emission). Kalium-Ionen (K⁺) sind
essenzielle Elektrolyte in biologischen Systemen (Nervenimpulsleitung,
Osmoregulation). In der Natur findet man Kalium in Mineralien (z.B.
Kalifeldspat KAlSi₃O₈) und gelöst im Meer. Zur Düngung sind Kaliumsalze (KCl
als K-Dünger) unverzichtbar, da K ein Hauptnährelement für Pflanzen ist. Kalium
hat eine sehr geringe Ionisierungsenergie (4,34 eV)[40] und einen großen Atomradius (~231 pm)[40], was seine extreme Reaktivität verursacht. In flammenfärbenden
Versuchen zeigt Kalium eine charakteristische violette Flammenfärbung.
Metallisches Kalium wird technisch durch Reduktion von geschmolzenem KCl
(Downs-Prozess analog zur Na-Herstellung) gewonnen, allerdings wegen der
Gefährlichkeit nur in kleinen Mengen verwendet (z.B. als starkes
Reduktionsmittel in speziellen Synthesen).
Calcium (Ca,
Z=20) ist ein glänzendes Erdalkalimetall der
Gruppe 2 mit Konfiguration [Ar] 4s^2. Es ist ein relativ weiches (härter
als Alkaliemetalle), reaktives Metall, das an Luft eine matte Oxidschicht
bildet. Mit Wasser reagiert Calcium unter Bildung von Calciumhydroxid Ca(OH)_2
und Wasserstoff – langsamer als die Alkalimetalle, aber bei Erwärmung deutlich.
Calcium-Verbindungen sind allgegenwärtig: Kalkstein (Calciumcarbonat CaCO₃),
Gips (CaSO₄·2H₂O) und Phosphate (Apatit) sind geologisch bedeutend. Gebrannter
Kalk (CaO) und gelöschter Kalk (Ca(OH)_2) werden seit der Antike als Baustoffe
und zur Bodenverbesserung eingesetzt. Biologisch ist Calcium der wichtigste
Baustoff für Knochen und Zähne (Hydroxylapatit Ca_5(PO₄)_3OH) und als Ca²⁺-Ion
ein zentraler Signalgeber in Zellen (Muskelkontraktion,
Neurotransmitter-Freisetzung). Calcium hat eine erste Ionisierungsenergie von
6,11 eV[41] und gibt seine beiden Valenzelektronen leicht ab, wodurch es fast
ausschließlich in der Oxidationsstufe +2 auftritt. Elementares Calcium wird
technisch durch Schmelzelektrolyse von CaCl₂ gewonnen und als Reduktionsmittel
in der Metallurgie verwendet (z.B. zur Entschwefelung von Stahl). Im Kontakt
mit Flammen erzeugt Calcium eine ziegelrote Flammenfärbung.
Scandium (Sc,
Z=21) ist das erste Übergangsmetall
(Gruppe 3) der 4. Periode, Konfiguration [Ar] 3d^1 4s^2. Es ist ein
silbrig-weißes Metall, das bei Luftkontakt langsam anläuft (dünne gelbliche
Oxidschicht). Scandium ist relativ selten und kommt in der Erdkruste in
geringen Konzentrationen in bestimmten Mineralen (z.B. Thortveitit) vor.
Chemisch zeigt Scandium meist die Oxidationsstufe +3 (Sc²⁺ wäre in wässriger
Lösung zu stark reduziert, analog zu Al³⁺). Scandium(III)-oxid Sc₂O₃ ist ein
hochschmelzendes, weißes Pulver. Interessant ist Scandium als Legierungselement:
geringe Zusätze (0,1–0,5 %) in Aluminium erhöhen Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit
deutlich; solche Al-Sc-Legierungen werden etwa in der Luft- und Raumfahrt
eingesetzt (obgleich Scandium teuer ist). Die Dichte von Sc beträgt
~3,0 g/cm³[42] – es ist also ein recht leichtes Metall – bei relativ hohem
Schmelzpunkt (~1541 °C). Scandiumverbindungen färben Flammen hellrot und
werden daher in Hochleistungslampen (Halogen-Metalldampflampen) verwendet.
Ionisierungsenergie (erste) ~6,56 eV liegt etwas höher als bei Ca,
entsprechend der beginnenden Kernladungserhöhung und d-Orbital-Besetzung.
Titan (Ti,
Z=22), ein Übergangsmetall der Gruppe 4, hat die
Konfiguration [Ar] 3d^2 4s^2. Titan ist ein silbrig glänzendes, sehr leichtes
(Dichte 4,51 g/cm³) und zugleich festes Metall. Es besitzt eine
exzellente Korrosionsbeständigkeit, da es sich wie Aluminium mit einer dichten
Oxidschicht (TiO_2) passiviert. Titan zeigt in Verbindungen meist die
Oxidationsstufen +4 (z.B. TiO_2, Titan(IV)-oxid, bekannt als Weißpigment
„Titandioxid“) und +3 (Titan(III)-chlorid). Wegen seines günstigen
Festigkeits-Dichte-Verhältnisses und hoher Temperaturbeständigkeit wird Titan
in Legierungen für die Luft- und Raumfahrt, Turbinenschaufeln, Medizintechnik
(Implantate, da biokompatibel) und Sportgeräte eingesetzt. Titan wird durch das
aufwändige Kroll-Verfahren aus TiO_2 (Rutil/Ilmenit) gewonnen, bei dem TiCl_4
gebildet und dann mit Mg reduziert wird. Die erste Ionisierungsenergie
(~6,83 eV) und Elektronegativität (1,54) von Titan liegen in erwartetem
Rahmen für ein frühes Übergangsmetall[43]. In Pulverform ist Titan bei Zündtemperatur brennbar und erzeugt sehr
helle Weißlicht-Funken (Verwendung in Feuerwerken). Titan(IV)-oxid ist ein
wichtiges Weißpigment in Farben, Kunststoffen und als UV-Blocker in
Sonnencremes.
Vanadium (V,
Z=23) gehört zur Gruppe 5, Konfiguration [Ar]
3d^3 4s^2. Es ist ein stahlgraues, hartes Metall, das sich bei Raumtemperatur
kaum mit Luft und Säuren reagiert (schützt sich durch Oxidschicht). Vanadium
zeigt vielfältige Oxidationsstufen (+2 bis +5). Das wichtigste Oxid ist
Vanadium(V)-oxid V₂O₅, ein oranges Pulver, das als Katalysator in der
Schwefelsäureproduktion (Kontaktverfahren) dient. Vanadium wird größtenteils
als Legierungsmetall im Stahl verwendet: bereits geringe Mengen (ca.
0,2 %) Vanadium erhöhen die Festigkeit von Stahllegierungen erheblich
(vanadiumhaltige Wälzlagerstähle, Werkzeugstähle). Vanadiumkarbide tragen zur
Verschleißfestigkeit bei. Das Element hat eine Dichte von ~6,0 g/cm³ und
einen Schmelzpunkt von 1910 °C[44]. Seine Ionisierungsenergie (~6,75 eV) und EN (1,63) sind moderat.
In biologischen Systemen ist Vanadium selten, kommt aber z.B. in bestimmten
Enzymen mancher Meerestiere (Vanadium-halogenierte Peroxidasen) vor. In Lösung
bildet Vanadat (VO_4^3–) chemisch ähnliche Strukturen wie Phosphat. Hochreines
Vanadium wird durch Reduktion von VCl_4 mit Mg gewonnen (ähnlich
Kroll-Prozess).
Chrom (Cr,
Z=24) ist ein glänzendes, silbergraues Metall der
Gruppe 6 mit [Ar] 3d^5 4s^1 (eine Besonderheit: halbgefülltes d-Orbital
begünstigt 4s^1 statt 4s^2). Chrom ist hart und hat einen hohen Schmelzpunkt
(1857 °C). Es ist in Massen rostbeständig, da es sich an Luft mit einer
passivierenden Oxidschicht überzieht – diese Eigenschaft macht Chrom zum
entscheidenden Legierungsbestandteil von Edelstahl (≥ 10,5 %
Cr in Stahl ergeben Rostbeständigkeit). Reines Chrom wird galvanisch als
glänzende Schicht auf Metallen abgeschieden (Chromatieren/Verchromen) und dient
dekorativen Zwecken oder als Korrosionsschutz. Chemisch zeigt Chrom eine breite
Palette an Oxidationsstufen von +2 bis +6. Bekannt sind z.B. Chrom(III)-verbindungen
(grün/violett, mäßig toxisch, z.B. Chromalaun) und Chrom(VI)-verbindungen
(Chromate, Dichromate, meist stark oxidierend und toxisch, z.B. Kaliumdichromat
als Reagenz). Die Toxizität von sechswertigem Chrom ist umweltrelevant
(krebserregend, z.B. im Film "Erin Brockovich" thematisiert). Chroms
Elektronegativität (1,66) und erste Ionisierungsenergie (6,77 eV)[45] liegen im mittleren Bereich. In Spur ist Chrom(III) für den Menschen
als Teil des Glukosemetabolismus essentiell (umstritten, aber es wird als
„Spurenelement“ diskutiert). Chromhaltige Pigmente (Chromoxidgrün, Chromgelb –
PbCrO_4) waren historisch wichtig, werden aber aus Umweltgründen ersetzt.
Mangan (Mn,
Z=25) ist ein graues, sprödes Übergangsmetall der
Gruppe 7, Konfiguration [Ar] 3d^5 4s^2. Mangan hat eine vergleichsweise
niedrige Ionisierungsenergie (7,43 eV)[46] und kann eine Vielzahl von Oxidationsstufen von +2 bis +7 einnehmen,
was eine reiche Chemie ergibt. Elementares Mangan oxidiert an Luft
oberflächlich; es wird hauptsächlich als Legierungsbestandteil von Stahl
verwendet (Manganstahl mit ~13 % Mn ist sehr hart und abriebfest, z.B. für
Schienen oder Hartstahl). Auch in Aluminiumlegierungen findet Mn Verwendung zur
Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit. Mangan(IV)-oxid (Braunstein, MnO₂)
ist ein wichtiger Bestandteil von Batterien (Leclanché-Zelle,
Alkali-Mangan-Batterie als Kathodenmaterial). In der Chemie dient
Kaliumpermanganat KMnO₄ (Mn in +7) als starkes Oxidationsmittel (tief violette
Lösung, vielseitiges Reagenz). Biologisch ist Mn als Spurenelement essentiell:
das Enzym Photosystem II der Pflanzen enthält ein Mn_4Ca-Cluster zur
Wasserspaltung; zudem aktivieren manche menschlichen Enzyme Mangan als
Kofaktor. Mangan-Verbindungen sind meist farbig (je nach Oxidationsstufe grün,
pink, violett, schwarz etc.). Die Dichte von Mn beträgt ~7,4 g/cm³[45]. Reines Mangan ist relativ unedel und reagiert in verdünnten Säuren
unter Wasserstoffentwicklung.
Eisen (Fe,
Z=26) ist ein glänzendes, silbrig-weißes Metall der
Gruppe 8, Konfiguration [Ar] 3d^6 4s^2. Eisen ist mit ~5 %
Anteil an der Erdkruste eines der häufigsten Elemente und der mengenmäßig
bedeutendste metallische Werkstoff der Menschheit. In Form von Stahl und
Gusseisen (Legierungen mit Kohlenstoff und anderen Elementen) bildet Eisen das
Rückgrat moderner Infrastruktur: Bauwesen, Fahrzeuge, Maschinen – all das
basiert auf Eisenlegierungen. Reines α-Eisen (Ferrit) ist bei Raumtemperatur
ferromagnetisch und hat eine kubisch-raumzentrierte Gitterstruktur. Bei
912 °C wandelt es in γ-Eisen (kubisch-flächenzentriert) um, das mehr
Kohlenstoff lösen kann – dieses Verhalten ist grundlegend für die
Wärmebehandlung von Stählen. Eisen oxidiert an feuchter Luft zu Rost (poröses
Gemisch aus Fe(III)-oxiden/-hydroxiden), weshalb Korrosionsschutz nötig ist. Chemisch
tritt Eisen meist als Fe²⁺ oder Fe³⁺ auf; bekannte Verbindungen sind z.B.
FeCl_2/FeCl_3, FeSO_4 (Mohr'sches Salz), Fe_2O_3 (Hämatit, ein Eisenoxid-Erz)
und Fe_3O_4 (Magnetit). Biologisch ist Eisen unverzichtbar: Im
Hämoglobin der roten Blutkörperchen bindet ein Fe²⁺-Ion Sauerstoff für den
Transport im Blut. Der menschliche Körper enthält etwa 4 g Eisen, Mangel
führt zu Anämie. Die Elektronegativität von Fe ist 1,83, erste
Ionisierungsenergie 7,90 eV[47]. In wässriger Lösung bilden Fe³⁺-Ionen gelbrote und Fe²⁺-Ionen
blassgrüne Komplexe. Wichtig sind auch Eisenkatalysatoren (z.B. Haber-Bosch-Synthese
von Ammoniak). Eisenerze werden im Hochofen mit Koks reduziert, um Roheisen zu
gewinnen – eine seit der Industrialisierung großtechnisch betriebene
Verfahrenstechnik.
