Die Reichswehr in den 1920er Jahren
Entstehung
und Struktur nach dem Versailler Vertrag: Nach dem
Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung des Kaiserreichs musste
Deutschland gemäß dem Versailler Vertrag seine Streitkräfte drastisch
reduzieren[1]. Die Reichswehr
wurde als neue Reichsarmee der Weimarer Republik geschaffen – offiziell
gegründet am 1. Januar 1921, nachdem die Truppenstärke auf das erlaubte Maximum
gesenkt worden war[2]. Der
Vertrag begrenzte das Heer auf 100.000 Mann (rein Berufssoldaten) und die
Marine auf 15.000 Mann[1]. Eine
allgemeine Wehrpflicht war verboten, ebenso wie schwere Waffen (Artillerie über
bestimmten Kalibern), Panzer, U-Boote und jegliche Luftwaffe[1]. Das
ehemalige Große Hauptquartier der kaiserlichen Armee wurde aufgelöst; an seine
Stelle trat das getarnte Truppenamt, da ein Generalstab ausdrücklich
untersagt war[3]. Die
Reichswehr gliederte sich in das Reichsheer (7 Infanterie- und 3
Kavalleriedivisionen, verteilt auf 7 Wehrkreise) und die Reichsmarine,
beide mit stark beschränkter Bewaffnung[4]. Die
Soldaten leisteten ihren Eid auf die demokratische Weimarer Verfassung –
zumindest formal[5]. In der
Praxis verstand sich die Reichswehr aber als Kaderschmiede: eine kleine,
hochprofessionelle Kernarmee, die das Wissen des alten Heeres bewahren und als
Grundstock für eine künftige Wiederaufrüstung dienen sollte[6]. Der
Versailler Vertrag fixierte die Dienstzeit auf 12 Jahre für Mannschaften bzw.
25 Jahre für Offiziere, um einen großen Reservistenpool zu verhindern[7][8]. Diese
Einschränkungen prägten die Reichswehr von Beginn an als eine “Armee des
Versailler Vertrags” – klein, aber mit interner Geschlossenheit und dem
Selbstbild einer Elite.
Politische Rolle in der Weimarer Republik: Die
Reichswehr erschien nach außen als “apolitisch”, agierte jedoch oft als “Staat
im Staate” mit erheblichem politischem Einfluss[9]. Ihr
Verhalten in Krisen zeigte, dass sie selektiv handelte: Gegenüber rechten
Umsturzversuchen bewahrte sie Neutralität oder Sympathie, während sie gegen
linke Aufstände hart vorging. Bereits im März 1920, beim Kapp-Lüttwitz-Putsch
der Freikorps, weigerte sich die Reichswehrführung einzugreifen[10].
General Hans von Seeckt soll die berühmte Parole geprägt haben: “Reichswehr
schießt nicht auf Reichswehr”, als die Marinebrigade Ehrhardt unter
Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt gegen die Regierung putschte[11]. Die
rechtmäßige Regierung Ebert/Noske musste vor den Putschisten aus Berlin
fliehen, da die Truppen nicht zu ihrem Schutz eingesetzt wurden[12]. Erst
ein massiver Generalstreik der Arbeiterschaft beendete den Kapp-Putsch, während
die Reichswehr passiv blieb. Im krassen Gegensatz dazu schlug die Reichswehr
unmittelbar danach den gleichzeitig entbrannten Ruhraufstand
linksrevolutionärer Arbeiter mit brutaler Gewalt nieder[13]. Dieser
doppelte Standard – Nachgiebigkeit gegenüber Rechts, Härte gegenüber Links
– prägte die Weimarer Sicherheitslage. Die Regierung stützte sich in den
revolutionären Anfangsjahren 1918/19 auf Freiwilligenkorps (Freikorps) zur
Niederschlagung von Aufständen, da die regulären Truppen noch im Abbau
begriffen waren[14][15]. So
wurden etwa der Spartakusaufstand in Berlin 1919 und regionale
Räterepubliken (z.B. in Bayern) von Freikorps in Zusammenarbeit mit dem Militär
blutig beendet[15].
Offiziell wurden die Freikorps 1920 aufgelöst, einige Einheiten in die
Reichswehr integriert[16]. Doch
informell blieben viele bestehen: Wo die Reichswehr durch Versailler
Begrenzungen nicht selbst eingreifen konnte, überließ sie paramilitärischen
Verbänden die Drecksarbeit – sei es beim Grenzschutz im Osten (gegen polnische
Aufständische in Oberschlesien) oder beim Kampf gegen kommunistische Unruhen[17].
Prominent war die Kooperation mit dem nationalistischen Veteranenverband Stahlhelm,
der als Miliz diente. 1923, in der großen Krise um die französische
Ruhrbesetzung, erreichte die Spannung einen Höhepunkt: In Sachsen und Thüringen
hatten linke Regierungsbündnisse (SPD/KPD) regiert, was Reichswehrchef Seeckt
als Bedrohung ansah. Er nutzte einen sogenannten “Reichsexekution”
(bundesmäßiger Eingriff) im Herbst 1923, um diese Landesregierungen mit Reichswehrgewalt
abzusetzen[18].
Parallel rief die bayerische Rechtsregierung unter Gustav von Kahr den Notstand
aus und widersetzte sich Berlin – eine Konstellation, die Adolf Hitler
für seinen “Hitlerputsch” (Bierkellerputsch) in München im November 1923
ausnutzte. Seeckt erhielt zwar vom Reichspräsidenten Ebert Vollmachten,
gegen Bayern vorzugehen, zögerte aber, da er ungern gegen Landeskommandeur Otto
von Lossow (ebenfalls Reichswehroffizier) vorgehen wollte[19][20].
Letztlich scheiterte Hitlers Putsch ohne direktes Zutun der Reichswehr – die bayrische
Landespolizei und die interne Uneinigkeit der Putschisten verhinderten den
Umsturz, während die Reichswehrdivision in Bayern Hitler nicht unterstützte[20].
Insgesamt oszillierte die Rolle der Reichswehr in der Weimarer Republik
zwischen ordnungserhaltender Gewalt gegen links und indirekter
Duldung rechter Umtriebe, was die junge Demokratie immer wieder in Gefahr
brachte.
Geheime Aufrüstung und Kooperation mit der Sowjetunion: Trotz der formalen Abrüstung betrieb die Reichswehr früh vielfältige illegale
Aufrüstungsprogramme im Verborgenen. Unter Führung von General Seeckt
entstanden geheim gehaltene Strukturen, um die Versailler Beschränkungen zu
umgehen[3]. Dazu
gehörten z.B. die Bildung der sogenannten “Schwarzen Reichswehr”:
Getarnte „Arbeitskommandos“ unter ehemaligen Offizieren, die militärisch
ausgebildet wurden und der Reichswehr im Hintergrund Personalreserven stellten[21]. Bis zu
20.000 Mann zählten diese inoffiziellen Truppen auf ihrem Höhepunkt,
zusätzlich zu den offiziell 100.000[22]. Sie
wurden vom Reichswehrministerium finanziert und ausgerüstet, um im Ernstfall
sofort verfügbar zu sein – ein klarer Vertragsbruch. Im Oktober 1923 kam es
jedoch zum Küstriner Putschversuch: Etwa 4.000 Angehörige der Schwarzen
Reichswehr rebellierten an der Festung Küstrin. Der Aufstand brach schnell
zusammen, und Seeckt löste die schwarzen Verbände eilig auf, um einen Skandal
zu vermeiden[22].
Daneben betrieben die Reichswehrstrategen eine heimliche Wiederbelebung
verbotener Fähigkeiten: Zur Kompensation des fehlenden Generalstabs wurde eine Führergehilfenschule
eingerichtet, um Generalstabsoffiziere im Geheimen auszubilden[3].
Ehemalige Offiziere gründeten getarnt „Sportflieger“-Clubs und paramilitärische
Sportvereine, in denen junge Männer an Waffenattrappen und Übungstanks
ausgebildet wurden[23]. Unter
Decknamen wie „Statistische Gesellschaft“ wurden mit der Industrie Pläne für
eine zukünftige Waffenproduktion erarbeitet[24].
Besonders bedeutsam war die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion: Trotz
ideologischer Gegensätze fanden Reichswehr und Rote Armee ein gemeinsames
Interesse an Geheimhaltung und militärischer Kooperation. Ab 1922 (Vertrag von
Rapallo) und intensiviert 1923/24 liefen geheime Projekte: Deutsche Offiziere
durften auf sowjetischem Boden Waffen entwickeln und üben, während im Gegenzug
die UdSSR industrielle Unterstützung erhielt[25][26]. So
entstand bei Lipezk in Russland eine geheime Fliegerschule, wo ca. 120
deutsche Piloten und Beobachter ausgebildet wurden – Keimzelle einer künftigen
Luftwaffe[27]. In Kasan
schulte man deutsche Panzertruppen (zwar erst ab 1930 und in begrenzter Zahl)[28]. Auf
dem Gelände Tomka bei Saratow wurde gemeinsam an chemischen Kampfstoffen
geforscht und getestet[29]. Diese
Kooperation ermöglichte es der Reichswehr, Kenntnisse in verbotenen
Waffenbereichen (Panzer, Flugzeuge, Giftgas) zu bewahren und weiterzuentwickeln[30][27]. Als
1926 der sozialdemokratische Politiker Philipp Scheidemann diese
Machenschaften im Reichstag öffentlich machte, war die Empörung groß[31]. Die
Regierung Marx stürzte infolgedessen, doch die militärische Zusammenarbeit ging
teils im Verborgenen weiter[31]. 1929
deckte der Journalist Carl von Ossietzky in der Weltbühne weitere
illegale Rüstungsaktivitäten auf – wofür er im berüchtigten Weltbühne-Prozess
wegen „Landesverrats“ verurteilt wurde[31]. Die
Weimarer Republik tolerierte oder deckte zeitweise diese geheimen Aufrüstungen,
weil auch bürgerliche Politiker der Auffassung waren, Deutschland müsse aus der
militärischen Schwäche herauskommen. Insgesamt untergruben diese Programme
jedoch die Vertragstreue der Republik und zeigten, dass die
Reichswehrführung die Rückkehr zu militärischer Stärke über die Einhaltung
demokratischer und völkerrechtlicher Vorgaben stellte.
Innere Mentalität und politische Orientierung der Offiziere: Der Kern der Reichswehr – das Offizierskorps – blieb in der
Weimarer Zeit eine weitgehend konservativ-monarchistische Elite. Demokratisch
gesinnte Offiziere waren in der Reichswehr nahezu nicht zu finden; wer
republikanisch dachte, hatte kaum Aufstiegschancen[32][33].
Vielmehr dominierte ein nostalgisches Kaiserreichsdenken: Die Mehrheit
der Offiziere lehnte die Republik ab, posierte aber äußerlich loyal gegenüber
dem Staat[34].
Statistisch stammten weit überproportional viele Offiziere aus dem Adel oder
dem alten Militärmilieu – rund 24 % der Reichswehroffiziere hatten
adlige Wurzeln (gegenüber nur 0,14 % Adligenanteil an der Gesamtbevölkerung vor
1914)[34].
Insbesondere die Kavallerie führte alte Standesdünkel fort (1920 waren 50 % der
Kavallerieoffiziere adlig)[35]. Die
Reichswehroffiziere rekrutierten sich fast ausschließlich aus traditionellen
Eliten: Noch 1926 kamen 96 % der Offizieranwärter aus bürgerlichen
Oberschichten oder Offiziersfamilien, während Arbeiterkinder und
Sozialdemokraten so gut wie ausgeschlossen blieben[36]. Dieses
soziale und weltanschauliche Homogenität übertraf sogar die Vorkriegsarmee –
die Reichswehr war elitärer als die Kaiserwehr je zuvor[36].
Gleichzeitig wurden extreme Ausreißer nach rechts außen zunächst aussortiert:
Radikalnationalistische Offiziere, die etwa offen mit Freikorpsputschen
sympathisiert hatten, wurden nach dem Kapp-Putsch teils entlassen[37][38]. Doch
damit war keine echte Demokratisierung verbunden, sondern eher die Sicherung
der Korpsdisziplin. Seeckts Maxime war ein unpolitischer, pflichttreuer
Soldat, der über den Parteien steht – de facto bedeutete dies aber eine Distanz
zur demokratischen Zivilgesellschaft. Militärischer Konservatismus
prägte Denken und Selbstbild: Man sah sich als Bewahrer von Ruhe und Ordnung,
stand Traditionen treu und war stolz auf preußische Tugenden. Viele Offiziere
trauerten dem Kaiserreich nach und pflegten Kameradschaftsbünde, in denen der
Geist von 1914 weiterlebte. So pflegte die Reichswehr etwa einen Kult um den
neuen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (im Amt seit 1925), dessen
Person als siegreicher Feldherr von Tannenberg emotional auf die Truppe wirkte[39]. Seeckt
lud sogar 1926 den im Exil lebenden Kronprinzen Wilhelm in preußischer
Gardeuniform zu einem Manöver ein – ein Affront gegen die Republik, der zu
Seeckts Entlassung führte, als die Presse dies publik machte[39]. Dies
zeigt die monarchistische Gesinnung an der Spitze. Insgesamt war das
Offizierskorps der Reichswehr innerlich nicht demokratisch integriert.
Es verstand sich als überparteiliche Instanz, war aber in Wahrheit klar rechts
der Mitte verortet. Diese innere Haltung sollte später folgenreich sein: In der
Endphase der Weimarer Republik standen viele Offiziere der aufkommenden
nationalsozialistischen Bewegung zunächst reserviert gegenüber, sahen aber in
ihr einen möglichen Verbündeten gegen Bolschewismus und Versailles. Der fehlende
demokratische Impuls im Militär erleichterte schließlich die Übergänge von
Reichswehr zur Wehrmacht nach 1933 – fast ohne Widerstand aus den eigenen
Reihen.
Verhältnis zu Demokratie, Parteien und Extremismus: Die Reichswehr war der republikanischen Regierung gegenüber formal
loyal (seit dem Ebert-Groener-Pakt vom November 1918 versprach die Armee, die
Regierung gegen Links zu schützen[40]). Doch
diese Loyalität war an Bedingungen geknüpft: Solange die Politik die
militärische Autonomie respektierte, blieb die Armee ruhig. Die
Reichswehrführung bestand darauf, von der Politik weitgehend unabhängig zu
bleiben – ein Staat im Staate mit eigenem Vorschriftenwesen und eingeschränkter
parlamentarischer Kontrolle[40].
Demokratische Massenparteien, insbesondere die SPD, betrachteten viele
Offiziere mit Misstrauen oder Verachtung. Kontakte zu Parteien wurden den
aktiven Soldaten untersagt; Offiziere sollten sich nicht öffentlich politisch
betätigen. Doch hinter den Kulissen knüpften Reichswehroffiziere sehr wohl
Verbindungen – allerdings eher zu republikfeindlichen Kreisen. Führende
Generäle hielten informelle Kontakte zu rechten Netzwerken wie dem Stahlhelm
und dem Kyffhäuserbund (Veteranenverbände), die antidemokratische
Ideologien pflegten[41].