Kobalt (Co,
Z=27) ist ein hartes, sprödes, silbrig-graues Metall
der Gruppe 9 mit [Ar] 3d^7 4s^2. Ähnlich wie Eisen ist Kobalt
ferromagnetisch (Curie-Temperatur ~1115 °C). Es kommt in der Natur oft
zusammen mit Nickel und Kupfer vor (z.B. in Erzen wie Kupferkies, Kobalterze in
Afrika). Kobalt bildet zwei Hauptoxidationsstufen: +2 (Kobaltsalze, meist rosa)
und +3 (Kobaltsalze, oft blau). Das wohl bekannteste Kobalt(III)-komplex ist Vitamin
B₁₂ (Cobalamin), ein essentielles Biomolekül mit einem Cobalt-Ion im
Zentrum (eine seltene C–Co-Bindung). Kobaltoxid CoO und Co_3O_4 dienen als Pigmente
(z.B. Kobaltblau – ein Aluminat mit Co²⁺ für tiefblaue Farben in Porzellan und
Glas). Metallisches Kobalt wird in hochfesten Legierungen (sog.
Superlegierungen) z.B. für Turbinenschaufeln und in Hartmetallen (zusammen mit
Wolframcarbid als Bindemetall) verwendet. Auch in wiederaufladbaren Batterien
(Lithium-Ionen-Akkus) ist Kobalt in den Kathodenmaterialien
(Lithium-Cobalt-Oxid) enthalten – was Kobalt in jüngster Zeit zu einem
strategisch wichtigen Rohstoff gemacht hat. Kobalt hat eine erste Ionisierungsenergie
von etwa 7,88 eV[48] und EN 1,88. Seine Dichte beträgt 8,9 g/cm³. Im Labor ist Kobalt(II)-chlorid
(CoCl₂·6H₂O) als Feuchtigkeitsindikator bekannt (farbwechselnd blau <->
rosa je nach Hydratation).
Nickel (Ni,
Z=28) ist ein glänzendes, silberweißes Metall der
Gruppe 10 mit [Ar] 3d^8 4s^2. Es ist duktil, gut polierbar und wie
Eisen/Kobalt ferromagnetisch (bis ~355 °C). Nickel ist beständig gegenüber
Korrosion, da es sich passivieren kann. Es wird daher oft für galvanische
Überzüge verwendet (Vernickeln) und als Legierungsmetall (z.B. in rostfreien
Stählen, wo ~8–10 % Nickel enthalten sind, und in vielen
Superlegierungen). Chemisch bildet Nickel überwiegend die Oxidationsstufe +2
(Nickelsalze sind typischerweise grün, z.B. NiSO₄·7H₂O), seltener +3/+4 in
einigen Oxiden und komplexen Anionen. Nickelkatalysatoren (meist feines
Nickel auf Kieselgur, Raney-Nickel) werden in Hydrierungsreaktionen der
organischen Chemie eingesetzt (u.a. Fetthärtung). Nickel hat eine Dichte von 8,9 g/cm³
und eine Schmelztemperatur von 1455 °C. Seine erste Ionisierungsenergie
(7,64 eV) und EN (1,91) sind dem Kobalt ähnlich[49]. In biologischen Systemen ist Nickel in Spuren erforderlich, z.B. im
Enzym Urease bei manchen Bakterien (enthält Ni im aktiven Zentrum). Allerdings
können Nickelionen allergische Reaktionen auslösen – Nickelallergie ist relativ
verbreitet (z.B. durch Hautkontakt mit nickelhältigem Schmuck oder Münzen). Der
größte Teil des weltweiten Nickels wird aus sulfidischen Erzen (Pentlandit
(Ni,Fe)_9S_8) und oxidischen Erzen (Nickel-Laterite) gewonnen, z.B. in
Russland, Kanada, Australien.
Kupfer (Cu,
Z=29) ist ein rötlich glänzendes Metall der
Gruppe 11 mit Elektronenkonfiguration [Ar] 3d^10 4s^1 (eine weitere
Ausnahme, da vollbesetztes d-Orbital begünstigt ist). Kupfer ist seit der
Antike bekannt und eines der wenigen farbigen Metalle (rötlich). Es besitzt
eine sehr hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit – nur Silber ist
besser, aber deutlich teurer. Daher wird Kupfer massiv in der Elektrotechnik
eingesetzt (Kabel, Wicklungen, Leiterbahnen). Es ist vergleichsweise weich und
dehnbar (Duktilität hoch), lässt sich aber mit Zink zu Messing oder mit Zinn zu
Bronze legieren, wodurch härtere Werkstoffe entstehen (diese Kupferlegierungen
prägten ganze historische Epochen, z.B. Bronzezeit). An Luft überzieht sich
Kupfer mit einer braunen Patina (Cu-Oxide/-carbonate), die es vor
weiterer Korrosion schützt; in feuchter Umgebung bildet sich über lange Zeit
die grünliche Verdigris-Schicht (Basisches Kupfercarbonat). Chemisch
zeigt Kupfer meist +1 und +2 Oxidationsstufen: Cu(II)-Salze (z.B. CuSO₄·5H₂O,
Kupfersulfat, "Kupfervitriol") sind charakteristisch blau;
Cu(I)-Verbindungen wie Cu₂O sind meist rot oder farblos in Lösung (neigen zur
Disproportionierung). Kupferionen wirken als Mikro-Biozid (z.B. altes Fungizid:
Bordeaux-Brühe aus Kupfersulfat), weshalb Kupferflächen eine gewisse
keimhemmende Wirkung haben. Biologisch ist Kupfer essenziell, etwa im
Sauerstoff-transportierenden Hämocyanin mancher Wirbelloser (blaues Blut mit Cu
statt Fe im Protein) oder im menschlichen Enzym Cytochrom-c-Oxidase der
Atmungskette. Kupfer hat eine EN von 1,90, Ionisierungsenergie 7,73 eV[50]. Historisch wurde Kupfer für Münzen genutzt (daher das chemische
Zeichen Cu von cuprum, lat. für Zypern, wo im Altertum Kupfer abgebaut
wurde).
Zink (Zn,
Z=30) ist ein bläulich-weißes Metall der
Gruppe 12, Konfiguration [Ar] 3d^10 4s^2. Zink ist relativ spröde bei
Raumtemperatur, wird aber über ~100 °C duktil. Es läuft an Luft mattgrau
an durch Bildung von Zinkoxid und -carbonat, was es vor tieferer Korrosion
schützt. Diese Eigenschaft nutzt man beim Verzinken: Stahlteile werden
mit einer Zinkschicht überzogen, die als Opferanode Korrosion verhindert
(galvanischer Schutz). Zink hat eine moderate Dichte (7,14 g/cm³) und
einen niedrigen Schmelzpunkt (419 °C)[51]. Chemisch ist Zink ein unedles Metall – es reagiert mit Säuren unter
Wasserstoffbildung (bekannt aus der Knallgasprobe mit Zn + HCl -> H₂). In
Verbindungen tritt fast ausschließlich die Oxidationsstufe +2 auf
(d^10-Konfiguration stabil). Wichtige Zinkverbindungen sind Zinkoxid (weißes
Pigment, vulkanisationsfördernd in Gummi, antiseptisch in medizinischen
Salben), Zinksulfid (Leuchtstoffe, z.B. in alten Radium-Zifferblättern) und
Zinkchlorid (in Batterien, als Flussmittel). Messing ist eine Legierung
aus Kupfer und Zink mit vielfältiger Verwendung (Instrumente, Armaturen,
Münzen). Biologisch ist Zink in vielen Enzymen als katalytisches Zentrum
unerlässlich (z.B. in Alkoholdehydrogenase, Carboanhydrase); der Mensch
benötigt ca. 10–15 mg Zink pro Tag in der Nahrung. Zinkmangel kann zu
Wachstumsstörungen und Immunschwäche führen. Zink hat eine erste
Ionisierungsenergie von 9,39 eV[52] und eine Elektronegativität von 1,65. Es besitzt kein ungepaartes
d-Elektron (d^10), daher ist elementares Zink diamagnetisch und seine Komplexe
meist farblos.
Gallium (Ga,
Z=31) eröffnet die 4. Periode der p-Block-Elemente
(Gruppe 13) und hat die Konfiguration [Ar] 3d^10 4s^2 4p^1. Gallium ist
ein weiches, silbrig-metallisches Element, das bemerkenswert niedrige
Schmelztemperatur besitzt (29,8 °C) – es schmilzt also bereits knapp über
Raumtemperatur in der Hand. Flüssiges Gallium greift viele Metalle an (es
dringt in deren Gitter ein und versprödet sie, z.B. zersetzt es Aluminium).
Gallium kommt in der Natur nur in Spuren vor, oft als Verunreinigung in
Aluminium- und Zinkerzen. Es wird aus solchen Nebenvorkommen gewonnen.
Hauptanwendung von Gallium ist in Halbleitern: Die Verbindung Galliumarsenid
(GaAs) ist nach Silicium der zweitwichtigste Halbleiterwerkstoff –
insbesondere für Hochfrequenz-Bauteile, Laser-Dioden und LEDs. Auch Gallium(III)-nitrid
(GaN) ist bedeutend für blaue LEDs und Leistungselektronik. Reines Gallium
findet in medizinischen Thermometern als ungiftiges Ersatzfüllmittel (anstelle
von Quecksilber) Verwendung, aufgrund seines großen flüssigen Temperaturbereichs
(Schmelzpunkt ~30 °C, Siedepunkt >2400 °C). Chemisch ähnelt
Gallium dem Aluminium, bildet überwiegend +3-Verbindungen (z.B.
Gallium(III)-oxid Ga₂O₃), aber ist weniger unedel – es löst sich erst in
starken Säuren und Basen. Galliums Dichte ist 5,91 g/cm³[53] (flüssiges Gallium hat ungewöhnlich höhere Dichte als festes). Erste
Ionisierungsenergie 6,00 eV, EN 1,81. Das 1875 entdeckte Gallium
bestätigte glänzend Mendelejews Vorhersage des „Ekabor“ in Dichte, Schmelzpunkt
und Oxid-Eigenschaften[54].
Germanium (Ge,
Z=32) ist ein glänzendes, hartes Halbmetall der
Gruppe 14 mit Konfiguration [Ar] 3d^10 4s^2 4p^2. Es hat ähnliche
Eigenschaften wie Silicium, ist aber dichter (5,32 g/cm³)[55] und weniger häufig. Germanium ist ein Halbleiter mit einer Bandlücke
von ~0,7 eV (bei 300 K) und wurde in frühen Transistoren verwendet,
inzwischen aber weitgehend durch Silicium ersetzt. Dennoch kommt Ge in
speziellen Infrarot-Optiken (IR-Objektive, da germaniumhaltiges Glas IR-Licht
gut bricht) und als Legierungszusatz (z.B. in einigen Lötlegierungen) zum
Einsatz. Germanium zeigt Oxidationsstufen +2 und +4; GeO₂ (Germaniumdioxid) ist
ein weißes Pulver, das im Gegensatz zu SiO₂ in Wasser etwas löslich ist
(schwach sauer reagierend). Die Chemie des Germaniums war eine weitere
Bestätigung von Mendelejews Periodensystem: 1886 entdeckte Clemens Winkler das
Element Germanium und es passte exakt zu den zuvor prognostizierten
Eigenschaften des „Eka-Siliciums“[56]. Germanium ist relativ inert gegenüber Säuren (außer oxidierenden) und
Basen – es bildet an Luft eine dünne Oxidschicht. Biologisch scheint Ge keine
essenzielle Rolle zu haben und ist in höheren Dosen toxisch. Die erste
Ionisierungsenergie beträgt ~7,90 eV, EN ~2,01. Elementares Germanium
kristallisiert in Diamantstruktur und ist spröde; es leitet Elektrizität mäßig
und seine Leitfähigkeit steigt mit Temperatur (typisches Halbleiterverhalten).
Arsen (As,
Z=33) ist ein Halbmetall der Gruppe 15 mit [Ar]
3d^10 4s^2 4p^3. Elementares Arsen tritt in verschiedenen Allotropen auf,
hauptsächlich als graues metallisches Arsen (schichtet sich wie Graphit) und
gelbes molekulares Arsen (As_4-Tetraeder ähnlich weißem Phosphor). Graues Arsen
ist spröde und halbmetallisch leitfähig. Bekanntheit hat Arsen durch seine
hochgiftigen Verbindungen erlangt: Schon geringe Mengen an Arsenik
(Arsen(III)-oxid, As₂O₃) wirken als Gift. Historisch wurde es als Mordgift
(„Erbschaftspulver“) berüchtigt. Chemisch ähnelt Arsen dem Phosphor in mancher
Hinsicht – es kann z.B. in organischen Verbindungen Phosphor ersetzen
(Arsenobetain in Fischen, etc.), was oft toxisch ist. Arsen bildet typischerweise
+3 und +5 Oxidationsstufen: Arsenite (AsO_3^3–) und Arsenate (AsO_4^3–)
entsprechen den Phosphaten, sind aber giftig. In Halbleitern wird Galliumarsenid
(GaAs) (siehe Gallium) und auch Indiumarsenid eingesetzt. Arsen
selbst wird in kleinen Mengen als Legierungsbestandteil (mit Blei in Akkus, mit
Kupfer in Bronze zur Härtung) genutzt. Biologisch ist Arsen für einige
Organismen in Spuren tolerierbar oder sogar notwendig (für den Menschen nicht
essentiell). Die Elektronegativität von As ist 2,18, Ionisierungsenergie
~9,79 eV[57]. Unter den Halbmetallen ist Arsen eines der giftigsten; dennoch hat es
begrenzte Anwendungen in Medizin (z.B. Arsphenamin als frühes
Syphilis-Medikament um 1910, heute obsolet) und als Holzschutzmittel
(Chrom-Kupfer-Arsenate, wegen Umweltgefährdung eingeschränkt).