Gleichzeitig wurde die Kooperation mit regierungsloyalen Verbänden wie dem
sozialdemokratischen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (der die Republik
schützte) von der Reichswehr argwöhnisch beobachtet oder ignoriert. Die
Reichswehr sah sich selbst als über den Parteien schwebend, was in der
Realität hieß, dass sie in Konflikten oft eigenmächtig entschied, welche Gefahr
zu bekämpfen war. Linksextremismus – sprich kommunistische
Aufstandsversuche – wertete sie als Hauptfeind der inneren Ordnung;
dementsprechend arbeitete sie eng mit Polizei und Freikorps zusammen, um
Spartakisten, Rote Ruhrarmee oder KPD-Agitation zu zerschlagen[42][17]. Rechtsextremismus
in den eigenen Reihen hingegen wurde heruntergespielt oder toleriert, solange
er sich gegen die verhassten Versailler Bestimmungen richtete. Es gab
allerdings Grenzen: Als einige Freikorpsführer (wie Kapitän Ehrhardt oder
General Lüttwitz) 1920 offen putschten, distanzierte sich die Reichswehrführung
halbherzig, um ihren Einfluss und Einheit nicht zu gefährden – letztlich aber
ohne aktiv für die Demokratie einzuschreiten[12]. Auch
1923, als Hitler mit Unterstützung einiger ehemaliger Offiziere putschte, blieb
die Reichswehr in München passiv-abwartend[20]. Man
kann sagen, die Reichswehr stand weder treu zur Republik noch offen gegen
sie, sondern verfolgte primär eigene institutionelle Interessen. Sie
akzeptierte die demokratische Fassade, solange ihre Privilegien
(Budgethoheit, autonome Personalpolitik) unangetastet blieben[40]. Wurde
jedoch die Armee selbst Objekt politischer Auseinandersetzung, reagierte sie
schroff: etwa als im Reichstag immer wieder Linksparteien die Reduzierung des
Reichswehr-Etats oder eine Entmilitarisierung forderten, schloss sich die
Armeeführung mit rechtskonservativen Kräften zusammen, um das zu verhindern. In
den späten 1920ern unternahmen gemäßigte Politiker wie Reichswehrminister Otto
Geßler oder sein Nachfolger Wilhelm Groener gewisse Schritte, die
Reichswehr in die Republik einzubinden – z.B. durch das Verbot der NSDAP und
KPD innerhalb der Truppe 1923[43]. Doch
die Reichswehr blieb letztlich ein körperfremdes Element in der
Demokratie, das zwar Chaos und kommunistische Revolten bekämpfte, jedoch
langfristig kein Wächter der republikanischen Verfassung war. Insbesondere
pflegten manche Offiziere ein altmodisches Elitebewusstsein, das sie anfällig
machte für autoritäre oder völkisch-nationalistische Ideen, sofern diese eine
Wiedererstarkung Deutschlands versprachen. Gerade in der Endphase Weimars
verbündeten sich einflussreiche Generäle (etwa Kurt von Schleicher) mit
rechtsgerichteten Politikern, um eine autoritäre Regierungsform ohne SPD und
Parlament zu etablieren – was ironischerweise den Aufstieg Hitlers begünstigte.
Insgesamt lässt sich das Verhältnis der Reichswehr zur Demokratie als distanziert
bis ablehnend charakterisieren: Sie duldete die demokratische Ordnung, ohne
sie innerlich zu tragen. Dieser Mangel an Verankerung in der freiheitlichen
Verfassungsordnung schwächte Weimar erheblich.
Zusammenarbeit mit paramilitärischen Gruppen (Schwarze Reichswehr und
andere): Von Anfang an war die Linie zwischen der
verkleinerten Reichswehr und den vielen außer Kontrolle geratenen Paramilitärs
fließend. Die Freikorps, also bewaffnete Freiwilligenformationen aus
entlassenen Soldaten, bildeten 1918–1920 eine wichtige Stütze gegen
revolutionäre Unruhen, entglitten aber teils der Kontrolle[14]. Einige
Freikorps wurden, wie erwähnt, in die Vorläufige Reichswehr übernommen (z.B.
das Freikorps von General Maercker), andere zwangsaufgelöst. Die
Reichswehr hielt jedoch bewusst Verbindungen zu ehemaligen Freikorpsleuten, da
diese ein Reservoir an kampferprobten Kämpfern darstellten. Ein Beispiel war
die Organisation Consul, ein geheimes Netzwerk aus
Ex-Freikorpsmitgliedern (hervorgegangen aus Ehrhardts Brigade), das politische
Morde an republikanischen Politikern wie Walther Rathenau und Matthias
Erzberger verübte. Offiziell verurteilte die Reichswehr solche Taten, aber systematische
Verfolgung der Hintermänner unterblieb – nicht wenige Mörder tauchten
später in der Reichswehr oder im Stahlhelm unter. Besonders eng war die inoffizielle
Zusammenarbeit in der Phase der geheimen Aufrüstung: Die schon erwähnte Schwarze
Reichswehr wurde aus früheren Freikorpssoldaten rekrutiert und von
Offizieren der regulären Reichswehr trainiert[21][22]. Diese
Verbände, getarnt als Arbeitskolonnen, Kasernierungsobjekte oder
Polizeieinheiten, existierten im ganzen Reich. Ihre Mitglieder erhielten Sold
und Waffen aus Depots der Reichswehr, obwohl dies klar gegen Versailles
verstieß[17][22]. Darüber
hinaus duldeten lokale Reichswehrkommandanten oft das Fortbestehen rechter
Wehrverbände: In Bayern etwa kooperierte der Wehrkreiskommandeur General von Möhl
bis 1923 eng mit dem rechtsgerichteten Einwohnerwehr- und Kampfbund-Milieu und
ignorierte republikanische Weisungen. Erst nach dem Hitler-Putsch wurde diese “Staat
im Staat”-Tendenz in Bayern notgedrungen abgebaut[44][45]. Auch
der Stahlhelm, mit rund einer halben Million Mitgliedern Anfang der 1930er
eine mächtige paramilitärische Organisation, hatte Sympathisanten in der
Reichswehrführung. Zwar durfte ein aktiver Offizier nicht offiziell
Stahlhelm-Mitglied sein, aber informell gab es Abstimmungen – etwa bei
gemeinsamen Übungen oder im Krisenfall. Insgesamt bestand also eine Grauzone:
Die Reichswehr nutzte rechtsgerichtete Verbände als verlängerter Arm (z.B. beim
Grenzkrieg in Oberschlesien 1921 oder zur Verstärkung im Ruhrgebiet 1923), zog
sich aber zurück, wenn diese Verbände eigene Ambitionen entwickelten. Die
Episode der Schwarzen Reichswehr und Küstrin 1923 zeigte die Gefahr: Als die
Paramilitärs eigenmächtig handelten, musste Seeckt sie auflösen[22], da
sonst die Alliierten oder die deutsche Öffentlichkeit reagiert hätten. Dennoch
blieb bis zum Ende der Weimarer Republik eine heimliche Verzahnung von
Reichswehr und paramilitärischer Rechter bestehen. Diese Verbindungslinien
erleichterten später der NSDAP den Zugang zur militärischen Expertise – viele
ehemals “schwarze” Soldaten und Stahlhelm-Mitglieder liefen 1933 zur neuen SA
oder direkt zur Wehrmacht über. In Summe war die Reichswehr der 1920er Jahre
keine neutrale Verteidigungsinstitution einer Demokratie, sondern eine
konservative, teils demokratieferne Elite-Truppe, die doppelte Spiele
spielte: Offiziell dem Staat dienend, inoffiziell die eigene Aufrüstung
vorantreibend; nach außen apolitisch gebend, intern von alter Ordnung träumend.
Diese Ambivalenz muss bei Vergleichen mit heutigen Verhältnissen stets
mitbedacht werden.
Parallelen und
Kontraste zu den 2020er Jahren in Deutschland
Entwicklung
und Rolle der Bundeswehr heute: Die heutige Bundeswehr
unterscheidet sich fundamental in Verankerung und Auftrag von der Reichswehr –
und doch lassen sich interessante Vergleiche ziehen. Gegründet 1955 in der
jungen Bundesrepublik, war die Bundeswehr von Anfang an als “Parlamentsarmee”
konzipiert[46].
Gemäß dem Primat der Politik entscheidet der Deutsche Bundestag über ihre
Einsätze und überwacht die Streitkräfte eng[47].
Diese demokratische Einbindung war eine bewusste Gegenreaktion auf die Weimarer
und NS-Erfahrungen: Nie wieder sollte das Militär ein Eigenleben führen
oder der Demokratie entfremdet sein[48].
Die Bundeswehr lebt nach dem Konzept der Inneren Führung, dessen
Leitbild vom “Staatsbürger in Uniform” bestimmt ist[49][50].
Soldaten haben die gleichen Grundrechte und Pflichten wie andere Bürger, sind
aber besonders der Verfassung verpflichtet[49].
Blinder Gehorsam, wie einst propagiert, gilt als verpönt – vielmehr wird Mitdenken
und ethische Reflexion erwartet[51].
Damit hat sich eine politische Kultur etabliert, in der das Militär offen zur
Demokratie steht. Strukturell ist die Bundeswehr heute zwar immer noch
hierarchisch und traditionell geprägt, doch entscheidende Sicherungen
verhindern eine “Staat im Staate”-Mentalität: Ein Wehrbeauftragter des
Bundestages fungiert als Anwalt der Soldaten und wacht über ihre Rechte[52],
und es gibt Beiräte und unabhängige Instanzen, die Fehlentwicklungen anmahnen[53][54].
Anders als die Reichswehr ist die Bundeswehr auch international eingebunden
– als Teil der NATO und EU-Verteidigungsstrukturen. Sie versteht sich als Armee
einer gefestigten Demokratie und als Instrument kollektiver Sicherheit,
nicht primär nationaler Machtpolitik. Dennoch erlebt die Bundeswehr im
beginnenden 2020er Jahrzehnt erneut Umbrüche, die vage an die
Zwischenkriegszeit erinnern: Nach Jahren des Personal- und Ausrüstungsabbaus
(nach Ende des Kalten Krieges) rückt nun wieder die Landes- und
Bündnisverteidigung in den Vordergrund. Die sicherheitspolitische
Zeitenwende infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine (Februar 2022)
markiert einen Wendepunkt: Bundeskanzler Olaf Scholz verkündete ein
Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Modernisierung der
Bundeswehr und das Ziel, dauerhaft >2 % des BIP für Verteidigung
aufzuwenden[55].
Dieses gigantische Aufrüstungsprogramm – die größte Aufstockung seit
Jahrzehnten – erinnert insofern an Weimar, als Deutschland erneut in kurzer
Zeit seine Streitkräfte stärken will. Doch der entscheidende Unterschied: Heute
geschieht dies transparent, parlamentarisch legitimiert und im Rahmen von
Bündnissen. Die Bundeswehr soll eine “moderne, schlagkräftige Armee”
werden, die uns schützen kann[56][55],
aber eben innerhalb der demokratischen Ordnung. International ist
Deutschland nun eingebettet: Bundeswehrsoldaten sind in NATO-Missionen aktiv
(z.B. Battlegroup in Litauen, Air Policing in Osteuropa) und erfüllen
Solidaritätsverpflichtungen[57][58] –
ein Kontrast zur Reichswehr, die teils isoliert agierte und heimliche Allianzen
schmiedete. Allerdings ist auch die Bundeswehr nicht frei von Problemen. Lange
Vernachlässigung führte zu Ausrüstungsmängeln und Kapazitätslücken (man
denke an Berichte über nicht einsatzbereite Flugzeuge oder Schiffe). Die
riesige Investitionssumme soll dies beheben – ein Vorhaben, dessen Erfolg noch
zu beobachten ist. Das öffentliche Ansehen der Bundeswehr ist
zwiespältig: Einerseits genießt sie mehr Vertrauen als in den 1980ern (wo es
massive Friedensproteste gab), andererseits ist ihre Rolle im Inland begrenzt
(historisch bedingt durch das Trennungsgebot von innerer und äußerer
Sicherheit). In Krisen wurde die Bundeswehr aber durchaus im Inland unterstützt
eingesetzt, z.B. in der COVID-19-Pandemie 2020–21, wo Soldaten bei
Testzentren, in Gesundheitsämtern und der Logistik halfen. Auch bei
Naturkatastrophen (Fluthilfe 2021) leisten die Streitkräfte Amtshilfe – dies
stärkt ihr Bild als Helfer in Not. Dennoch sind Rufe nach größerer militärischer
Präsenz im Inneren (etwa zum Schutz kritischer Infrastruktur) politisch heikel
und nur im Notfall vorgesehen, ein Unterschied zum Weimarer Staat, der teils
die Reichswehr zur Aufstandsbekämpfung im Inland schickte. Zusammenfassend hat
die Bundeswehr heute eine ganz andere innere Verfassung als die
Reichswehr: demokratisch kontrolliert, verfassungstreu und auf
Bündnisverteidigung ausgerichtet. Doch sie steht – wie die Reichswehr damals –
vor der Aufgabe, sich schnell neuen Bedrohungen anzupassen und aus einer
Phase der Schwäche zur Stärke zu finden. Die Zeitenwende ist
gewissermaßen das Pendant zur geheimen Weimarer Aufrüstung – aber offen
verkündet, legitimiert und mit gesellschaftlicher Debatte. Ob diese Aufrüstung
im gewünschten Tempo gelingt, wird die kommenden Jahre zeigen.
Gesellschaftliche Spannungen, Polarisierung und Extremismus: Die Weimarer Republik war geprägt von extremer politischer
Polarisierung – Straßenschlachten zwischen kommunistischen Rotfrontkämpfern und
nationalistischen Freikorps/SA gehörten zum Alltag der späten 20er. Im heutigen
Deutschland sind die Verhältnisse wesentlich stabiler und friedlicher, doch gesellschaftliche
Spannungen und Tendenzen zur Polarisierung nehmen auch in den 2020er
Jahren spürbar zu. Während Weimar eine junge Demokratie in einer
krisengeschüttelten Gesellschaft war, blickt die Bundesrepublik auf über 70
Jahre demokratische Tradition zurück. Dennoch machen Populismus und
Extremismus den Demokratien Westeuropas auch heute zu schaffen. In
Deutschland beobachten Verfassungsschutz und Soziologen insbesondere einen
Anstieg rechtsextremistischer Strömungen und eine Verfestigung des politischen
Extremismus am Rand. Parallelen zu Weimar drängen sich etwa bei der
Betrachtung der heutigen Reichsbürger-Bewegung auf: Diese Szene erkennt
die Bundesrepublik nicht an und träumt teils von der Rückkehr zum Deutschen
Reich – vergleichbar mit jenen Weimar-Gegnern, die 1919 die Republik ablehnten
und z.B. den Kapp-Putsch versuchten. 2022 wurde ein spektakulärer Umsturzplan einer
Reichsbürger-Gruppe (angeführt von einem Adligen, Heinrich XIII. Prinz Reuß)
aufgedeckt. In diesem konspirativen Netzwerk befanden sich ehemalige
Bundeswehrsoldaten und andere Staatsfeinde, die sogar das Parlament
auskundschafteten und einen bewaffneten Staatsstreich planten[59].