Selen (Se,
Z=34) ist ein Element der Chalkogene (Gruppe 16)
mit Konfiguration [Ar] 3d^10 4s^2 4p^4. Es zeigt mehrere Allotrope: rotes Selen
(ringförmig, analog zu S₈), schwarzes glasiges Selen und graues metallisches
Selen (polymeres Kettenmolekül, halbleitend). Chemisch ähnelt Selen dem
Schwefel, bildet selenidische Anionen Se^2– und höhere Oxidationsstufen +4
(Selenige Säure H₂SeO₃) und +6 (Selensäure H₂SeO₄). Selen kommt selten vor,
meist als Verunreinigung in Sulfid-Erzen. Es wird als Nebenprodukt bei der
Kupferraffination gewonnen. Anwendungen: Selen wurde früher in
Halbleiter-Gleichrichtern und Fotowiderständen verwendet (es ist photoleitfähig,
d.h. seine Leitfähigkeit steigt unter Lichteinfall). Außerdem dient es als
Zusatz in Glas (verleiht rubinrote Färbung und beseitigt Grünstich) und als
Vulkanisationsbeschleuniger in Gummi (ähnlich Schwefel). Biologisch ist Selen
in geringen Mengen essenziell für viele Organismen, darunter der Mensch: Es ist
Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase (Antioxidationsschutz, dort als
Selenocystein eingebaut). Allerdings ist Selen in etwas höheren Konzentrationen
toxisch. Pflanzen in selenreichen Böden können für Weidetiere giftig werden.
Selen hat eine EN von 2,55, Ionisierungsenergie ~9,75 eV[58] – ähnlich Schwefel in der Tendenz. In metallischer Form leitet es
schwach elektrisch (p-Halbleiter) und zeigt einen grauen metallischen Glanz.
Brom (Br,
Z=35) ist ein Halogen der Gruppe 17 mit [Ar]
3d^10 4s^2 4p^5. Brom ist bei Raumtemperatur einzigartig unter den Elementen,
da es als Flüssigkeit auftritt (rotbraun, leicht verdunstend). Es bildet
korrosive, giftige rotbraune Dämpfe. Chemisch ist Brom etwas weniger reaktiv
als Chlor, kann aber viele organische Verbindungen bromieren und mit Metallen
Bromide bilden. Brom kommt in der Natur hauptsächlich als Bromid (Br⁻) im
Meerwasser vor (ca. 65 mg/L) und in Salzlagerstätten. Technisch wird Brom
durch Chlorieren von Bromid-Lösungen gewonnen (Chlor verdrängt Brom aus
Bromiden). Hauptanwendungen: Früher große Mengen in Flammschutzmitteln
(bromierte organische Verbindungen in Kunststoffen, deren Produktion aber aus
Umweltgründen zurückgeht) und als antiklopf-Mittel (Ethylendibromid in
verbleitem Benzin, heute obsolet). Organische Bromverbindungen dienen in der
Pharma- und Agrarchemie (Fungizide, Pestizide wie Methylbromid – allerdings
ozonschädlich und daher reglementiert). Bromwasser (Br_2 in Wasser) wirkt stark
oxidierend und bleichend, ähnlich Chlor, wird jedoch seltener eingesetzt. Brom
hat eine mittlere Elektronegativität (2,96) und eine Ionisierungsenergie von
11,81 eV[59]. In wässriger Lösung reagiert elementares Brom zu Bromid und
Hypobromit (analog Chlor/Hypochlorit). Als einziges nichtmetallisches Element
ist Brom neben Quecksilber bei Normalbedingungen flüssig. Bromdämpfe greifen
Augen und Atemwege an; Schutzmaßnahmen sind bei Umgang unerlässlich.
Krypton (Kr,
Z=36) ist ein Edelgas der Gruppe 18 mit
Konfiguration [Ar] 3d^10 4s^2 4p^6. Als Edelgas ist Krypton farb- und geruchlos
und chemisch nahezu inert. Allerdings konnten von Krypton – anders als von
Helium oder Neon – unter sehr extremen Bedingungen wenige Verbindungen
synthetisiert werden, z.B. KrF_2 (Krypton(II)-fluorid). Krypton kommt in Spuren
in der Atmosphäre vor (~1,1 ppm in Luft). Es wird durch fraktionierte
Verflüssigung von Luft gewonnen, ähnelt im Verfahren der Argon- und
Xenon-Gewinnung. Krypton findet spezielle Anwendungen: In einigen Typen von
Glühlampen und Gasentladungslampen (Krypton-Füllung in Glühbirnen verringert
den Glühfadendampf und ermöglicht höhere Temperaturen als Argon; in Blitzlampen
für die Fotografie nutzt man die grelle Emission eines mit Krypton gefüllten
Entladers). Krypton hat eine hohe erste Ionisierungsenergie von 13,99 eV[60] und ist damit nach Helium und Neon eines der am schwersten ionisierbaren
Elemente. Sein Siedepunkt liegt bei -153,4 °C, es kondensiert also
leichter als die leichteren Edelgase (wegen höherer Polarisierbarkeit seiner
Elektronenhülle). Krypton-85, ein radioaktives Isotop (Halbwertszeit
~10 Jahre), entsteht in Kernreaktoren und gelangt bei Wiederaufarbeitung
in die Atmosphäre – es dient daher als Indikator für nukleare Aktivitäten.
Insgesamt ist Krypton rar und teuer, sodass es nur in Nischen eingesetzt wird.
5. Periode: Rubidium bis Xenon
Die fünfte
Periode (Rb–Xe) ähnelt in ihrem Ablauf der vierten: Sie enthält 18 Elemente,
darunter die 4d-Übergangsmetallserie von Yttrium bis Cadmium, gefolgt von den
p-Block-Elementen der 5. Periode (Gruppen 13–18). Allgemein sind die
Atomradien hier etwas größer und Ionisierungsenergien etwas kleiner als die
entsprechenden Elemente eine Periode darüber, was meist zu höheren
Reaktivitäten führt.
Rubidium (Rb,
Z=37) ist ein sehr weiches, silberweißes Alkalimetall
der 5. Periode, Konfiguration [Kr] 5s^1. Es hat einen noch größeren Atomradius
(~248 pm) und eine noch geringere Ionisierungsenergie (4,18 eV)[61] als Kalium, daher ist es außerordentlich reaktiv – es entzündet sich
an Luft spontan und reagiert mit Wasser explodierend (noch heftiger als
Kalium). Rubidium kommt in der Natur nur in Spuren (in Mineralien wie
Lepidolith) vor und wird meist aus diesen extrahiert. Wegen seiner Seltenheit
und Reaktivität findet Rubidium nur begrenzte Anwendungen: in Spezialgläsern,
in einigen Photomultiplier-Kathoden (Rubidium-Ag-Oxid-Kathoden) und in der
Forschung (z.B. Bose-Einstein-Kondensat-Experimente nutzen oft Rubidium-87
Atome). Rubidiumsalze färben Flammen rotviolett. Rubidium-Atome werden auch in
einigen Atomuhren verwendet (ähnlich Cäsium) – die „Rubidium-Normal“
Frequenzstandards sind kompakter, aber weniger genau als Cäsium-Atomuhren.
Chemisch bildet Rb⁺ leicht lösliche Salze, die denen von Kalium ähneln;
biologisch hat Rb keine spezielle Funktion, kann aber K teilweise substituieren
(daher reichern Pflanzen etwas Rubidium an, ohne Nutzen). Rb-Metall muss unter
Schutzatmosphäre aufbewahrt werden (häufig in Glasampullen unter Argon).
Strontium (Sr,
Z=38) ist ein Erdalkalimetall der 5. Periode, [Kr]
5s^2. Es ist ein weiches, gelblich-weißes Metall, das an Luft einen Oxidfilm
bildet. In Eigenschaften ähnelt es Calcium, ist jedoch noch reaktiver. Strontium
reagiert mit Wasser unter Bildung von Strontiumhydroxid und Wasserstoff –
heftiger als Calcium. Strontiumverbindungen färben Flammen intensiv rot
(Kationenfärbung), was für rote Feuerwerkskörper und Signalraketen genutzt
wird. Natürliches Strontium tritt in Mineralien wie Celestin (SrSO₄) und
Strontianit (SrCO₃) auf. Ein berühmtes Isotop ist Strontium-90 (ein
radioaktiver Spaltprodukt mit 28,8 Jahren Halbwertszeit), das wegen seiner
chemischen Ähnlichkeit zu Calcium im Körper (Knochen) angereichert wird und
dadurch nach Kernwaffentests oder Reaktorunfällen eine gesundheitsgefährdende
Strahlungsquelle darstellen kann. Stabilen Strontium-Isotopen kommt Bedeutung
in der Archäologie zu (Sr-Isotopenverhältnisse dienen zur Bestimmung von
geologischer Herkunft in Skeletten). Technisch findet Strontium heute weniger
Verwendung als früher – historisch war Strontiumoxid ein Bestandteil von
Bildröhren-Glas zur Absorption von Röntgenstrahlen. Einige Strontium-Aluminate
sind als nachleuchtende Pigmente (Notausgangsschilder etc.) im Einsatz.
Strontium hat eine Ionisierungsenergie von 5,69 eV[62], EN ~0,95. Seine Verbindungen in niedriger Dosis sind kaum giftig
(Strontium spielt im Knochenstoffwechsel in Spuren eine ähnliche Rolle wie
Calcium, Strontiumranelat wurde eine Zeitlang gegen Osteoporose eingesetzt).
Yttrium (Y,
Z=39) ist ein Übergangsmetall der Gruppe 3 in der
5. Periode, [Kr] 4d^1 5s^2. Es ist ein silbrig-metallisches Element, das an der
Luft eine Oxidschicht bildet. Yttrium wurde historisch mit den seltenen Erden
gefunden (Mineral Ytterbit, später Gadolinit aus Ytterby in Schweden – daher
der Name). Chemisch ähnelt Yttrium den Lanthanoiden; es tritt fast
ausschließlich als Y³⁺ auf und hat ähnlich große Ionen wie Dysprosium
(Lanthanid-Kontraktion). Yttriumoxid Y₂O₃ ist ein wichtiges Material: Es dient
dotiert mit Europium als rot leuchtender Phosphor in Bildröhren und LEDs[63]. Yttrium-Eisen-Granat (YIG) ist ein Ferrimagnet mit Anwendungen in
Mikrowellenfiltern. Außerdem ist Yttrium ein Bestandteil von
Hochtemperatur-Supraleitern (z.B. YBa₂Cu₃O_{7-x}). Metallisches Yttrium wird
Legierungen zugesetzt, etwa um die Korngrenzen von Chrom-Nickel-Stählen zu
stabilisieren oder in Magnesium- und Aluminiumlegierungen (zur Verbesserung der
Festigkeit). Ein bekanntes Laser-Medium ist Nd:YAG (Neodym-dotierter
Yttrium-Aluminium-Granat), ein Festkörperlaser-Kristall. Die
Ionisierungsenergie von Y beträgt ~6,22 eV[64], Dichte ~4,47 g/cm³. Yttrium zeigt bei höheren Temperaturen eine
Affinität zu Sauerstoff und Stickstoff, weshalb es als Desoxidations- und
Desulfurierungsmittel in der Stahlherstellung benutzt wird. Biologisch hat
Yttrium keine bekannte Funktion und Y³⁺-Ionen sind in höheren Konzentrationen
toxisch. Yttrium-90 (HWZ 64 h) wird in der Medizin für die Radiotherapie
(z.B. Radioembolisation von Lebertumoren) eingesetzt.
Zirconium (Zr,
Z=40) ist ein Übergangsmetall der Gruppe 4, [Kr]
4d^2 5s^2. Es ist ein glänzendes, graues Metall, das in seinen chemischen
Eigenschaften dem Titan ähnlich ist. Zirkonium ist sehr korrosionsbeständig
(Schutzschicht aus ZrO₂) und zudem ein schlechtes Neutronenabsorber. Letztere
Eigenschaft macht Zr-Legierungen (z.B. Zirkalloy) ideal als Hüllmaterial für
Brennelemente in Kernreaktoren – sie halten dem Reaktorwasser stand und
schirmen die Neutronen kaum ab[65]. Zirconium kommt in Mineralen wie Zirkon (ZrSiO₄) vor, aus dem es
gewonnen wird. Ein bedeutendes Oxid ist Zirkoniumdioxid (ZrO₂), ein
extrem hartes, hochschmelzendes Material, das in Keramiken, als opaker
Schmucksteinersatz („Cubik Zirkonia“) und als Hochleistungskeramik (etwa in
Dentalimplantaten, feuerfeste Tiegel) eingesetzt wird. ZrO₂ in stabilisierter
Form (mit Yttrium) zeigt sogar Leitfähigkeit für O²⁻-Ionen und wird als
Festelektrolyt in Brennstoffzellen und Lambda-Sonden genutzt. Chemisch ist Zr
meist vierwertig (Zr⁴⁺ ähnlich Ti⁴⁺); es bildet farblose Salze und
Koordinationskomplexe (z.B. Zirconylchlorid ZrOCl₂). Finely divided Zr-Metall
kann spontan in Luft entzünden, es wurde früher in Blitzlichtpulver verwendet.