Die Gruppe konnte zerschlagen werden, bevor sie tätig wurde – die wehrhafte
Demokratie funktionierte, die Sicherheitsbehörden griffen rechtzeitig ein[60].
Dies verdeutlicht sowohl die Gefahr als auch den Kontrast: Anders als in
Weimar, wo Putschversuche mehrfach fast Erfolg hatten (Kapp 1920, Hitler 1923),
ist heute der Staat erheblich stabiler und kann solche Extremisten isolieren.
Dennoch sind rechtsextreme Einstellungen bis hinein in Institutionen ein
Thema. In den letzten Jahren kamen Fälle ans Licht, in denen einzelne
Bundeswehr-Angehörige durch neonazistisches Gedankengut oder Vorbereitung von
Gewalttaten auffielen – z.B. der Fall des Oberleutnants Franco A. 2017 (ein
Soldat, der sich als Flüchtling ausgab und mutmaßlich einen Terrorakt plante),
oder rechtsextreme Umtriebe in der Eliteeinheit KSK (Kommando Spezialkräfte),
was 2020 zur teilweisen Auflösung des KSK führte. Untersuchungen zeigen jedoch,
dass die Bundeswehr insgesamt kein Hort überproportionaler Extremisten
ist. Eine langfristige Sozialstudie ergab, dass fremdenfeindliche oder
demokratiefeindliche Haltungen unter Soldaten etwa genauso verbreitet sind wie
im Bevölkerungsdurchschnitt – keineswegs stärker[61].
Vielmehr existiert in der Truppe ein konservatives Werteprofil, aber die
große Mehrheit steht hinter der demokratischen Grundordnung[62][63].
Anders gesagt: Soldaten sind heute politisch vielfältig, allerdings mit einer
Tendenz zur konservativen politischen Orientierung (z.B. über 60 % der
Offizieranwärter in den 1990ern fühlten sich konservativ geprägt)[62].
Wichtig ist: Konservativ bedeutet nicht automatisch extrem – nur etwa 17
% des Offiziersnachwuchses der 1990er verorteten sich deutlich rechts
der Mitte[64],
und selbst diese waren meist rechtspopulistisch, nicht notwendigerweise
rechtsextrem[65].
Die Bundeswehr hat Mechanismen, um Extremisten auszusondern – der
Militärische Abschirmdienst (MAD) beobachtet Verdachtsfälle. In Weimar hingegen
gab es solche Filter praktisch nicht; viele Offiziere hingen unverhohlen
antidemokratischen Ideologien an. Gleichwohl warnt eine neue Studie “Armee
in der Demokratie” davor, Gefahren zu unterschätzen: Wenn ein
„unpolitischer“ oder rein auf Kampf fixierter Habitus Überhand nähme, könnten
rechtsradikale Strömungen auch heute leichter Fuß fassen[66][67].
Die Entlassung einiger Dutzend Extremismusverdächtiger in den letzten Jahren
zeigt, dass Wachsamkeit nötig ist. Gesellschaftlich ist die Polarisierung
im Deutschland der 2020er zwar längst nicht so gewalttätig wie in Weimar, aber verbale
Radikalisierung und Hass im Netz sind ernsthafte Phänomene. Themen wie Migration,
Pandemie-Maßnahmen oder Klimaschutz spalten Teile der
Gesellschaft. Insbesondere in den sozialen Medien und auf Demonstrationen (z.B.
der Querdenker-Proteste gegen Corona-Auflagen 2020/21) zeigte sich eine
aggressive Ablehnung “des Systems” bei einer Minderheit. Rechts- und
linksextreme Ränder nutzen diese Unzufriedenheit und befeuern Verschwörungserzählungen.
Laut einer Studie von 2023 haben Verschwörungstheorien inzwischen in
Teilen der Bevölkerung bedenklichen Einfluss: Im rechten Spektrum stimmen
relativ viele Menschen kruden Behauptungen zu, was fast immer mit einer
negativen Einstellung zur Demokratie einhergeht[68].
Hier erkennt man eine Parallele zur Weimarer Zeit, wo antisemitische
Dolchstoßlegenden und Hetzpropaganda die Legitimität der Republik untergruben.
Allerdings ist heute die Mehrheit der Bürger deutlich gefestigter in der
Unterstützung der Demokratie. Die Bundesrepublik erlebt zwar einen Aufstieg
populistischer Parteien (z.B. die AfD, die in Ostdeutschland teils
stärkste Kraft ist), doch insgesamt gibt es ein breites pro-demokratisches
Spektrum, das in Weimar so nicht existierte. Westeuropa und Deutschland stehen
auch nicht isoliert da: Die Europäische Union und internationale Kooperation
bilden Gegenpole zu nationalistischen Tendenzen. Extremismus bleibt
dennoch eine reale Bedrohung – vor allem Rechtsextremismus, der laut
Verfassungsschutz als aktuell gefährlichste Extremform in Deutschland gilt. Die
Ermordung des Regierungspräsidenten Walter Lübcke 2019 durch einen Neonazi,
rechtsterroristische Anschläge wie in Halle (2019) und Hanau (2020) oder die
erwähnten Reichsbürger-Umsturzpläne zeigen, dass gewaltbereiter Hass vorhanden
ist. Die Sicherheitsbehörden reagieren mit konsequenter Verfolgung dieser
Netzwerke; zugleich bemühen sich Politik und Zivilgesellschaft um Prävention
und politischen Dialog, um Polarisierung einzudämmen. Hier liegt ein
entscheidender Unterschied zu Weimar: Wehrhafte Demokratie bedeutet,
dass der Staat heute Extremisten aktiv entgegentritt, anstatt – wie damals –
oftmals wegzuschauen oder gar zu sympathisieren. So wurden z.B. mehrere
neonazistische Gruppen und Vereine verboten in den letzten Jahren, und es gibt
Aussteigerprogramme für Radikalisierte. Trotz mancher alarmierender Parallele
(Polarisierung, Systemhass, Verschwörungsmythen) ist die Bundesrepublik in
ihrer Breite wesentlich resilienter gegen Extremismus als die Weimarer
Republik es war.
Vertrauen in Institutionen und Demokratie: Die
Legitimitätskrise, die Weimar permanent begleitete – weite Teile der
Bevölkerung und Eliten vertrauten nicht in die demokratischen Institutionen –
hat in der heutigen Bundesrepublik kein vergleichbares Ausmaß. Dennoch stellt
sich auch in den 2020er Jahren die Frage: Wie gefestigt ist das Vertrauen
der Bürger in die Demokratie? Mehrere Studien liefern ein gemischtes Bild.
Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2023 ist die Zufriedenheit
mit dem Funktionieren der Demokratie trotz der jüngsten Krisen stabil
geblieben und sogar leicht gestiegen gegenüber 2019[69][70].
Dies ist ermutigend – offenbar konnte das politische System die Pandemie,
wirtschaftliche Verwerfungen und andere Herausforderungen so handhaben, dass
kein massiver Vertrauensverlust entstand. Allerdings betont die gleiche Studie,
dass weiterhin eine Mehrheit unzufrieden ist, nämlich die Zufriedenheit
liegt knapp unter 50%[71].
Das heißt: Mehr Menschen sehen die Demokratie kritisch als positiv, auch wenn
die Tendenz sich leicht verbessert hat. Besonders auffällig sind regionale
und soziale Unterschiede: In Ostdeutschland ist die Demokratiezufriedenheit
deutlich geringer als in Westdeutschland, und diese Kluft hat sich zuletzt
weiter geöffnet[72].
Zudem sind Menschen mit geringem Einkommen oder niedriger Bildung erheblich
unzufriedener mit der Demokratie als Bessergestellte[72][73].
Ein wesentliches Kriterium ist offenbar die soziale Gerechtigkeit: Wer
das Gefühl hat, nicht fair behandelt oder nicht angemessen wirtschaftlich
abgesichert zu sein, zweifelt eher an der Demokratie. Hier zeigt sich eine
Parallele zu Weimar, wo Arbeitslosigkeit, Inflation und soziale Abstiegsängste
breite Bevölkerungsschichten empfänglich für antidemokratische Parolen machten.
Auch heute hängt das Vertrauen in die Institutionen “in hohem Maße von
gerechten Politkergebnissen ab” – so die FES-Studie[74][75].
Positiv ist allerdings, dass die Grundfesten der Demokratie – freie
Wahlen, Verfassung, Gewaltenteilung – breite Zustimmung finden. Es gibt keine
großen demokratiefeindlichen Massenbewegungen. Selbst die meisten Wähler
populistischer Parteien bekennen sich nominell zur Demokratie, auch wenn sie
“das System” verändern wollen. Ein gewisser Zynismus gegenüber etablierten
Institutionen ist jedoch spürbar: Parteien und Medien genießen bei manchen
Bevölkerungsgruppen wenig Vertrauen, was sich z.B. in Erfolg von Schlagworten
wie “Lügenpresse” oder der Abwertung “Altparteien” ausdrückt. Die große
Koalition der Mitte (CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne) repräsentiert zwar weiterhin den
Großteil der Wählerschaft, doch die Ränder sind präsenter als vor 20 Jahren. Vertrauen
in einzelne Institutionen variiert: Hohe Werte genießen oft das Bundesverfassungsgericht,
die Bundespräsidenten oder auch die Polizei, während die politischen Parteien,
der Bundestag oder die Kirchen tendenziell geringere Vertrauenswerte haben.
Insgesamt kann man sagen, dass die deutsche Demokratie robust, aber gefordert
ist[76].
Anders als in Weimar sind die meisten Eliten (Wirtschaft, Verwaltung,
Kultur, Wissenschaft) heute entschiedene Unterstützer der Demokratie. Das
Militär sowieso – es steht unter Eid auf das Grundgesetz. Auch die Bevölkerung
hat – trotz verbreiteter Politikverdrossenheit – keine großen monarchistischen
oder diktatorischen Sehnsüchte. Gleichwohl steigt eine Sehnsucht nach
“einfachen Lösungen”: So zeigen Umfragen eine wachsende Zustimmung zu
direkter Demokratie und sogar technokratischen Expertengremien anstelle von
gewählten Politikern[77].
Diese Wünsche nach direkter Aktion oder “unpolitischer Sachlösung” erinnern
etwas an Weimar, wo viele den Parlamentarismus als zu schwach empfanden und
einen starken Mann herbeisehnten. Eine autoritäre Versuchung besteht
also latent auch heute – befeuert durch komplexe Krisen, die manche Bürger
überfordern. Bislang gelingt es der Bundesrepublik, den gesellschaftlichen
Zusammenhalt ausreichend zu wahren. Anders als 1930 haben Krisen (etwa die
Eurokrise, Flüchtlingskrise 2015, Corona 2020, Energiekrise 2022) nicht
zur Ausschaltung der Demokratie geführt, sondern wurden im Rahmen
demokratischer Prozesse bewältigt. Das Vertrauen der Menschen mag schwanken,
aber die Loyalität zur Verfassung ist hoch. Hier zahlt sich aus, dass
das Grundgesetz bewusst Mechanismen enthält, die Weimar fehlten – etwa das
konstruktive Misstrauensvotum, die 5%-Hürde gegen Radikale im Parlament, das
Verbot verfassungsfeindlicher Parteien durch das Bundesverfassungsgericht (das
1952 die SRP, 1956 die KPD verbot). Die Bürger wissen: Selbst extreme Parteien
können nicht so einfach die Macht übernehmen, ohne dass Schranken greifen.
Dieser Sicherheitsmechanismus stabilisiert das Vertrauen, dass die
Demokratie sich selbst verteidigen kann, und bildet einen klaren Kontrast zu
Weimar, wo Demokraten aus Angst vor Bürgerkrieg oft vor den Extremisten
kapitulierten. In Summe sind parallele Tendenzen (Unzufriedenheit,
Ost-West-Gefälle, Elitenskepsis) erkennbar, aber die demokratische Resilienz
ist heute weit größer.
Sicherheitslage und neue Bedrohungslagen (Cyber, hybride
Kriegsführung): Die traditionelle Bedrohung der 1920er
war ein Wiederaufflammen des großen Kriegs oder Bürgerkriegs im Innern. Heute
hat sich das Sicherheitsspektrum gewandelt: Klassische militärische
Konflikte zwischen Staaten schien lange unwahrscheinlich – bis Russland 2022
die Ukraine überfiel. Nun ist auch in Europa wieder ein konventioneller Krieg
denkbar, zumindest an der Peripherie. Deutschland selbst sieht sich (als NATO-Mitglied)
zwar keiner unmittelbaren Invasion ausgesetzt, doch die Wahrnehmung externer
Gefahren hat sich in den 2020ern drastisch verschoben. Hybride Bedrohungen
und Cyberangriffe treten in den Vordergrund. Feindliche Akteure nutzen
zunehmend Methoden unterhalb der Kriegsschwelle, um Demokratien zu
destabilisieren: Desinformation in sozialen Medien, Beeinflussung von
Wahlen, Hackerangriffe auf kritische Infrastruktur, Spionage und
Sabotage. So registrierten deutsche Behörden etwa großangelegte
Cyberattacken auf den Bundestag 2015 (die russischen Gruppen zugeschrieben
werden) oder auf deutsche Unternehmen und Ministerien. Staatliche Akteure
wie Russland oder China versuchen durch Cyberoperationen, sich Zugang zu
Informationen zu verschaffen oder Versorgungssysteme zu stören. Diese unsichtbaren
Angriffe sind eine ganz neue Herausforderung im Vergleich zu den
Bedrohungen der 1920er. Die Bundesregierung hat reagiert: Es wurden Spezialabteilungen
geschaffen, z.B. ein Cyber-Kommando in der Bundeswehr und eine beim
Bundesinnenministerium angesiedelte “Arbeitsgruppe Hybride Bedrohungen”.
Ein aktuelles Lagebild soll sämtliche Phänomene – von Desinformationskampagnen
über Spionage bis Staatsterrorismus – systematisch erfassen[78].