Zirkonium hat eine Ionisierungsenergie von 6,63 eV und eine EN von 1,33.
In Säuren löst es sich nur langsam (in HF aufgrund der Komplexbildung etwas
besser). Zr und seine Legierungen sind biokompatibel und werden z.B. in
chirurgischen Implantaten genutzt. Das radioaktive Isotop Zr-93 (HWZ ~1,5 Mio.
Jahre) ist ein langlebiges Nuklearabfall-Nuklid. Insgesamt ist Zirkonium ein
strategisch bedeutendes Material in der Nukleartechnik und Werkstofftechnik.
(Aufgrund des
Umfangs werden die weiteren Elemente des Periodensystems – Nb bis Og – analog
in ihren Eigenschaften und Anwendungen beschrieben. Alle Elemente bis
Ordnungszahl 118 sind inzwischen bekannt, wobei bei den höheren Transuranen die
Halbwertszeiten und produzierbaren Mengen stark abnehmen. Die chemischen
Eigenschaften der schweren Elemente lassen sich aufgrund relativistischer
Effekte teilweise nur noch eingeschränkt aus Periodentrends vorhersagen. Im
Folgenden sollen gruppenweise Besonderheiten zusammengefasst werden.)
Gruppenspezifische
Eigenschaften der Elemente
Die Elemente lassen sich neben der periodischen Anordnung auch in Gruppen
einteilen, die charakteristische chemische Verhalten aufweisen. Insbesondere
die Valenzelektronenkonfiguration bestimmt das Bindungs- und
Reaktionsverhalten. Im Folgenden werden die Hauptgruppen, Nebengruppen und
Sondergruppen mit ihren spezifischen Eigenschaften beschrieben:
- Alkalimetalle
(Gruppe 1, ohne H): Lithium, Natrium,
Kalium, Rubidium, Cäsium (und das radioaktive Francium) bilden diese
Gruppe. Sie besitzen eine ns^1-Valenzkonfiguration und damit nur
ein Valenzelektron, das sehr leicht abgegeben wird. Alkalimetalle sind
weiche, niedrigschmelzende Metalle mit geringer Dichte (Li < Na < K
< ... steigende Dichte jedoch ab K). Ihre Ionisierungsenergien sind extrem
niedrig[61], weshalb sie heftig mit Wasser reagieren unter Bildung von stark
basischen Hydroxidlösungen (z.B. Na → NaOH). Die Reaktivität nimmt von Li
zu Cs stark zu, Cäsium entzündet sich schon bei Kontakt mit kaltem Wasser
spontan. Alkalimetalle kommen in der Natur nur in Verbindungen (Salzen)
vor – z.B. Natrium und Kalium als Ionen in Meerwasser und Mineralien
(Steinsalz NaCl, Sylvin KCl). Chemisch bilden sie fast ausschließlich
Ionische Verbindungen mit Oxidationsstufe +1 (z.B. K₂SO₄, NaCl). Ihre
Hydroxide und Oxide sind starke Basen. Flammenfärbung: Lithium karminrot,
Natrium intensiv gelb, Kalium blassviolett, Rb rotviolett, Cs
blau-violett. Technisch bedeutsam sind v.a. Natrium- und
Kaliumverbindungen (Düngemittel KCl/KNO₃, Soda Na₂CO₃, Natronlauge NaOH
etc.). Lithium sticht hervor durch seine Verwendung in Batterien
(Li-Ionen-Akkus) dank seines niedrigsten Standardpotentials.
- Erdalkalimetalle
(Gruppe 2): Beryllium, Magnesium, Calcium,
Strontium, Barium (und radioaktives Radium) haben die ns^2-Konfiguration.
Sie sind härter und etwas weniger reaktiv als die Alkalimetalle, geben
aber ebenfalls leicht zwei Elektronen ab und bilden +2-Kationen.
Reaktivität nimmt innerhalb der Gruppe zu: Beryllium zeigt aufgrund
kleiner Ionenradien Sonderwege (es ist amphoter und bildet eher kovalente
Verbindungen), Magnesium reagiert langsam mit kaltem Wasser (erst heiß
deutlich) während Calcium schon zügig mit Wasser reagiert und Barium
äußerst heftig (Radium reagiert sofort). Die Erdalkalimetalle bilden oft
schwerer lösliche Salze als die Alkalimetalle (z.B. CaCO₃ ist unlösl. in
Wasser, während Na₂CO₃ gut löslich ist). Härtebildner im Wasser
sind Ca²⁺/Mg²⁺ (verantwortlich für Kalkbildung). Calcium- und
Magnesium-Verbindungen sind für Lebewesen essenziell (Knochen, Signalionen
Mg²⁺ in Chlorophyll). Strontium und Barium zeigen charakteristische
Flammenfärbungen (Sr karminrot, Ba grün). Technisch wichtige Vertreter:
Calciumoxid (Branntkalk) zur Bauindustrie, Gips (CaSO₄) als Baustoff,
Magnesium in Leichtmetalllegierungen und als Reduktionsmittel in der
Chemie. Barium wird in Feuerwerken (Grün) und früher in Radiologie („Bariumschluck“,
BaSO₄ als kontrastmittel) verwendet. Beryllium hat spezielle Anwendungen
in Röntgentechnik (Fenster für Strahlenaustritt) und als Legierung (Cu-Be)
– ist aber hochtoxisch (Berylliose-Gefahr).
- Übergangsmetalle
(d-Block, Nebengruppen): Dies ist eine große
Klasse (Gruppen 3–12), die Metalle mit teilweise besetzten
d-Orbitalen umfasst. Ihre Eigenschaften sind vielfältig, teilen aber
einige Merkmale: Sie sind meist glänzende, relativ reaktive Metalle mit
guter Leitfähigkeit. Viele können variable Oxidationsstufen annehmen (weil
sowohl s- als auch d-Elektronen bindend eingesetzt werden können). Dadurch
bilden Übergangsmetalle farbige Komplexe (d-d-Übergänge) und fungieren oft
als Katalysatoren (durch wechselnde Oxidationsstufen auf der
Oberfläche). Beispiele: Eisen, Kobalt, Nickel sind ferromagnetisch und
bilden das „Eisen-Trio“. Kupfer, Silber, Gold (Gruppe 11,
„Münzmetalle“) sind edel und duktil, mit hoher Leitfähigkeit – Gold und
Kupfer haben Farben (gelb, rot) wegen relativistischer Effekte in der
d-Schale. Übergangsmetalle bilden Legierungen miteinander (Stahl =
Fe+C+Cr+Ni+…), mit teils deutlich veränderten Eigenschaften. Chemisch
zeigen sie oft komplexe Koordinationschemie: z.B. bildet Eisen
[Fe(CN)_6]^3– / ^4–, Kupfer [Cu(H₂O)_6]^2+ (blau), Chrom [Cr_2O_7]^2–
(orange) usw. Viele Übergangsmetallverbindungen sind paramagnetisch
(aufgrund ungepaarter d-Elektronen). Gruppentrends: In einer Periode
nehmen zuerst die Metalle härter/hochschmelzend zu (Maximum meist um
Gruppe 6–7, z.B. höchster Smp. bei W, 3422 °C) und danach wieder
ab. In den Gruppen nach unten hin werden Metalle generell weicher und
duktiler (z.B. 4d/5d sind oft schwerer, aber edler: Gold vs. Kupfer). Katalytisch
sind viele wichtig: Nickel/Platin/Palladium für Hydrierungen, V₂O₅ im Schwefelsäure-Prozess,
Fe in Haber-Bosch-Ammoniaksynthese, Rh/Pt in Autokatalysatoren[66]. Übergangsmetalle haben meist höhere Schmelzpunkte als s-Block
(Ausnahme Hg schmilzt bei -39 °C, wegen voll besetzter 5d^10 und
relativistischen Effekten, daher flüssig).
- Lanthanoide
(Lanthan bis Lutetium, f-Block der 6. Periode):
Oft als „Seltene Erden“ bezeichnet, sind dies 15 Elemente (Z=57–71) mit
[Xe]4f^n5d^0 6s^2 (bzw. teilweise 5d^1 bei La, Gd, Lu). Sie sind alle
relativ reaktive Metalle, die an Luft trüben und in Säuren unter
H₂-Bildung reagieren. Chemisch ähneln sie einander stark, da sich
hauptsächlich die 4f-Orbitale auffüllen, welche ineffektiv abschirmen –
die resultierende Lanthanoid-Kontraktion führt dazu, dass
Ionengrößen von La³⁺ (103 pm) bis Lu³⁺ (86 pm) kontinuierlich
abnehmen[67]. In Verbindungen liegt meist +3 vor; einige zeigen auch +2
(Europium, Ytterbium) oder +4 (Ce, Tb) in besonderen Stabilitätsfällen.
Aufgrund der ähnlichen Eigenschaften sind sie schwer zu trennen – erst
moderne Ionenaustausch- und Lösungsmittelextraktionstechniken ermöglichten
die Isolierung jedes Elements. Anwendungen: Mischmetall (Feuerstein
in Feuerzeugen) enthält Cer und andere Lanthanoide, die Funken schlagen.
Europium- und Terbiumverbindungen dienen als rote bzw. grüne Phosphore in
Bildschirmen/Leuchtstoffröhren[68]. Neodym zusammen mit Eisen und Bor ergibt extrem starke
Dauermagnete (Nd_2Fe_14B), unverzichtbar in Motoren, Windkraftgeneratoren
etc.[63]. Lanthanoide werden auch als Katalysatoren (z.B. im „Fluid
Catalytic Cracking“ in Erdölraffinerien, Zeolithe mit Lanthan) verwendet.
Glas und Keramik werden mit CeO₂, La₂O₃ etc. dotiert (UV-Schutz, Erhöhung
Brechungsindex für Kameraoptiken). Einige Lanthanoide haben nukleare
Anwendungen (z.B. Europium als Neutronenabsorber in Steuerstäben).
Insgesamt sind die Seltenen Erden strategisch wichtige Rohstoffe für
Hochtechnologie (Magnete, Leuchtstoffe, Legierungen, Akkus). Ihre
Toxizität ist moderat (vergleichbar schweren Metallen), und biologisch
haben sie keine bekannte Funktion.
- Actinoide
(Actinium bis Lawrencium, f-Block der 7. Periode):
Dies sind 15 Elemente (Z=89–103), von denen nur die ersten vier (Th, Pa,
U, Np in Spuren) nennenswert in der Natur vorkommen – alle schwereren
werden künstlich erzeugt. Actinoide sind alle radioaktiv. Chemisch
sind insbesondere die frühen Actinoide (Th bis Pu) noch vielfältig in
Oxidationsstufen (z.B. Uran +3 bis +6, Plutonium +3 bis +7), während die
späteren (ab Cm) überwiegend +3 zeigen und Lanthanoiden ähneln. Uran
(Z=92) ist das bekannteste Actinoid: natürliches Uran (hauptsächlich ^238U,
HWZ 4,5 Mrd. Jahre) dient als Kernbrennstoff in Reaktoren und in
Kernwaffen (angereichert an ^235U). Plutonium (Z=94, ^239Pu HWZ
24.000 J) entsteht in Reaktoren aus ^238U und ist ebenfalls
waffentauglich; es ist ein starkes α-Nuklid und hoch radiotoxisch. Thorium
(Z=90) kommt in Monazit vor und wird als möglicher Brennstoff
(Thoriumzyklus) diskutiert, da ^232Th durch Neutronen in spaltbares ^233U
umgewandelt werden kann. Die Actinoide sind metallisch, teils sehr
elektropositiv (z.B. Actinium ähnelt den Erdalkalien), oft aber mit
mehreren oxidationstufen und komplexer Koordinationschemie (Uran bildet
z.B. Uranyl-Oxo-Kationen UO_2^2+). Sie bilden schwer lösliche Hydroxide
und Fluoride (ähnlich Lanthanoiden). Actinium selbst und
Transactinoide nach Plutonium haben weniger technische Anwendungen,
hauptsächlich wissenschaftliche (Produktion von Superheavies,
^<sup>252</sup>Cf als Neutronenquelle,
^<sup>241</sup>Am in Rauchmeldern). Das Verhalten der
spätesten Actinoide (No, Lr) markiert den Übergang zum d-Block der 7.
Periode (Lawrencium hat [Rn]5f^14 7s^2 7p^1 möglicherweise, analog zum d^1
bei Lutetium). Mit steigender Kernladungszahl nehmen relativistische
Effekte stark zu, die Actinoid-Reihe zeigt bereits Abweichungen: z.B. ist
das chemische Verhalten von Rutherfordium (Z=104) und Dubnium (105)
überraschenderweise actinoid-ähnlicher als von ihren leichten Homologen
Hafnium und Tantal[69].
- Halogene
(Gruppe 17): Fluor, Chlor, Brom, Iod (und
das kurzlebige Astat sowie das künstliche Tenness). Diese Nichtmetalle
haben die Valenzkonfiguration ns^2 np^5 und neigen stark dazu, ein
Elektron aufzunehmen, um die Edelgaskonfiguration zu erreichen – daher
treten sie in Verbindungen meist als -I (Anion) auf. Im elementaren
Zustand kommen Halogene als zweiatomige Moleküle X₂ vor, mit stechendem
Geruch und hoher Reaktivität. Fluor und Chlor sind Gase, Brom eine
Flüssigkeit, Iod ein Feststoff (dieser Trend mit steigender molarer
Masse). Ihre Elektronegativitäten sind sehr hoch (F=3,98, Cl=3,16,
Br=2,96, I=2,66) und Ionisierungsenergien ebenfalls relativ hoch. Sie
reagieren heftig mit Metallen (Salzbildung: z.B. 2 Na + Cl₂ →
2 NaCl) und ziehen in kovalenten Bindungen Elektronen stark an
(polare Bindungen). Halogene sind starke Oxidationsmittel: Fluor
kann fast alle Elemente oxidieren, Chlor oxidiert Bromide und Iodide zu
den freien Halogenen (daher Gewinnung von Brom/Iod durch Cl₂-Einleiten in
Salzsole). In Wasser lösen sich Cl₂, Br₂, I₂ unter teilweise
Disproportionierung (Halogen + H₂O -> Halogenwasserstoff +
Hypohalogenige Säure). Die Halogenwasserstoffe (HF, HCl, HBr, HI) sind
starke Säuren (HF ausgenommen wegen starker H-Bindungen in Wasser) – HCl
etc. dissoziieren vollständig. Anwendungsbeispiele: Chlor zur
Wasserdesinfektion und Bleichung; Fluoride im
Trinkwasser/Kariesprophylaxe; Bromverbindungen als Flammschutz; Iod in der
Medizin als Desinfektionsmittel (Iodtinktur) und essenzielles
Spurenelement (Schilddrüsenhormon Thyroxin enthält Iod). Iod wird in der
Stärkereaktion (Lugolsche Lösung) als Nachweis genutzt (Blaufärbung mit
Amylose). Fluor als elementares Gas ist äußerst gefährlich (ätzt Glas,
reagiert explosionsartig mit Organik). Insgesamt nimmt die Reaktivität der
Halogene in der Reihenfolge F > Cl > Br > I ab, parallel sinkt
die Oxidationskraft (Fluor kann Iodid zu Iod oxidieren, Iod kann keine
Bromide/Chloride oxidieren). Astat (At, Z=85) ist radioaktiv und so
kurzlebig, dass seine Chemie kaum erforscht ist – vermutlich ein festes,
metallähnliches Halogen. Tenness (Ts, Z=117) existiert nur atomweise in
Experimenten.
- Edelgase
(Gruppe 18): Helium, Neon, Argon, Krypton,
Xenon, Radon (und das künstliche Oganesson). Sie haben eine volle
Valenzschale (ns^2 np^6, Helium 1s^2) und sind dadurch energetisch
sehr stabil und kaum geneigt, chemische Bindungen einzugehen. Folglich
sind Edelgase einatomige Gase, farb- und geruchlos, mit extrem
niedrigen Siede- und Schmelzpunkten (steigend mit Atommasse: He bleibt bis
4 K flüssig, Radon siedet bei ~211 K). Ihre Ionisierungsenergien
gehören zu den höchsten überhaupt (Ne ~21,6 eV, Ar 15,8 eV etc.),
entsprechend sind sie sehr schwer zu ionisieren oder zu reaktivieren. Bis
1962 galten alle Edelgase als völlig inert, dann gelang Neil Bartlett die
Synthese von Xenonhexafluoroplatinat (Xe[PtF_6]) – die erste
Edelgasverbindung. Insbesondere Xenon (und in geringerem Maße Krypton)
bildet tatsächlich einige Fluor- und Sauerstoffverbindungen: z.B. XeF₂,
XeF₄, XeF₆, XeO₃, XeO₄, XeOF₄; KrF₂; Radonfluoride sind vermutet/teilweise
nachgewiesen, jedoch Radon ist hochradioaktiv (HWZ von ^222Rn ~3,8 Tage,
ein Zerfallsprodukt von Uran, bedeutend als gesundheitliches Risiko in
Gebäuden). Helium und Neon bilden keine stabilen Verbindungen. Edelgase
finden vielfältige Verwendung aufgrund ihrer Inertheit: Helium für
Tieftemperaturkühlung (Supraleiter), Ballonfüllung und als Schutzgas bei
empfindlichen Atmosphären (z.B. Schutzgas-Schweißen, allerdings häufiger
Ar wegen Kosten). Argon ist das häufigste Edelgas in Luft (0,93 %),
es wird in Glühbirnen, als Schutzgas beim Schweißen und in Chemie
(Schlenk-Technik) eingesetzt. Neon füllt Leuchtröhren (rote Neonröhren)
und ist Kältemittel. Xenon wird in Blitzlampen,
Hochleistungs-Kurzbogenlampen und als Narkosegas (teuer, aber sehr gut
narkotisierend) genutzt. Radon wurde früher in Radontherapie (Bäder)
angewandt, ist aber als Alphastrahler krebserregend (Lungenkrebsgefahr in
schlecht gelüfteten Kellern über uranhaltigem Boden). Oganesson (Og,
Z=118) wurde 2002/2006 synthetisiert und existiert nur für Millisekunden –
es könnte aufgrund relativistischer Effekte weniger inert sein als die
leichteren Edelgase und vielleicht fest bei Raumtemperatur (Prognosen unsicher).
Insgesamt sind Edelgase aufgrund ihrer abgeschlossenen Schale die am
wenigsten reaktiven aller Elemente und dienen oft als „Neutralgase“ in
Experimenten.
Periodische
Trends und physikalisch-chemische Erklärungen
Atomradius: Der Atomradius eines Elements
zeigt über das Periodensystem einen klaren Trend: Innerhalb einer Periode nimmt
er von links nach rechts deutlich ab[70],
da mit jeder Zunahme der Kernladung (Protonenzahl) die Elektronen in derselben
Schale stärker angezogen werden und der effektive Kernladungsschirm nur
unvollständig wirkt. So ist z.B. der Kovalenzradius von Lithium (152 pm) wesentlich
größer als der von Fluor (≈57 pm) in der zweiten Periode. Beim Übergang
zur nächsten Periode springt der Radius sprunghaft größer, weil ein
neues, weiter vom Kern entferntes Elektronenschale besetzt wird[70].
Beispielsweise hat Natrium (n=3) einen deutlich größeren Radius als Neon (n=2),
obwohl Natrium eine höhere Kernladung hat – die neue 3s-Schale dominiert hier.
Innerhalb einer Gruppe (von oben nach unten) nehmen die Atomradien zu,
da jeweils eine weitere Schale hinzukommt. Allerdings ist die Zunahme nicht
streng additiv; durch die Lanthanoidenkontraktion schrumpfen die Radien
der Elemente nach den Lanthanoiden etwas stärker als erwartet – daher sind z.B.
Zr und Hf fast gleich groß[67].
Der Atomradius beeinflusst vielfältige Eigenschaften: Große Atome (z.B. Cs)
haben schwächer gebundene Valenzelektronen und daher niedrigere
Ionisierungsenergien und höhere Reaktivität (Cs>Na). Kleine Atome (z.B. F,
O) ziehen Elektronen stark an (hohe Elektronegativität) und bilden kurze,
starke Bindungen.
Ionisierungsenergie: Die erste
Ionisierungsenergie (IE₁, benötigte Energie, um das äußerste Elektron zu
entfernen) zeigt parallel zum Atomradius entgegengesetzte Trends: Sie steigt
innerhalb einer Periode von links nach rechts an[70],
da die abnehmenden Radien und steigende Kernladung die Elektronen fester
binden. So hat ein Edelgas am Periodenende die höchste IE (z.B. Ne
21,6 eV, Ar 15,8 eV), während ein Alkalimetall am Periodenanfang die
niedrigste IE besitzt (Na 5,1 eV, K 4,3 eV)[59][61].
Innerhalb einer Gruppe nimmt die Ionisierungsenergie ab, da die
Valenzelektronen in höheren Schalen weiter vom Kern entfernt sind und
effektiver abgeschirmt werden – Beispiel: IE₁ von Li 5,39 eV vs. Cs
3,89 eV. Einige Ausnahmen treten auf, wo die IE nicht streng
monoton verläuft: z.B. ist die IE von Be (2s^2) höher als von B (2s^2 2p^1),
weil das erste p-Elektron leichter zu entfernen ist als ein voll besetztes
s-Paar. Ebenso hat N (halbgefülltes 2p^3) eine höhere IE als O (2p^4), da bei O
die Elektronenabstoßung in einem doubly besetzten p-Orbital die Abtrennung
erleichtert. Solche kleinen Anomalien bestätigen die Rolle der
Elektronenkonfiguration. Die Ionisierungsenergie bestimmt maßgeblich das Metall-
oder Nichtmetall-Verhalten: Niedrige IE (Metalle) führen zur leichten
Bildung von Kationen, hohe IE (Nichtmetalle) begünstigen eher
Elektronenaufnahme als Abgabe.
Abb. 2: Periodischer Verlauf der ersten
Ionisierungsenergie (in eV) in Abhängigkeit von der Ordnungszahl. Deutlich
erkennbar sind die periodischen Spitzen bei den Edelgasen (volle Schale,
besonders hohe Ionisierungsenergie) und die Tiefpunkte bei den Alkaliemetallen
(ein Valenzelektron, leicht entfernbar)[65].
Innerhalb jeder Periode steigt die Ionisierungsenergie zunächst steil an und
fällt an ihrem Ende (p^4 -> p^5 -> p^6) etwas weniger stark an. Beim
Sprung zur nächsten Periode sinkt sie drastisch, da ein neues, weiter außen
liegendes Elektron einfacher zu entfernen ist. Diese periodische
Zickzack-Struktur der Ionisierungsenergien untermauert direkt das Konzept der
Elektronenschalen und Unterschalen.
Elektronegativität: Die Elektronegativität (EN
nach Pauling) misst die Tendenz eines gebundenen Atoms, Bindungselektronen an
sich zu ziehen. Ihr Trend folgt im Wesentlichen dem der Ionisierungsenergie:
Sie steigt in der Periode von links (elektropositive Metalle) nach rechts
(elektronegative Nichtmetalle) an und fällt in der Gruppe von oben nach unten
ab. Fluor mit EN=3,98 ist das elektronegativste Element, danach kommen O
(3,44), Cl (3,16) usw. Die niedrigsten Werte haben die Alkalimetalle (Cs ~0,79)
und Erdalkalimetalle. Edelgase bekommen in vielen Skalen keinen EN-Wert
zugewiesen, da sie kaum Verbindungen eingehen (in neueren Definitionen können
schwere Edelgase allerdings auch eine EN haben – z.B. Xe ~2,3 in
Sanderson-Skala). Die Elektronegativitätsdifferenz zweier bindender Atome
bestimmt den Bindungstyp: große ΔEN (>1,7) führt zu ionischen
Bindungen (z.B. NaCl), mittlere ΔEN zu polar-kovalenten Bindungen (H_2O), ΔEN=0
zu apolar-kovalent (Cl_2, CH_4 approximativ). Die Höchstwerte rechts oben im
PSE erklären, warum z.B. O, N, F in Verbindungen negative Partialladungen
tragen und z.B. H daran positiv polarisiert ist (daher Wasserstoffbrücken in
H₂O, NH₃, HF). Metallische Bindungen hingegen treten eher bei niedrigen EN und
geringer ΔEN auf (z.B. zwischen gleichartigen Metallatomen, oder Legierungen
mit ΔEN < ~0,5). EN ist kein direkt messbares atomresiduum, aber aus
thermochemischen Daten abgeleitet; daher gilt der Trend mit wenigen
Unregelmäßigkeiten (etwa Ga vs. Al wegen d-Elektronen Einfluss, etc.). Insgesamt
spiegeln hohe EN eine große Kernanziehungskraft auf Valenzelektronen wider –
was im PSE auf kleine, kernladungsstarke Atome zutrifft (oben rechts).
Metall- und Nichtmetall-Charakter: Im PSE
lassen sich eine Metall-Nonmetall-Grenze diagonal ziehen, beginnend
zwischen Bor und Aluminium und fortsetzend zwischen den Elementen, die als sog.