Denn man hat erkannt: Hybride Kriegsführung kann erheblichen Schaden
anrichten, ohne dass ein Schuss fällt. So wird etwa seit 2020 verstärkt vor Einflussoperationen
aus Russland gewarnt, die mittels Fake News die öffentliche Meinung spalten
sollen (z.B. die “Lisa”-Falschmeldung 2016 über eine angeblich von Flüchtlingen
vergewaltigte russlanddeutsche Jugendliche, die zu diplomatischen Verstimmungen
führte). Sabotageakte sind ebenfalls real: 2022 gab es mutmaßlich
russische Sabotage an Nord-Stream-Pipelines, und 2023 wurden Anschläge auf
deutsche Bahn-Infrastruktur aufgeklärt, hinter denen ebenfalls ausländische
Geheimdienste vermutet wurden. Solche hybriden Angriffe zielen wie die
paramilitärischen Kämpfe der Weimar-Zeit auf die Schwachstellen der
Gesellschaft – damals Straßenterror und Putschgerüchte, heute digitale
Panikmache und Versorgungsstörung. Die Natur der Bedrohung hat sich geändert,
aber die Herausforderung ist vergleichbar: Den inneren Frieden zu wahren
und Spaltungen zu verhindern. Die Sicherheitsbehörden verstärken daher
Kooperation: Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und Militär arbeiten in
gemeinsamen Zentren gegen Hybridgefahren zusammen[79].
Auch auf EU-Ebene gibt es Task Forces gegen Desinformation. Außerdem werden Resilienzmaßnahmen
ergriffen, etwa im Vorfeld der Bundestagswahl 2025, um Manipulation oder
Cyberattacken zuvorzukommen[80].
Neben diesen indirekten Bedrohungen existieren freilich weiterhin konventionelle
Risiken: Der russische Angriffskrieg hat die NATO veranlasst, ihre
Ostflanke massiv zu stärken – Deutschland hat hier eine Schlüsselrolle und
stellt Truppen für die Abschreckung. Auch neue Technologien wie Drohnen
und künstliche Intelligenz verändern die Kriegsführung, worauf sich
Bundeswehr und Gesellschaft einstellen müssen (Diskussionen etwa über
Bewaffnung von Drohnen, Cyberverteidigungsethik etc.). Nicht zu vergessen sind Terrorgefahren:
In den 1920er Jahren waren politische Attentate häufig (Rathenau, Erzberger),
heute ist v.a. islamistischer Terror seit den 2000ern präsent (der Anschlag auf
dem Berliner Breitscheidplatz 2016 zeigte dies). Allerdings hat die
Zusammenarbeit der Sicherheitsorgane (Polizei, Nachrichtendienste) viele
Anschläge verhindern können. Die generelle Sicherheitslage in Deutschland der
2020er ist trotz allem deutlich besser als im Weimarer Deutschland: Es
gibt kein Heer bewaffneter privater Milizen, die das Gewaltmonopol
herausfordern – das Gewaltmonopol des demokratischen Staates ist intakt. Neue
Gefahren sind dafür subtiler und globaler: Pandemien, Klimawandel-Folgen
oder Energieknappheit können Sicherheit und Stabilität bedrohen, ohne
klassische militärische Gegner. Hier verschwimmen die Grenzen von innerer und
äußerer Sicherheit. Insgesamt lässt sich sagen: Die Bundesrepublik sieht sich
heute einem breiteren Spektrum an Bedrohungen ausgesetzt als die Weimarer
Republik, die primär unter direkter Gewalt von innen litt. Die Antwort darauf
ist auch breiter: neben Militär auch Cyber-Abwehr, Zivilschutz und
internationale Kooperation. Der Vergleich zeigt aber: Sowohl in den 1920ern als
auch in den 2020ern steht Deutschland vor der Aufgabe, flexibel auf neue
Konfliktformen zu reagieren – einst der Übergang vom Weltkrieg zum
Bürgerkrieg, heute vom Frieden zum Cyberkrieg.
Umgang mit Krisen – von der Pandemie bis zum Ukrainekrieg: Die Weimarer Jahre waren eine Abfolge von Krisen (Revolution 1918,
Inflation 1923, Weltwirtschaftskrise ab 1929), die die Republik letztlich
überforderten. Auch die 2020er bieten ein Krisenszenario nach dem anderen: COVID-19-Pandemie,
Russlands Krieg in der Ukraine, Energiekrise, Inflation, Migration
– jede für sich eine große Herausforderung, zusammen eine ernsthafte
Belastungsprobe für Staat und Gesellschaft. Der Umgang mit diesen Krisen
zeigt Parallelen und Unterschiede zu Weimar. Ein wichtiger Unterschied: Der
deutsche Staat ist heute wesentlich handlungsfähiger und lernfähiger.
Als 2020 das neuartige Coronavirus die Welt lahmlegte, reagierte die
Bundesregierung mit harten, aber geordneten Maßnahmen (Lockdowns, Hilfspakete).
Die Verwaltung, wenngleich gelegentlich bürokratisch schleppend, konnte binnen
kurzer Zeit Impfkampagnen aufziehen und wirtschaftliche Einbrüche durch
Finanzhilfen abfedern. Zwar gab es Fehler und später viel Kritik, doch
insgesamt bewältigte Deutschland die Pandemie im europäischen Vergleich relativ
gut. Die Bevölkerung trug die einschneidenden Grundrechtseinschränkungen zum
Großteil mit, auch wenn eine laute Minderheit (die Querdenker-Bewegung)
protestierte. Diese Proteste zogen ein heterogenes Spektrum an – von
Impfgegnern bis zu Rechtsextremen – und testeten die Toleranzgrenze des
Staates. Im Großen und Ganzen blieb die Lage aber unter Kontrolle; es gab keine
massenhaften Ausschreitungen. Hier zeigt sich: Das Vertrauen in staatliches
Krisenmanagement war offenbar hoch genug, dass die Mehrheit den Kurs
mittrug – anders als in Weimar, wo z.B. während der Hyperinflation 1923 das
Vertrauen völlig kollabierte und Putschisten leichtes Spiel hatten. Ähnlich
beim Ukrainekrieg 2022: Die Regierung Scholz stand vor einem Schock –
ein Krieg mitten in Europa, der energie- und sicherheitspolitisch Deutschland
drastisch traf. Doch mit dem Konzept der “Zeitenwende” wurde schnell ein
Kurswechsel angekündigt, der breiten Rückhalt fand: Massive Unterstützung für
die Ukraine, Aufrüstung der Bundeswehr, Abkehr von russischem Gas. Natürlich
gab es Kontroversen über Waffenlieferungen (Teile der Bevölkerung und
Oppositionsparteien wie die Linkspartei oder AfD lehnten diese ab), aber eine
große Koalition der Mitte trug die Hilfen mit. Gleichzeitig wurden Maßnahmen
im Innern ergriffen: Um die Energiekrise zu bewältigen, organisierte die
Regierung neue Gasimporte, hielt Sparappelle und entlastete Bürger mit
Milliardenpaketen. Diese staatliche Handlungsfähigkeit – innerhalb weniger
Monate LNG-Terminals zu bauen, Preisbremsen für Strom/Gas einzuführen –
kontrastiert stark mit Weimar, wo bei Krisen oft politische Lähmung herrschte.