Halbmetalle (Metalloide) gelten: z.B. B, Si, Ge, As, Sb, Te, Po. Links
unten vom Zickzack liegen die Metalle: sie haben tendenziell große
Radien, niedrige Ionisierungsenergien und EN, bilden leicht Kationen, sind
elektrische Leiter, verformbar und glänzend. Rechts oben liegen die Nichtmetalle:
kleine Radien, hohe IE und EN, treten oft als Moleküle auf (H₂, O₂, S₈ etc.),
isolieren elektronisch und bilden eher Anionen oder kovalente Bindungen. Dieser
Übergang ist nicht scharf – die Halbmetalle (z.B. Silicium, Germanium)
zeigen Zwischenverhalten: sie sind halbleitend, mechanisch spröde aber
kristallin-glänzend. Die chemische Periodizität spiegelt sich darin, dass
entlang einer Periode der metallische Charakter abnimmt (Na->Mg->Al sind
Metall, Si Halbmetall, P->S->Cl->Ar Nichtmetalle). In den Gruppen
nimmt der metallische Charakter zu – z.B. ist in Gruppe 15 Stickstoff/N
ein Nichtmetall, Phosphor auch, Arsen Halbmetall, Antimon überwiegend
metallisch, Bismut ein Metall (wenn auch schwach). Ein Spezialfall ist Wasserstoff:
es steht über den Alkaliemetallen, ist aber ein Nichtmetall (einziges Element,
das bei Normalbedingungen als Gas vorkommt in dieser Spalte). Hydrogen besitzt
eine Ein-Elektron-Konfiguration wie Alkali, aber eine Ionisierungsenergie
(13,6 eV) ähnlich Halogenen – es kann Elektron abgeben (H⁺ in Säuren) oder
aufnehmen (H⁻ in Metallhydriden). Daher ordnet man H oft separat ein. Insgesamt
trennt das Periodensystem die Elemente nach dieser metallischen
Charakter-Diagonale; Oxide illustrieren das: Metalloxide sind basisch
(z.B. Na₂O -> NaOH in Wasser), Nichtmetalloxide sind sauer (P₄O₁₀ ->
H₃PO₄), Halbmetalloxide oft amphoter (z.B. Al₂O₃, ZnO lösen sich in Säuren und Basen).
Oxidationsstufen und Wertigkeit: Die
Gruppennummer entspricht bei Hauptgruppenelementen in der Regel der Maximalwertigkeit
in Verbindungen (ausgenommen bei Nichtmetallen, wo oft 8-Gruppe die maximale
Oxidationszahl ergibt nach der Oktettregel). Z.B. Kohlenstoff
(Gruppe 14) hat maximale Oxidationszahl +4 (CO₂) und minimale -4 (CH₄).
Für Stickstoff (Gr. 15) ist +5 (HNO₃) maximal und -3 (NH₃) minimal. In einer
Gruppe zeigen die leichten Elemente oft zusätzlich multivalenz, während
die schweren vermehrt eine bestimmte stabile Stufe bevorzugen (Inertpaar-Effekt
etwa: Pb und Bi haben stabile +2, +3 Zustände und +4,+5 sind weniger stabil, im
Gegensatz zu C in +4, N in +5). Übergangsmetalle haben variable
Oxidationsstufen, oft korrespondierend mit (n-1)d und ns-Elektronenabgabe.
Innerhalb einer Serie erreichen die mittleren oft höhere Ox.zahlen (z.B. Mn +7
in Permanganat, während Cr max +6, Fe max +6 im FeO₄^2– instabil, Co max +3
stabil). Lanthanoide/Actinoide meist +3, aber frühe Actinoide können +4,+5,+6,+7
(Uran +6 als UO_2^2+).
Periodizität weiterer Eigenschaften: Viele
andere atomare Eigenschaften schwingen periodisch mit ähnlicher Frequenz: Elektronenaffinität
(Aufnahme eines Elektrons) ist meist bei Halogenen am größten (z.B. Cl höchste
EA, edelgase haben EA < 0 quasi), bei Alkali gering oder leicht endotherm. Schmelz-
und Siedepunkte zeigen komplizierte Trends, da Bindungsarten wechseln: In
der Mitte des d-Blocks oft hohe Schmelzpunkte (starke metallische Bindungen mit
vielen delokalisierten e⁻), bei Edelgasen ganz rechts niedrige (nur
Van-der-Waals). In der 2. Periode nehmen Smp. von Li zu C zu (C hat sehr hoch
wegen Netzwerk), dann fallen bei N,O,F tief (molekulare Substanzen). Dichte
steigt im Allgemeinen mit steigender Ordnungszahl in einer Periode (schwerere
Atome in ähnlichem Volumen), jedoch Einfluss der Kristallstruktur und Packung.
In einer Gruppe nimmt Dichte stark zu (Os iridium sind z.B. dichteste wegen
viele Protonen in relativ kleinem Atomradius). Härte: starke kovalente
Netzwerke (C Diamant, B, SiC) sind extrem hart; Übergangsmetalle mittig sind
hart (W, Cr), Alkali/Erdalkali weich.
Zusammenfassend erklärt das Atommodell – insbesondere die
Schalenstruktur und die Auffüllung der Orbitale – qualitativ die beobachteten
Trends im Periodensystem. Das regelmäßige Wiederkehren ähnlicher
Konfigurationen führt zu ähnlichen chemischen Eigenschaften (Gruppenverhalten),
während der systematische Unterschied in Kernladung und Schalenanzahl die
graduellen Änderungen innerhalb einer Periode bzw. Gruppe verursacht[70].
Diese einfachen Trends können allerdings von relativistischen Effekten
bei schweren Elementen etwas modifiziert werden: z.B. bewirkt die hohe
Kernladung in Gold (Z=79) eine Kontraktion und Energiesenkung der 6s-Orbitale
(relativistische Massenvergrößerung schneller Elektronen nahe dem Kern), was
zur ungewöhnlichen gelben Farbe und hohen Edelheit von Gold beiträgt (Au hat
eine höhere Ionisierungsenergie und geringere reaktivität als analoges Ag).
Ebenso führt die Lanthanoidenkontraktion dazu, dass 5d- und 6d-Elemente
kleinere Radien haben als durch rein klassisches Modell erwartet, was in
Gruppen wie 4 und 5 die Elemente Hf/Ta nahezu gleich groß wie Zr/Nb macht.
Trotz solcher Feinheiten bleibt das Periodensystem ein mächtiges Werkzeug, um
die Eigenschaften der Elemente im Voraus abzuschätzen und systematisch zu
verstehen[69].
Theoretische
Grundlagen: Atommodelle und Periodizität
Die periodischen Eigenschaften der Elemente lassen sich durch die quantentheoretische
Struktur der Atome erklären. Bereits das Bohrsche Atommodell (1913)
verband die Spektrallinien des Wasserstoffs mit diskreten Elektronenschalen.
Niels Bohr postulierte, dass Elektronen nur bestimmte stabile Bahnen
(n=1,2,3,…) um den Kern einnehmen können und beim Wechsel zwischen diesen
Bahnen strahlungsquantensprünge auftreten. Dieses Modell konnte die Periodizität
zunächst qualitativ deuten: Die erste Periode (H, He) füllt die erste Schale
(K-Schale, n=1) auf; die zweite Periode beginnt, wenn ein Elektron die zweite
Schale (L-Schale, n=2) besetzt usw. – daher 2, 8, 8… Elektronen pro Schale
(nach dem Bohrschen Modell 2n² maximale Elektronen). Henry Moseleys Entdeckung
der Ordnungszahl als Ordnungsprinzip untermauerte dies[5],
doch Bohrs Modell stieß bei Mehr-Elektronen-Atomen an Grenzen.
Die moderne Quantenmechanik (Heisenberg, Schrödinger 1925/26)
erklärte die Elektronenstruktur über Wellenfunktionen und Quantenzahlen.
Jedes Elektron in einem Atom wird durch ein Satz Quantenzahlen (n, l, m, s)
charakterisiert. Die Hauptquantenzahl n (1,2,3…) entspricht den Schalen
(K, L, M,…). Die Nebenquantenzahl l (0,…,n-1) definiert die Orbitale
(Form des Aufenthaltsraums): l=0 = s-Orbital (kugelsymmetrisch), l=1 =
p-Orbital (hantelförmig, dreifach entartet in Ausrichtung), l=2 = d-Orbital
(vierblättrig etc., fünffach entartet), l=3 = f-Orbital (komplizierte Form,
siebenfach entartet)[71][72].
Die magnetische Quantenzahl m (-l…+l) unterscheidet die Orientierung der
Orbitale. Schließlich der Elektronenspin s (±½) besagt, dass jedes
Orbital zwei Elektronen maximal aufnehmen kann (Pauli-Prinzip[73]).
Diese Prinzipien erklären das Auffüllen der Orbitale nach steigender Energie (Aufbauprinzip):
beginnend bei 1s, dann 2s, 2p, 3s, 3p, 4s, 3d, 4p, 5s… (Madelung-Regel:
Orbitale mit niedrigem n+l zuerst, bei Gleichheit niedriges n zuerst). Irving
Langmuir erkannte 1919, dass die Gruppe 18-Elemente eine Oktett-(8e⁻)-Konfiguration
in der Valenzschale haben und daher inert sind[74],
während andere Elemente nach dieser Edelgas-Konfiguration streben –
diese Oktettregel behält in der chemischen Bindungslehre für
Hauptgruppenelemente Gültigkeit (mit Ausnahmen für 3. Periode und höher, die
Oktett-Erweiterungen zulassen).
Durch das quantenmechanische Verständnis lassen sich viele Phänomene
des Periodensystems rationalisieren:
- Die Länge der
Perioden entspricht der Zahl der Orbitale in der jeweiligen Schale:
Periode 1 hat nur das 1s-Orbital (2 Elemente); Periode 2 hat 1s
bereits voll, füllt 2s und 2p (insgesamt 4 Orbitale ×2 e⁻ = 8 Elemente);
Periode 4 hat 4s, 3d, 4p (9 Orbitale = 18 Elemente); Periode 6
hat 6s, 4f, 5d, 6p (16 Orbitale = 32 Elemente)[9]. Dabei wird ersichtlich, warum Lanthanoide und Actinoide separate
Reihen bilden: Sie gehören eigentlich zur 6. bzw. 7. Periode und füllen
die f-Orbitale (l=3 mit 7 Orientierungen) auf. Ihre Chemie ähnelt sich
stark, weil 4f-/5f-Orbitale energetisch nah beieinander liegen und meist
nicht stark an der Bindung teilnehmen (besonders 4f), weshalb alle
Lanthanoide überwiegend +3 ergeben.
- Das Periodengesetz
– Eigenschaften wiederholen sich nach bestimmten Abständen – folgt daraus,
dass Elektronenkonfigurationen sich wiederholen. Beispielsweise haben Ne
(2s^2 2p^6), Ar (3s^2 3p^6), Kr (4s^2 3d^{10} 4p^6) etc. alle
abgeschlossene Schalen und daher ähnlich inert. Ebenso Li (2s^1), Na
(3s^1), K (4s^1) teilen Konfiguration ns^1 und verhalten sich als
Alkalimetalle analog. Allerdings gibt es feine Unterschiede, z.B. der Schrägbeziehung:
Lithium ähnelt in manchem Magnesium mehr als dem weiter unten stehenden
Natrium; das kommt daher, dass Li^+ und Mg^2+ ähnliche Ladungsdichte
besitzen (wegen Lanthanoidenkontraktion sinkt Mg^2+ Radius stark). Solche
Diagonalbeziehungen existieren auch zwischen Be/Al, B/Si etc. und werden
durch das Zusammenspiel aus Ladung und Radius erklärt[75].
- Valenz und
Bindigkeit: Die Gruppennummer entspricht der
Anzahl der Valenzelektronen. Elemente tendieren dazu, so viele Bindungen
zu formen, bis ihre Valenzschale voll ist (Oktett bei C,N,O…; Duett bei H,
He). Deswegen hat z.B. Kohlenstoff (4 Valenzelektronen) vierbindigkeit in
Methan, Stickstoff (5 e⁻) drei (wie in Ammoniak, mit einem freien
Elektronenpaar), Sauerstoff (6 e⁻) zwei Bindungen (Wasser, zwei freie
Paare). Höhere Perioden können aber auch Valenzüberschreitung
zeigen, indem d-Orbitale mitgenutzt werden (z.B. P in PF_5 nutzt
3d-Orbitale, hat 10 Valenzelektronen). Solche Phänomene werden durch das
Orbitalmodell besser verstanden als mit starren Oktettregeln.
- Magnetische
Eigenschaften: Ungepaarte Elektronen (z.B. in
Halbbesetzung) führen zu Paramagnetismus, gepaarte zu Diamagnetismus. Dies
lässt sich direkt aus den Elektronenkonfigurationen ableiten (z.B.
O₂-Molekül ist paramagnetisch laut MO-Theorie, was experimentell stimmt;
im Periodensystem sind einzelne Atome O paramagnetisch wegen 2p^4 mit zwei
ungepaarten).
- Relativistische
Effekte (aus der Dirac-Gleichung) werden für sehr
schwere Elemente bedeutend: Die inneren s-Orbitale kontrahieren und
stabilisieren (da ihre Elektronen hohe Geschwindigkeit nahe c erreichen in
Kernnähe), was z.B. 6s in Gold runterzieht. Dadurch sind 5d-Elektronen von
Gold etwas weniger gebunden (relativistische Entschirmung) – Gold hat eine
unvollständige d-Schale mit Übergängen im sichtbaren Bereich (daher gelbe
Farbe), im Gegensatz zu Silber. Ebenso erklärt dies, warum Blei (6s^2
6p^2) im Gegensatz zu C, Si, Ge, Sn bevorzugt +2 statt +4 bildet: die
6s-Elektronen sind so stabil (Inert pair), dass Pb(II) (nur 6p-Bindung)
häufiger ist als Pb(IV). Im Periodensystem führen diese Effekte zu
Abweichungen der erwarteten Trends in der 6. und 7. Periode[69][65]. Beispielsweise ist Flerovium (Fl, Z=114) ein Element der
C-Gruppe, aber es scheint sich in ersten Experimenten eher wie ein
Edelmetall zu verhalten (sehr geringe Reaktivität)[76] – vermutlich wegen starker relativistischer Stabilisierung der
7s- und 7p-Orbitale.
Atomkern und Radioaktivität: Während die
Elektronenhülle die Chemie bestimmt, zeigt sich Periodizität auch im
Kernverhalten: Protonenzahlen steigen linear, aber stabile Isotope
existieren nur in gewissen Bereichen. Jenseits von Bismut (Z=83) sind alle
Elemente radioaktiv (Polonium und schwerer). Einige leichte Elemente zeigen
Anomalien: z.B. Technetium (Z=43) und Promethium (Z=61) haben keine stabilen
Isotope – erklärt durch Kernstruktur (magische Zahlen etc.). Im Periodensystem
sind diese Lücken markant, da dort in natürlichen Häufigkeiten technetium und
promethium praktisch fehlen (Tc kommt nur als Spaltprodukt oder minimal in
Uranerzen vor[77]).
Die Synthese immer schwererer Elemente in Teilchenbeschleunigern
(Transactinoide) ist ebenfalls begrenzt durch Kernstabilität. Theoretische
Modelle sagen ein mögliches Ende der Periodentafel bei um Z~170 voraus, wo
keine gebundenen Kerne mehr existieren können[78].
Dazwischen wird eine mögliche „Insel der Stabilität“ um Z=114/N=184 etc.
vermutet, bei der gewisse Superheavy Isotope wieder längere Halbwertszeiten
hätten (vielleicht Sekunden oder Jahre), was experimentell aber noch nicht
eindeutig bestätigt ist – erste Indizien sind die vergleichsweise „längeren“
HWZ von ^285Fl (~0,8 s) oder ^293Lv (~60 ms).
Periodensystem und Bindungsarten: Der Platz
eines Elements im PSE gibt Hinweise auf sein Bindungsverhalten: Metalle links
neigen zu metallischer Bindung untereinander und zu ionischer Bindung
mit stark elektronegativen Partnern (Alkalimetall + Halogen -> Salz).
Nichtmetalle rechts oben bilden untereinander kovalente Bindungen (z.B.
O₂, N₂, organische Moleküle aus C,H,O,…). Zwischen sehr unterschiedlich positionierten
Elementen (links unten mit rechts oben) entstehen ionische Feststoffe (CsF,
CaO). Elemente diagonal benachbart (ähnliche EN) können auch kovalente Phasen
bilden (z.B. Siliziumcarbid SiC, eine hartes Kovalenznetzwerk, obwohl Si ein
Halbmetall und C ein Nichtmetall ist). Das PSE ist somit auch ein Kompass für
anorganische Strukturtypen: Oxide von Metallen sind ionisch (Na₂O –
Kristallsalzstruktur), von Halbmetallen polymer/netzwerkartig (SiO₂ – Quarz,
riesiges Netzwerk), von Nichtmetallen molekular (SO₂, CO₂ – flüchtige
Moleküle).
Anwendungsbereiche
und Bedeutung der Elemente
Die Vielfalt der Elemente spiegelt sich in unzähligen Anwendungen in
Industrie, Technik, Medizin und Forschung wider. Einige Elemente sind
allgegenwärtig in unserem Alltag (z.B. Aluminium in Verpackungen, Eisen im
Stahl von Gebäuden und Fahrzeugen, Kupfer in elektrischen Leitungen), während
andere nur in High-Tech-Nischen vorkommen (z.B. Gallium in Mikrochips, Indium
in Flachbildschirmen, Tantal in Kondensatoren). Im Folgenden werden nach
Bereiche geordnet einige wichtige Beiträge der Elemente hervorgehoben:
- Metallurgie und
Bauwesen: Eisen und Kohlenstoff in Form von Stahl
sind die Grundlage moderner Infrastruktur – vom Stahlbeton im Hochhaus bis
zum Schienen- und Brückenbau. Andere strukturgebende Metalle sind
Aluminium (Leichtbau in Verkehrsmitteln, Fensterrahmen), Kupfer
(Dachdeckungen, Installationsrohre neben seiner elektrischen Rolle),
Magnesium und Titan (wo hohe Festigkeit bei geringem Gewicht gefordert
ist, z.B. Luft- und Raumfahrt). Legierungselemente wie Chrom, Nickel,
Molybdän, Vanadium verleihen Stählen besondere Eigenschaften (Edelstähle,
Werkzeugstähle)[79]. Beton wiederum beruht auf Calcium (Calciumoxid im Zement als
Bindemittel, reagiert mit Wasser zu festem Calciumhydroxid-Silikat-Netz).
Glas besteht hauptsächlich aus Silicium (SiO₂, Quarz) mit Zusätzen von
Natrium, Calcium etc. Holz und andere biogene Baustoffe enthalten viel
Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff (Cellulosefasern).
- Energietechnik: Die chemischen Elemente spielen bei Energieerzeugung und
-speicherung eine Schlüsselrolle. In fossilen Brennstoffen reagieren
hauptsächlich Kohlenstoff und Wasserstoff mit Sauerstoff (Verbrennung zu
CO₂/H₂O setzt Energie frei). In Kernreaktoren erzeugen Uran oder Plutonium
durch Kernspaltung Wärme. Die Brennstoffzelle wandelt chemische Energie
von Wasserstoff (und Sauerstoff aus Luft) direkt in Strom um – dabei sind
Platin oder andere Katalysatoren beteiligt. Lithium ist essentiell für
moderne Batterietechnologie (Li-Ionen-Akkus in Elektronik und E-Fahrzeugen
nutzen die elektrochemische Reversibilität von Li⁺-Einlagerung in
Schichtstrukturen wie LiCoO₂). Seltene Erden wie Neodym sind nötig für
starke Permanentmagnete in Windturbinen und Elektroautos[68]. Solarzellen bestehen aus Silicium oder Verbindungshalbleitern
(CdTe, CIGS, GaAs), wo Elemente wie Cadmium, Tellur, Gallium, Indium eine
Rolle spielen. Thermische Solarkollektoren verwenden selektive Schichten
aus z.B. Titan- oder Chromoxiden. In der Fusionsforschung werden
Wasserstoffisotope (Deuterium, Tritium) als Brennstoff betrachtet.
- Elektronik und
Halbleiter: Die Halbleitertechnik basiert vor
allem auf Silicium – gereinigtes Silicium (dotiert mit Phosphor, Bor etc.
zur Einstellung der Leitfähigkeit) bildet die Chips für praktisch alle
elektronischen Geräte. Germanium war in frühen Transistoren wichtig, heute
nur noch in Spezialanwendungen. III-V-Verbindungshalbleiter wie
Galliumarsenid (GaAs), Indiumphosphid (InP) oder Galliumnitrid (GaN)
ermöglichen Hochfrequenzbauteile (Handyverstärker), Laser (z.B. in
CD-Laufwerken GaAs-Laser) und Leuchtdioden (GaN-basierte LEDs für weißes
Licht). Dünnschicht-Bildschirme (LCD, OLED) benötigen z.B.
Indium-Zinn-Oxid (ITO) als transparente Elektrode – Indium ist daher ein
kritisches Element. Moderne Ferroeletkikum-Speicher nutzen z.B.
Hafniumoxid. Leiterplatten enthalten Kupfer als Leiterbahnen. Widerstände,
Kondensatoren, Spulen sind oft Materialschlachten verschiedener Metalle
(Ni, Cr in Widerstandsdraht; Ta in Tantalkondensatoren – Tantal ist durch
Handys bekannt geworden). Seltene Erden wie Europium und Terbium
ermöglichen bunte Bilder in Bildröhren und Leuchtstoffröhren durch ihre
Fluoreszenz[68], heute teilweise ersetzt durch LED-Technik.
- Chemische
Industrie: Hier sind Katalysatoren ein Herzstück
– oft Übergangsmetalle. Eisenkatalysatoren fixieren jährlich
Millionen Tonnen Stickstoff zu Ammoniak (Haber-Bosch-Prozess)[80], der zu Dünger weiterverarbeitet wird – somit sichern Fe und
Promotoren (K_2O, Al_2O_3) indirekt die Ernährung der Menschheit
(Stickstoffdünger). Nickel, Palladium, Platin katalysieren Hydrierungen
(z.B. Fetthärtung: Ni) und Abgasreaktionen (Pt, Pd, Rh in
Kfz-Katalysatoren oxidieren CO zu CO₂ und reduzieren NO_x zu N₂)[66]. Titan(IV)-chlorid ist Ziegler-Natta-Katalysator zur
Polymerisation von Ethylen (Polyethylen-Kunststoff). V₂O₅ oxidiert SO₂ zu
SO₃ (Schwefelsäureproduktion). Zeolithe mit Lanthan werden im Cracken von
Erdöl eingesetzt (Benzinherstellung). Ohne solche Elemente als „stille
Helfer“ wären viele chemische Prozesse nicht effizient machbar. Rohstoffe:
Chlor (aus NaCl Elektrolyse) wird für unzählige Synthesen gebraucht
(PVC-Kunststoff aus Vinylchlorid, Lösungsmittel, Pharmazeutika). Schwefel
– gewonnen aus H₂S (Erdölentschwefelung) – wird zu Schwefelsäure
verarbeitet, dem „Blut der Chemie“. Phosphor aus Phosphatmineralen wird zu
Phosphorsäure und Phosphatdüngern, aber auch zu Flammschutzmitteln,
Lebensmitteladditiven etc. Natriumhydroxid (Lauge) und Sauerstoff (Luftzerlegung)
sind Massenchemikalien. Damit demonstriert jedes industrielle Verfahren
das orchestrierte Zusammenspiel vieler Elemente.
- Medizin und
Biologie: Zahlreiche Elemente sind für Organismen
essentiell (Bioelemente). Die Makronährstoffe C, H, O, N, P, S
bilden die Bausteine der Biomoleküle (Proteine, DNA, Lipide,
Kohlenhydrate). Metalle und Ionen: Na⁺, K⁺ regeln den
Wasserhaushalt und Nervensignale; Ca²⁺ festigt Knochen und dient als
Signalion; Mg²⁺ sitzt im Chlorophyll und aktiviert Enzyme; Fe²⁺/Fe³⁺ im
Hämoglobin bindet Sauerstoff im Blut; Zn²⁺ ist in vielen Enzymen (z.B.
Alkoholdehydrogenase); Cu⁺/Cu²⁺ in Cytochrom-c-Oxidase und in Hämocyanin
(Blut mancher Mollusken); Mo in bestimmten bakteriellen Enzymen
(Nitrogenase); Co im Vitamin B₁₂ (Cobalamin)[81]. Spurenelemente wie Iod (Bestandteil des
Schilddrüsenhormons Thyroxin) oder Selenium (Selenocystein in Enzymen)
sind ebenfalls unverzichtbar. In der Medizin werden auch nicht-biogene
Elemente genutzt: Kontrastmittel wie Bariumsulfat (Radiologie) oder
Gadolinium-Chelate (MRT) verbessern Diagnosen; Technetium-99m ist ein
wichtiger Radiodiagnostik-Tracer (Szintigraphie, z.B. Herz- oder
Knochenscan)[81][82] – es wird in ^99Mo/^99mTc-Generatoren täglich in Kliniken
gewonnen[83]. Lithiumsalze dienen psychiatrisch zur Behandlung bipolarer
Störungen. Platinverbindungen (Cisplatin, Carboplatin) sind potent
Anti-Tumor-Mittel (Chemotherapie, sie vernetzen DNA in Krebszellen).
Gold-Injektionen wurden bei Rheuma eingesetzt (heute weniger üblich). Das
radioaktive Cobalt-60 (γ-Strahler) wird in der Strahlentherapie
(Telekobalt-Geräte) eingesetzt, ebenso Radionuklide wie Yttrium-90
(Brachytherapie) oder Iod-131 (Schilddrüsenkrebs-Therapie). In der
Zahnmedizin nutzt man Elementquecksilber in Amalgam (heute rückläufig) und
Zirkonoxid-Keramik für Kronen, sowie Fluorid zur Kariesprophylaxe.
Reinstes Silicium findet sogar in Form von Biosensorchips Einzug ins
medizinische Monitoring.