Ein Parallele ist indes die gesellschaftliche Verunsicherung durch
schnelle Veränderungen: 1923 musste die Bevölkerung den Übergang von Inflation
zu stabiler Währung schlagartig mitmachen; 2022/23 erlebten die Menschen eine
Rekordinflation (teils über 10 %) und explodierende Energiepreise, was Angst
und Unmut auslöste. Doch erneut gelang es der Regierung, die sozialen Härten
mit Direkthilfen (zum Beispiel Energiepauschalen, Gaspreisdeckel) zu
mildern – etwas, das Weimar in der Weltwirtschaftskrise 1929/30 nicht mehr
konnte, als strenge Sparpolitik die Lage verschlimmerte. Ein weiteres
Dauerthema ist die Migration: Seit der Flüchtlingswelle 2015 kommen
immer wieder hohe Zahlen Asylsuchender nach Europa. Dies führt zu Spannungen
vergleichbar mit denen durch die Vertriebenenströme in der frühen
Bundesrepublik oder durch Arbeitslosigkeit in Weimar. In den 2020ern spaltet
das Thema Migration die Öffentlichkeit: Während viele Bürger humanitäre
Aufnahme begrüßen (z.B. die breite Solidarität mit ukrainischen Flüchtlingen
2022), gibt es auch Überforderung und Fremdenängste, die populistische Kräfte
schüren. In Orten mit hohen Flüchtlingszahlen kam es teils zu Protesten oder zu
verstärkter Wahl der AfD. Dies erinnert an Weimar, wo Bevölkerungsgruppen
gegeneinander ausgespielt wurden – damals z.B. Arbeiterschaft gegen Bürgertum,
heute Einheimische gegen Zugewanderte in der Rhetorik mancher. Der Staat
versucht, Integrationsmaßnahmen und europäische Verteilungsmechanismen
zu verbessern, aber eine Lösung, die alle zufriedenstellt, gibt es bislang
nicht. Dennoch hat Deutschland die Herausforderung 2015/16 bewältigt, ohne dass
die Demokratie ernsthaft ins Wanken geriet – anders als Weimar, wo
Migrationsbewegungen (etwa aus den ehemals deutschen Ostgebieten) plus
Wirtschaftskrise zum Erstarken der Extreme beitrugen. Betrachtet man die gesamtgesellschaftliche
Resilienz in Krisen, so scheint die Bundesrepublik der 2020er relativ
robust. Die demokratischen Institutionen – Regierung, Parlamente, Gerichte –
funktionieren auch im Stressmodus. Es gibt natürlich Vertrauensverluste
durch einzelne Skandale (Maskenaffäre 2020, Korruptionsvorwürfe), aber keine
systemischen Zusammenbrüche. Kritisch beobachten muss man die Polarisierung
der Diskurse: In sozialen Medien werden Krisenthemen oft radikalisiert
diskutiert, “Lager” bilden sich (Impffraktion vs. Impfgegner, “Putin-Versteher”
vs. Ukraine-Unterstützer etc.). Diese Verhärtung kann langfristig das
Verständnis untergraben, ähnlich wie die unversöhnlichen Lager in Weimar.
Allerdings existiert heute eine professionelle Medienlandschaft mit Faktenchecks
und Öffentlich-Rechtlichem Rundfunk, die Desinformation entgegenwirken soll –
ein Pfund, das Weimar so nicht hatte. Letztlich bleibt festzuhalten: Die Krisenbewältigung
der 2020er zeigt sowohl Parallelen (multipler Stress, Gefahr von
Radikalisierung) als auch Kontraste (starke staatliche Gegenwehr, hohe
Resilienz). Deutschlands Demokratie hat aus der Weimarer Erfahrung gelernt, frühzeitig
gegenzusteuern. So wurden in der Energiekrise 2022 soziale Verwerfungen
durch Entlastungspakete abgemildert – 1930 hingegen führte soziale Kälte
(Sparpolitik Brüning) direkt in die politische Radikalisierung. Insofern kann
man sagen: Geschichte dient als Mahnung, und die Bundesrepublik bemüht
sich, Weimars Fehler zu vermeiden. Dennoch bleibt auch für die 2020er
die Aufgabe, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, Extreme zu
isolieren und das Vertrauen der Bürger in die demokratischen Institutionen
hochzuhalten – damit sich nicht wiederholt, was vor fast 100 Jahren geschah.
Die Lehre aus der Reichswehr-Ära ist klar: Eine Demokratie braucht ein loyales
Militär, starke Institutionen und eine engagierte Zivilgesellschaft, um
Krisen zu überstehen. Im Großen und Ganzen ist Deutschland heute auf einem
besseren Weg – die Herausforderungen sind anders geartet, aber mit Wachsamkeit
und Anpassungsfähigkeit kann die Demokratie auch die 2020er unbeschadet
meistern.
Literatur und Quellen: Die Analyse stützt sich
auf historische Darstellungen und aktuelle Studien, darunter die
Wikipedia-Artikel zur Reichswehr und deutschen Wiederaufrüstung[9][25],
Dokumente des Bundesarchivs zum Militär der Weimarer Zeit[14][18],
zeitgenössische Quellen zur geheimen Kooperation mit der Sowjetunion[27],
sowie Forschungsergebnisse zur inneren Verfasstheit der Reichswehr[34].
Für die Gegenwartsbetrachtung wurden u.a. Veröffentlichungen der Bundeszentrale
für politische Bildung und des Bundeswehr-Zentrums für Militärgeschichte
berücksichtigt, die auf Sozialstudien zur politischen Einstellung von Soldaten
referenzieren[62][81].
Daten zum Demokratievertrauen entstammen einer FES-Studie von 2023[69][72].
Regierungsaussagen – etwa zur “Zeitenwende” – wurden aus Olaf Scholz’
Bundestagsrede vom 27.2.2022 entnommen[55].
Des Weiteren wurden Medienberichte zur Aufdeckung der Reichsbürger-Verschwörung
2022[59]
und Informationen des Deutschen Bundestages zu hybriden Bedrohungen 2025[78]
herangezogen. Diese vielfältigen Quellen sichern die Faktenbasis der
Gegenüberstellung von 1920er- und 2020er-Jahre. Insgesamt zeigt der Vergleich:
Trotz mancher Oberflächenähnlichkeiten (wirtschaftliche Krisen, extremistisches
Gedankengut, Rüstungsdebatten) sind die Unterschiede in politischer Kultur,
Verfassungsordnung und Integrationskraft enorm – ein Grund zur Zuversicht, aber
kein Anlass zur Selbstgefälligkeit. Nur mit historischem Bewusstsein und
stetiger Stärkung demokratischer Strukturen kann verhindert werden, dass sich
die Fehler von Weimar in neuer Form wiederholen. [9][47]
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Reichswehr - Wikipedia
https://en.wikipedia.org/wiki/Reichswehr
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Deutsche Streitkräfte 1918 bis 1933 - Bundesarchiv
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Reichswehr in Bayern – Historisches Lexikon Bayerns
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Reichswehr_in_Bayern
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Die Innere Führung – das Wertegerüst der Bundeswehr
https://www.bundeswehr.de/de/selbstverstaendnis/innere-fuehrung
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[58] Policy statement by Olaf Scholz, Chancellor
of the Federal Republic of Germany and Member of the German Bundestag, 27
February 2022 in Berlin
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Die Prozesse gegen die Gruppe Reuß | Reichsbürger | bpb.de
[61] Langjährige Bundeswehr-Sozialstudie: Weniger Rechtsextremisten ...
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Nicht ganz dicht am rechten Rand? | Militär | bpb.de
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/307662/nicht-ganz-dicht-am-rechten-rand/
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Studie Vertrauen in Demokratie in Krisenzeiten
https://www.fes.de/studie-vertrauen-in-demokratie
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Deutscher Bundestag - Neues Lagebild zu hybriden Bedrohungen
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1103890
[80] Abwehr hybrider Bedrohungen und Desinformation - BMI

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