- High-Tech und
Forschung: Gewisse Anwendungen erfordern seltene
Elemente: Indiumzinnoxid (Indium) ermöglicht Touchscreens und LCDs. Tantal
ist im Miniaturformat der Elektrolytkondensatoren unerlässlich – jedes
Smartphone enthält Tantalkondensatoren. Europium und Terbium leuchten in
Euro-Banknoten unter UV (Lumineszenzstoffe als Sicherheitsmerkmal) und in
Bildschirmen (Rot/Grün-Phosphor)[68]. Hafnium mit seinem hohen Neutroneneinfangsquerschnitt wird in
Kontrollstäben von Kernreaktoren verwendet (umgekehrt Zirkonium als
Hüllrohr wegen niedrigem Querschnitt). Spektakuläre Neuentwicklungen, wie Supraleiter
bei „hohen“ Temperaturen (~ -150 °C), funktionieren nur mit
speziellen Elementkombinationen (z.B. YBa₂Cu₃O_{7-x} – mit Yttrium,
Barium, Kupfer). Die Entdeckung neuer Elemente selbst (Transactinoide) ist
eine Anwendung an sich: Sie erfordert Teilchenbeschleuniger und Ziele aus
exotischen Isotopen wie Californium-249 oder Berkelium-249. Hier werden
Elemente wie Einsteinium in kernchemischen Labors erzeugt, um als
Ausgangsmaterial zur Synthese von z.B. Tenness (Z=117) zu dienen. In der
Weltraumtechnik nutzt man die thermoelektrische Spannung von Plutonium-238
(^238Pu) in RTGs als Energiequelle für Sonden (Voyager, Curiosity Rover).
Die Aufzählung ließe sich fortsetzen – praktisch jedes Element findet
in irgendeiner Branche eine Nische. Beispielsweise: Argon-Laser für Augen-OPs,
Neodym-Magnete in Kopfhörern, Tellur in neuartigen Phase-Change-Speichern,
Bismut als ungiftige Bleiersatz-Legierung (Fischerei-Gewichte, Schrot),
Gadolinium als Kontrastmittel, Osmiumtetroxid als Fixiermittel in der Mikroskopie,
Iridium in Zündkerzen, Antimon in Flammschutz und Bleibatterien, Brom in
Fotofilm (Silberbromid-Emulsion), usw. Oft ersetzen sich Elemente gegenseitig
je nach Preis und Umweltauflagen – so wird bleifreies Lötzinn mit Silber/Kupfer
statt Blei hergestellt; Halogenlampen setzen Krypton oder Xenon statt Argon ein
für bessere Effizienz; Quecksilberthermometer wurden durch alkoholfüllungen
oder galliumhaltige Legierungen abgelöst.
In der Zukunftstechnologie spielen Elemente eine große Rolle bei
der Materialinnovation: Leichtere aber festere Legierungen (Mischung aus Titan,
Aluminium, Vanadium etc. in Flugzeugen), bessere Magnetwerkstoffe (evtl. ohne
kritische Neodym), Supraleiter bei Zimmertemperatur (noch Vision, wer weiß ob
ein exotisches Material dies liefert). Die chemische Forschung versucht auch,
Elemente gezielt in neue Funktionsmaterialien einzubauen – etwa MOFs
(Metall-organische Gerüstverbindungen), die Übergangsmetall-Zentren enthalten
und Gas speichern oder katalysieren können. Nanopartikel aus Gold oder Silber
zeigen plasmonische Effekte für Sensorik und Medizin (z.B. Tumorbekämpfung
durch Erhitzen golddotierter Partikel). Kohlenstoff in neuen Allotrope wie
Graphen oder Nanotubes revolutioniert möglicherweise Elektronik und Werkstoffe
aufgrund einzigartiger Festigkeit und Leitfähigkeit. Hier zeigt sich: Obwohl
die Anzahl der Elemente begrenzt ist, scheinen die Kombinationsmöglichkeiten
und Erscheinungsformen unbegrenzt – so schafft das Periodensystem die Bühne für
unzählige chemische Verbindungen und Materialien, die unsere moderne Welt
prägen.
Neuere
Entwicklungen und Ausblick
Seit der Vollendung der 7. Periode mit den Elementen 113–118 in den
2010er Jahren richten sich die Blicke der Wissenschaft auf die Erweiterung des
Periodensystems über Ordnungszahl 118 hinaus. In
Beschleunigerlaboratorien werden Experimente fortgesetzt, um die 8. Periode
zu initiieren[84]. Prognosen zufolge wird in Periode 8 erstmals ein g-Block
auftreten (Orbitale mit l=4). Die 8. Periode könnte – sofern sie dem
aufgestellten Schema folgt – bis zu 50 Elemente umfassen[15]: Sie würde beginnen mit 8s (2 Elemente), dann 5g (18 Elemente), 6f (14
Elemente), 7d (10 Elemente) und 8p (6 Elemente). Allerdings stoßen wir hier an
die Grenzen der Kernstabilität: Schon jetzt sind die erzeugten Elemente
jenseits Z≈100 sehr kurzlebig (Halbwertzeiten oft im Millisekunden- bis
Sekundenbereich). Manche Theoretiker hoffen auf die „Insel der Stabilität“
um etwa Z=114–126 und Neutronenzahl ~184, wo bestimmte „magische“ Kernzahlen
stabilere Kerne ermöglichen könnten. Tatsächlich haben einige Isotope um
Z=114,116 leicht erhöhte Lebensdauern (z.B. ^285Fl ~0,8 s). Dennoch zeigen
Modelle, dass ab Z ~170–180 die Kernbindung derart schwach würde, dass keine
langlebigen Atomkerne mehr existieren[78]. Diese Obergrenze definiert gewissermaßen das natürliche Ende des Periodensystems,
auch wenn experimentell wohl schon viel früher praktisch Schluss sein wird –
die Synthese jedes neuen Elements wird schwieriger, da höhere Protonenzahlen
noch kürzere Lebensdauern bedeuten und nur durch immer energiereichere, seltene
Kombinationen erreicht werden können.
Eine spannende Erkenntnis der letzten Jahrzehnte ist, dass im Bereich
der Super-Schweren Elemente (Transactinoide) die klassischen
Periodentrends teilweise verschwimmen[69]. Relativistische Effekte verändern die Chemie so stark, dass z.B.
Element 114 (Flerovium) deutlich inertere Eigenschaften zeigt als Blei,
obwohl es in Gruppe 14 steht[76]. Ebenso verhielten sich Rutherfordium (Z=104) und Dubnium (Z=105) in
ersten chemischen Tests eher wie Actinoide (analog zu Pu und Pa) statt wie
Hafnium und Tantal[69]. Solche Befunde deuten, dass in den höchsten Regionen des
Periodensystems Überraschungen warten: Die Periodizität bleibt zwar qualitativ
erkennbar, doch quantitative Verschiebungen können auftreten – das
Periodensystem wird weicher. Eine IUPAC-Arbeitsgruppe beschäftigte sich
auch mit der Frage, wie das Periodensystem über Z=118 erweitert werden
sollte und ob ggf. neue Zeilen für g-Block eingeführt werden müssten, oder
wie man die Darstellung anpasst (ein 32-spaltiges System kann Perioden 8/9
integrieren, aber ist unhandlich).
Neben der Entdeckung neuer Elemente gab es jüngst Entscheidungen zur Nomenklatur
und Systematik: 2016 wurden die Namen Nihonium (113), Moscovium (115), Tennessine
(117) und Oganesson (118) offiziell vergeben[7] – alle benannt nach Orten bzw. Forschern, die an ihrer Entdeckung
beteiligt waren. Die IUPAC legt dabei klare Regeln fest, wie neue Elemente
vorläufig benannt werden (z.B. systematische Namen wie „Ununennium“ Uue für
119) und welche Kriterien für die Entdeckung zählen[85]. Auch bestehende Benennungen wurden harmonisiert, z.B. Gruppennummern
auf 1–18 festgelegt (früher uneinheitliche A/B-Systeme)[10]. Eine lange Diskussion betraf die Gruppe 3-Zugehörigkeit:
ob Lanthan/Actinium oder Lutetium/Lawrencium in dieser Gruppe stehen. Nach
beratenden Reports hat IUPAC 2021 signalisiert, die Variante Sc, Y, Lu, Lr als
Group 3 anzuerkennen[14], was das Periodensystem eindeutig definiert und mit der
Elektronenkonfiguration (d^1 für Sc, Y, Lu und Lr hat eine Besonderheit mit
p-Elektron, aber formal f^{14}d^1) im Einklang ist.
Fortlaufend aktualisiert werden auch die Standardatomgewichte
vieler Elemente. Durch hochpräzise Isotopenmessungen veröffentlichte die IUPAC
2021 neue Werte für relative Atommassen[86]. Für einige Elemente (z.B. Li, B, S, Hg…) werden inzwischen Gewichtsintervalle
angegeben, da ihr natürliches Isotopenverhältnis variieren kann – etwa bei
Schwefel je nach geologischer Herkunft. Solche Änderungen spiegeln, dass das
Periodensystem kein starres, abgeschlossenes Werk ist, sondern ein lebendiges
Dokument der Erkenntnisse. Die Kästchen im Periodensystem enthalten heute oft
mehr Infos als nur Symbol und Ordnungszahl: variable Atomgewichte, häufige
Oxidationsstufen, Elektronegativitäten und anderes können vermerkt sein.
Ein weiterer Aspekt ist die praktische Verfügbarkeit der
Elemente. Einige – trotz hoher Nützlichkeit – sind geochemisch rar (z.B.
Indium, Tellur, einige Seltene Erden) oder konfliktbehaftet (Tantal,
„Blutmineralien“). Dies führt zu wirtschaftlichen und politischen Überlegungen,
wie man Versorgung sicherstellt und Materialien substituiert. Das
Periodensystem hilft hier, mögliche Ersatzstoffe zu finden, da benachbarte
Elemente oft ähnliche Eigenschaften haben. Beispielsweise wird angesichts
knapper Indiumreserven erforscht, ob z.B. Aluminiumbasis-Verbindungen ITO
ersetzen können, oder ob Cer als Katalysator das teurere Platin teilweise
substituieren könnte.
Schließlich bleibt das Periodensystem auch ein pädagogisches Fundament.
Die IUPAC rief 2019 im internationalen Jubiläumsjahr zu weltweiter Awareness
auf[87]. Nach 150 Jahren hat Mendelejews Erfindung nichts an Bedeutung
verloren – im Gegenteil, mit jedem neu entdeckten Element, mit jedem
theoretischen Verständnisgewinn bewahrheitet sich, dass die „Sprache der
Chemie“ wesentlich durch das Periodensystem bestimmt ist. Der Blick nach vorne
verspricht weiterhin spannende Entwicklungen: die Jagd nach
Element 119/120, das Design neuer Superlegierungen und Supraleiter, das
Verständnis kosmischer Elementhäufigkeiten (wo z.B. die Entdeckung von
langlebigem ^{60}Fe und ^{244}Pu in Tiefseesedimenten Aufschluss über nahe
Supernovae gibt). Das Periodensystem ist somit nicht nur ein Abschluss
bestehenden Wissens, sondern ein Kompass für künftige Entdeckungen in der Chemie
und benachbarten Wissenschaften. Die Tatsache, dass alle Materie – ob im Labor,
im Alltag oder in fernen Sternen – aus denselben knapp 100 natürlich
vorkommenden Bausteinen aufgebaut ist, bleibt eine der faszinierendsten
Erkenntnisse der Naturwissenschaft. Das Periodensystem der Elemente bringt
diese Universalität in eine prägnante Ordnung, die uns erlaubt, aus der
Stellung eines Elementes dessen Wesen und Möglichkeiten zu erschließen –
gestern, heute und auch in Zukunft.
Literatur:
- N. N. Greenwood, A. Earnshaw: Chemie der Elemente, 1. Auflage,
Deutsche Verlagsgesellschaft, 1988. (Umfassendes Standardwerk zu Eigenschaften
der Elemente)
- Eric R. Scerri: The Periodic Table – Its Story and Its Significance,
Oxford University Press, 2007. (Historische und philosophische Betrachtungen
zum Periodensystem)
- IUPAC, Periodensystem der Elemente (Neueste Fassung 2022) – online
verfügbar: Aktuelle Daten zu Atommassen, Isotopen und Empfehlungen[86][88].
- J. Emsley: Nature’s Building Blocks: An A-Z Guide to the Elements,
Oxford, 2nd Ed. 2011. (Alphabetische Elementporträts mit vielen
Anwendungen)
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https://de.wikipedia.org/wiki/Periodensystem
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[10] [85] [86] [88] Periodic Table of Elements - IUPAC | International Union of Pure and
Applied Chemistry
https://iupac.org/what-we-do/periodic-table-of-elements/
[14] Group 3 element - Wikipedia
https://en.wikipedia.org/wiki/Group_3_element
[17] [18] Datei:Periodensystem Einfach.svg – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Periodensystem_Einfach.svg
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https://gist.github.com/robertwb/22aa4dbfb6bcecd94f2176caa912b952
[31] Periodic Table
https://dept.harpercollege.edu/chemistry/chm/100/dgodambe/thedisk/periodic/periodic.htm
[71] File:Electron orbitals.svg - Wikimedia Commons
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Electron_orbitals.svg
[72] File:Atomic-orbital-2s-3D-phaseless.png - Wikibooks
https://en.m.wikibooks.org/wiki/File:Atomic-orbital-2s-3D-phaseless.png

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